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Rostock Seekanalvertiefung im Hafen Rostock: Heizt das Kraftwerk bald mit Holz?
Mecklenburg Rostock Seekanalvertiefung im Hafen Rostock: Heizt das Kraftwerk bald mit Holz?
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14:28 23.05.2019
Blick vom Seehafen auf den Seekanal: Die Zufahrt zum Rostocker Wirtschaftszentrum soll für mehr als 100 Millionen Euro vertieft werden. Quelle: Manfred Sander
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Rostock

Die Häfen in MV kämpfen um Multimillionen-Investitionen in ihre Zukunft: Sowohl in Rostock als auch in Wismar muss die Zufahrt zu den Häfen ausgebaggert werden. Vor allem die größte Stadt des Landes macht Druck: „Wenn wir weiterhin konkurrenzfähig sein wollen, brauchen wir die Vertiefung des Seekanals“, sagt Jens Scharner, Geschäftsführer von Rostock Port. Denn für das größte Kraftwerk des Landes könnte das Vorhaben überlebenswichtig sein: Noch OZ-Informationen gibt es die Idee, den Stromriesen künftig statt mit Kohle mit Holz zu befeuern.

Holz statt Kohle für das Kraftwerk?

Für mehr als 100 Millionen Euro will die Bundesregierung in Rostock die 16 Kilometer lange Hafenzufahrt auf 16,5 Meter vertiefen – damit auch Schiffe mit 15 Metern Tiefgang noch Rostock anlaufen können. Doch Umweltverbände zweifeln am Sinn der Investition. Denn Rostock Port argumentiert vor allem mit immer größeren Kohlefrachtern und Öltankern, die die Hansestadt anlaufen sollen. Doch für die fossilen Brennstoffe läuft die Zeit ab: Autos und Lastwagen sollen mit Gas, Strom oder Wasserstoff fahren. Spätestens nach 2030 soll auch das Kohlekraftwerk vom Netz gehen – und braucht keinen Nachschub per Schiff mehr.

Hafen-Chef Scharner hält die Vertiefung der Zufahrt dennoch für unabdingbar – auch für das Kraftwerk: „Das Kraftwerk könnte am Netz bleiben – und statt Kohle künftig Holzpellets verfeuern“, sagt er. „Rostock ist der ideale Standort dafür. Aus Skandinavien könnten die Pellets im großen Stil importiert werden.“ Auch aus Wismar würde der klimaneutrale Brennstoff hergestellt. Wird Holz verfeuert, wird nur so viel Kohlenstoffdioxid freigesetzt, wie der Baum zu „Lebzeiten“ aus der Luft gefiltert hat. „Aber dann brauchen wir auch die Vertiefung. Um die selbe Energiemenge zu erzeugen wie bisher benötigt das Kraftwerk mehr Holz als es heute Kohle verfeuert.“ Auch Kraftwerkschef Axel Becker bestätigt entsprechende Überlegungen: „Ja, die Idee mit Holz zu feuern gibt es – aber noch keine konkreten Planungen.“ Und weiter: „Wir warten auf die konkreten Gesetze zum Kohle-Ausstieg. Danach wissen wir, ob sich ein Weiterbetrieb des Kraftwerks mit Holz wirtschaftlich darstellen ließe“, so Becker.

Getreide, Baustoffe und Erz

Schiffegucken in Rostock, Wismar, Sassnitz und Stralsund: 47 Kreuzfahrtschiffe nehmen Kurs auf MV.

