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Rostock Seekanal-Vertiefung in Rostock: „Es wird kurz und heftig“
Mecklenburg Rostock Seekanal-Vertiefung in Rostock: „Es wird kurz und heftig“
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22:01 26.03.2019
Holger Brydda (v. l.) und Ulrike Scherf vom Wasser- und Schifffahrtsamt informieren über die geplante Seekanal-Vertiefung. Quelle: OVE ARSCHOLL
Hohe Düne

Die Ausbaggerung des Rostocker Seekanals soll kürzer dauern als bisher gedacht. „Statt in vier Jahren Bauzeit wollen wir die Vertiefung in 2,5 Jahren schaffen“, sagt Holger Brydda, Leiter des Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt (WSA) Stralsund. Bei einem Info-Abend in der Yachthafenresidenz Hohe Düne stellten er und Mitarbeiterin Ulrike Scherf das Projekt rund 100 Besuchern vor. Allerdings werden die Arbeiten die Anwohner zum Teil erheblich belasten. „Es wird kurz und heftig“, sagt Brydda. Im Jahr 2021 soll die Ausbaggerung beginnen.

Hintergrund des Vorhabens: Derzeit können nur Schiffe mit einem Tiefgang von 13 Meter den Seehafen Rostock anlaufen. Um auch größern Öltankern und Massengutschiffen die Zufahrt zu ermöglichen, soll die 16 Kilometer lange Fahrrinne angepasst werden. Schiffe mit Tiefgängen bis zu 15 Meter können dann den Seehafen anlaufen. „Die Konkurrenzfähigkeit mit anderen Häfen im Ostseeraum wird somit für die Zukunft gewährleistet“, sagt Brydda. Es gehe um Tausende Arbeitsplätze.

Die Kosten des Vorhabens liegen bei rund 111 Millionen Euro – Stand 2014. Insgesamt sollen 5,6 Millionen Kubikmeter Meeresboden bewegt werden. „Unsere Hauptsorge ist hier der Geschiebemergel, der den größten Anteil ausmacht und unglaublich fest ist“, sagt Brydda. Mit einem Eimerkettenbagger soll das Bodenmaterial aufgebrochen und abgetragen werden. Das Baugerät gilt als äußerst effektiv. Auch weil der Bagger sehr beweglich ist und dem laufenden Schiffsverkehr immer wieder zügig Platz machen kann. Mit einer Lärmpegel von 117 Dezibel, was einem Presslufthammer gleichkommt, handelt es sich jedoch auch um den lautesten möglichen Bagger.

Arbeiten im äußeren Bereich Tag und Nacht

In der Nähe von Wohnbebauungen soll die Arbeitszeit daher eingegrenzt werden: Montag bis Freitag von 7 bis 20 Uhr und Sonnabends von 7 bis 13 Uhr. „Da der Bagger zwischendurch der Schifffahrt ausweicht, beträgt die Netto-Arbeitszeit weniger als acht Stunden pro Tag“, sagt Brydda. Auch wolle das Amt die Arbeiten hier auf das Winterhalbjahr beschränken. „Die Anwohner sollen die Bagger maximal 2,5 Monate direkt vor der Haustür haben“, ergänzt Mitarbeiterin Scherf.

Aufgrund der hohen Lärmbelästigung könnte laut Gesetz auch verlangt werden, dass der Bagger nur 2,5 Stunden am Tag im Einsatz ist. „Dann werden die Arbeiten aber viele Winter andauern“, gibt Brydda zu Bedenken. Eine rasche Umsetzung sei auch von hohem volkswirtschaftlichen Nutzen.

Anwohner sehen kritisch, dass außerhalb der wohnnahen Bereiche Tag und Nacht gearbeitet werden soll. „Wir hatten schon einmal Probleme mit einem Aggregat im Seehafen. Das war so laut, dass wir nicht schlafen konnten“, berichtet ein Betroffener. Laut Gutachter soll die Lärmbelästigung nun aber innerhalb der gesetzlichen Norm liegen.

Schäden an Häusern nicht auszuschließen

Bevor die Arbeiten beginnen, will das WSA Gutachten von den Häusern am Ufer erstellen lassen. Denn es könne nicht hundertprozentig ausgeschlossen werden, dass die Baggerarbeiten auf dem harten Geschiebemergel für Erschütterungen sorgen, die zu Schäden an den Gebäuden führen. „Mit hoher Wahrscheinlichkeit wird das aber nicht passieren“, sagt Scherf. Falls doch, werde der Schaden reguliert. Es gebe regelmäßig Messungen.

Auch haben Gutachter mögliche Erschütterungen durch die größeren Schiffe untersucht. Fahren diese an ihren Häusern vorbei, spüren Anwohner schon jetzt Vibrationen. „Messungen belegen, dass es zu Schwingungen kommt“, so Scherf. Diese stellten aber nur leichte Belastungen dar; es gebe keine Erschütterungen, heißt es.

Heftige Kritik übt der Naturschutzbund Nabu. „Die Auswirkungen auf Natur und Umwelt sind nicht schlüssig dargestellt“, sagt Rebecca Kain. Zum Beispiel wird der Sandaustausch zwischen Warnemünde und Hohe Düne durch die Arbeiten unterbrochen, was zu einer weiteren Versteinerung der Küste in Richtung Graal-Müritz führe. WSA-Leiter Brydda verweist auf das anstehende Planfeststellungsverfahren, bei dem Betroffene und Verbände schriftlich Einwände erheben können. „Das wird dann abgewogen.“

André Wornowski

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