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Rostock Aktionsjahr „Fair übers Meer“
Mecklenburg Rostock Aktionsjahr „Fair übers Meer“
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05:17 26.02.2019
Für faire Arbeitsbedingungen auf See kämpft auch die Internationale Transportarbeiter Föderation. Inspektor Hamani Amadou (Foto ganz rechts) organisiert alljährlich die Aktionswoche im Rostocker Hafen. Foto: privat Quelle: privat
Rostock

Fairtrade, fairer Handel – Produkte mit diesem Siegel gibt es mittlerweile in vielen Läden. In Mecklenburg-Vorpommern tragen sogar die beiden Städte Rostock und Schwerin offiziell den Titel Fairtrade-Stadt – und es gibt weitere Kommunen, die sich ebenfalls engagieren wollen. Für Folkert Janssen, den Chef der Rostocker Seemannsmission, geht das allerdings nicht weit genug. Er stellt klar: „Ohne Transport gibt es keinen Handel.“ Es fehle ein Logo, das auch in diesem Bereich faire Arbeitsbedingungen sichert.

Im Eine-Welt-Laden in der Ökovilla an der Herrmannstraße dreht sich alles um fairen Handel, um Nachhaltigkeit und soziale Verantwortung. Kaffee, Tee, Kakao, Wellnessartikel… Gesine Braun, die dort in ihrer Freizeit als ehrenamtliche Verkäuferin arbeitet, erklärt: „Wir kaufen und verkaufen nur Dinge, die das Fairtrade-Siegel tragen, dass heißt, dass die Kaffeebauern wirklich einen fairen Preis für ihre Produkte bekommen, von dem sie leben und ihre Kinder in die Schule schicken können.“ Worüber sie keinem Kunden Auskunft geben kann, das sind die Bedingungen, unter denen ihre Waren aus Afrika, Asien oder Südamerika nach Rostock transportiert werden.

Folkert Janssen von der Rostocker Seemannsmission würde das gerne ändern. Im Seemannsclub Hollfast ist er ständig in Kontakt mit Seeleuten aus aller Welt. Und weil er auch regelmäßig die Schiffe besucht, die im Überseehafen ent- oder beladen werden, weiß er sehr genau, wie es an Bord aussieht. Seine Erfahrung: „Die Arbeitsbedingungen dort sind oft alles andere als fair.“ Zwar gibt es seit dem Jahr 2013 eine weltweit gültige Konvention zur Wohlfahrt von Seeleuten (MLC) und seitdem habe sich auch schon einiges verbessert. „Aber wir sind noch lange nicht am Ende des Weges angekommen.“

Monatelang nicht ausgezahlte Heuer, unzureichende medizinische Versorgung, schlechte Verpflegung, zu kurze Ruhezeiten… Auch Hamani Amadou, Inspektor der Internationalen Transportarbeiter Föderation in Rostock, kann von solchen Schwierigkeiten ein Lied singen. Immer wieder komme es vor, dass ganze Schiffsmannschaften von ihren Reedern am anderen Ende der Welt im Stich gelassen werden. „Die sitzen dann in irgendeinem Hafen fest, haben keinerlei Kontakt mehr zum Schiffseigner, bekommen kein Geld, haben weder Wasser und noch Proviant an Bord.“ Seine Schätzung: Auf etwa 20 Prozent der Schiffe, die er im Rostocker Hafen kontrolliert, sei alles in Ordnung. Auf allen anderen gibt es Verstöße gegen die MLC. „Es ist manchmal gar nicht möglich, an Bord zu gehen, ohne irgendetwas zu finden.“

Um diese Missstände stärker in die Öffentlichkeit zu tragen, hat die Deutsche Seemannsmission das Jahr 2019 zum Aktionsjahr „Fair übers Meer“ auserkoren. Folkert Janssen ist jetzt auf der Suche nach Mitstreitern, um die Sache voranzutreiben. Er könnte sich beispielsweise ein eigenes „Fair-übers-Meer-Siegel“ ähnlich dem Fairtrade-Siegel vorstellen, mit dem Reedereien ausgezeichnet werden, die ihre Mitarbeiter anständig behandeln. Noch besser gefiele es ihm, wenn das bereits bestehende Fairtrade-Siegel um die Komponente Transport erweitert werden könnte. „Das hätte ein ganz anderes Gewicht, damit könnte man wirklich etwas bewegen.“ Wobei er einräumt, die Seemannsmission sei zwar weltweit gut vernetzt, trotzdem könne sie einen solchen Prozess lediglich anschieben.

Gesine Braun vom Eine-Welt-Laden findet die Idee gut – und würde gerne nicht nur fair gehandelte, sondern auch fair transportierte Produkte in der Ökovilla verkaufen. Die Transportarbeiter Föderation ITS plant am 27. März in Brüssel eine Demonstration, eine Kampagne für fairere Arbeitsbedingungen von Seeleuten, Hafenarbeitern und Lkw-Fahrern. Denn zum Handel gehören auch sie untrennbar dazu.

Katja Bülow

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