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Rostock Seil gerissen: Arbeiter stirbt nach Sturz vom Kraftwerk
Mecklenburg Rostock Seil gerissen: Arbeiter stirbt nach Sturz vom Kraftwerk
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19:39 15.11.2018
Plattform stürzt in Rostocker Hafen ab. Ein Mann stirbt, einer wird gerettet. Quelle: Stefan Tretropp
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Rostock

Die Höhenretter der Rostocker Berufsfeuerwehr – sie kennen sich aus am höchsten Bauwerk der Hansestadt: „Wir haben schon oft am Kühlturm geübt“, sagt Einsatzleiter Mario Henke. Doch als Donnerstagmorgen um exakt 9.34 Uhr der Notruf in der Leitstelle eingeht, ist es kein Training mehr: Bei Reparaturarbeiten am 141,5 Meter hohen Kühlturm sind zwei Arbeiter abgestürzt. Ein Mann fällt aus 60 Metern in eine Baustelle. Er ist sofort tot. Den zweiten Arbeiter müssen die Höhenretter aus höchster Lebensgefahr retten.

Seile sind gerissen

Nach Angaben des Kraftwerksbetreibers KNG – ein Tochterunternehmen der Stromriesen EnBW und Rheinenergie – waren die beiden Mitarbeiter einer Baufirma mit „Fassadenarbeiten“ am Kühlturm beschäftigt. „Dabei kam es zu dem schweren Unfall“, so KNG-Sprecherin Jana Hinz. Die Arbeiter befanden sich zu dem Zeitpunkt auf einer Arbeitsplattform, die von oben am Turm herabgelassen wurde. „Auf einer Seite gaben plötzlich die Seile nach“, sagt Sophie Pawelke, Sprecherin des Polizeipräsidiums Rostock. Feuerwehr-Einsatzleiter Mario Henke wird noch präziser: „Die beiden Seile sind gerissen. Wieso – das können wir aber noch nicht sagen.“

Die Plattform befand sich zu diesem Zeitpunkt etwa 60 Meter über dem Boden. Ein Arbeiter – 39 Jahre alt – konnte sich nicht mehr festhalten und stürzte in die Tiefe. Er fiel in eine Baustelle. „Der Notarzt konnte nur noch den Tod feststellen“, so Henke. Der zweite Mann aber konnte sich an der Gondel festklammern.

Rettung dauerte zwei Stunden

Sofort lief eine groß angelegte Rettungsaktion für den 34-Jährigen in Lebensgefahr an: „Der Kraftwerksbetreiber hatte ein eigenes Höhenrettungsteam vor Ort, das von unseren Experten unterstützt wurde“, sagt Henke. Die Herausforderung: „Wir mussten uns von der Spitze des Kühlturms, aus 140 Metern Höhe abseilen – zu Fuß, senkrecht nach unten. Zudem war unklar, ob auf dem Weg dorthin irgendwelche Gefahren lauern würden, die möglicherweise auch den Unfall ausgelöst hatten.“ Allein die Vorbereitungen für die Rettung des Mannes dauerten gut eine Stunden. „Gegen 11 Uhr hatten wir dann Mann erreicht, 20 Minuten später war er in Sicherheit.“ Der Arbeiter war verletzt, musste vom Rettungsdienst versorgt werden.

Bilder vom Drama im Rostocker Überseehafen

„So einen Einsatz hatten wir noch nie“

Für die Rostocker Berufsfeuerwehr war es einer der herausforderndsten Einsätze der vergangenen Jahre: „So eine Rettung hatten wir zum Glück noch nie“, sagt Henke. Rund um die Uhr stehen sind in der Hansestadt vier Höhenretter der Berufsfeuerwehr einsatzbereit. „Das ist eine Zusatzausbildung für unsere Einsatzkräfte.“ Im Schnitt kommen die Männer auf ein, zwei Einsätze pro Jahr: „Wir helfen beispielsweise bei medizinischen Notfällen – wenn etwa ein Kranführer oder ein Monteur auf einem Windrad Hilfe benötigt und allein nicht mehr noch unten kommt.“

Ermittlungen dauern an

Was die Ursache des Unfalls angeht, hielten sich sowohl die Berufsfeuerwehr, als auch die Polizei und der Kraftwerksbetreiber am Donnerstag noch sehr zurück. Die Kriminalpolizei hat die Ermittlungen übernommen. Auch die Berufsgenossenschaft und das für Arbeitssicherheit zuständige Landesamt für Gesundheit und Soziales wollen eigene Untersuchungen durchführen. Bis zum späten Abend war das aber nicht möglich: „Die Bergung der Plattform gestaltet sich als äußerst schwierig“, hieß es aus der Einsatzleitstelle der Polizei. Stundenlang baumelte die Gondel noch am Kühlturm, musste aufwändig gesichert werden. Erst am Abend – nachdem sämtliche Gefahren beseitigt worden waren –konnten der Leichnam und die Plattform geborgen werden. „Wir werden die Ermittlungen am Freitag fortsetzen. Bis wir die Ursache klar ist, könnte es noch Tage dauern“, so Thomas Schmidt, Polizeiführer vom Dienst. Unklar ist bisher, ob die beiden Männer auf der Gondel zusätzlich durch Gurte oder Seile gesichert waren – und ob dies Pflicht gewesen wäre.

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Stefan Tretropp und Andreas Meyer

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