Doch nicht nur für das Kraftwerke brauche Rostock die Vertiefung, sagt Rostock Port-Geschäftsführer Scharner. „Wir brauchen mehr Tiefgang, um mit der Konkurrenz aus Polen mithalten zu können – um Arbeitsplätze und Umsatz in der Region zu halten.“ In Danzig und Świnoujście gäbe es bereits zwei Häfen, die Schiffe mit 15 Metern Tiefgang be- und entladen können. Deutschland hat diese Möglichkeit an der Ostsee jedenfalls nicht. „Das ist ein Wettbewerbsnachteil für uns. Fracht und Schiffe könnten abwandern.“

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Rostock aber müsse mehr Verkehr in den Seehafen ziehen: „Und weil die Schiffe immer größer werden, müssen wir vertiefen“, so Scharner. Beispiels Getreideumschlag: Ein Konsortium um die bayerische Beiselen-Gruppe hat gerade erst ein neues Getreideterminal im Seehafen gebaut, die Umschlagsgesellschaft Euroports hat einen weiteren Belader angeschafft. Kosten: zusammen mehr als 40 Millionen Euro. Rostock soll zu dem Getreidehafen an der Ostsee werden. „Bisher aber können die Frachter bei uns nur zum Teil beladen werden – weil sie voll beladen nicht mehr auslaufen könnten“, sagt Scharner. Mit der Seekanalvertiefung würde Rostock für Afrika, die Arabische Halbinsel und auch Asien zum wichtigen Getreide-Umschlagplatz. „Und wenn wir das Getreide von hier aus verschiffen, bleiben laut neuen Berechnung rund ein Euro mehr pro Tonne im Land. Weil die Exportkosten sinken, bleibt mehr Geld für die Bauern in MV.“

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Und dann wäre da noch die Ware Erz: 2005 verlor Rostock das Geschäft mit dem Rohmetall für die Werke in Eisenhüttenstadt an Hamburg. „Drei bis vier Züge mit Erz rollen heute pro Tag nach Eisenhüttenstadt – und zurück“, so der Hafen-Chef. Doch auf der Linie HamburgBerlin, die auch die Güterzüge nutzen, drohen Engpässe. „Wenn wir die großen Erzfrachter bei uns entladen könnten, könnte Rostock im Erz-Geschäft wieder ein wichtige Rolle spielen. Wir haben eine gute Bahn-Anbindung, könnte Alternative zu Hamburg sein“, erklärt Scharner. Und auch das Öl-Geschäft sei nicht tot: „Wir brauchen Öl als Rohstoff für die chemische Industrie – zum Beispiel in Leuna.“

Hafen investiert für Vertiefung

Höher, länger, breiter: Diese Kreuzliner entstehen in Mecklenburg-Vorpommern. Werftstandorte sind in Rostock-Warnemünde, Wismar und Stralsund.

Rostock Port jedenfalls bereits sich bereits auf die Vertiefung vor: „Auch wir müssen unsere Infrastruktur anpassen“, so Scharner. Liegeplätze und Hafenbecken müssen ebenfalls ausgebaggert werden. Allein das kostet 15 Millionen Euro. Vier Liegeplätze will allein Rostock Port für die neuen, großen Schiffe vorbereiten. „Wir werden insgesamt 70 Millionen Euro investieren. Wir brauchen die Vertiefung und das Land auch. Nur so sichern wir dauerhaft Jobs und Steuereinnahmen im Hafen – und haben die Chance auf Wachstum.“

Wismar: Tiefgang für MV Werften

In Wismar geht es bei der Vertiefung vor allem um die Werft: Auch die Zufahrt zum zweitwichtigsten Hafen des Landes soll vertieft werden. Von 9,50 auf 11,50 Meter, sagt Wismars Seehafen-Geschäftsführer Michael Kremp. Rund 80 Millionen Euro will der Bund dafür ausgeben. „Wir brauchen mehr Tiefgang für die riesigen Kreuzfahrtschiffe, die bis uns entstehen. Die Schiffe können zwar hier zusammengebaut werden und dann auslaufen. Sie kommen aber nicht mehr rein. Auch für das Massengutgeschäft, zum Beispiel mit Holz, brauchen wir die Vertiefung.“ Derzeit würde das Planfeststellungsverfahren vorbereitet. Wann die Vertiefung kommt? „Das ist noch offen. Ich denke, frühestens 2022 / 2023“, so Kremp.

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