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Rostock Rostock: Selfie-Star Madsen will Wünsche erfüllen
Mecklenburg Rostock Rostock: Selfie-Star Madsen will Wünsche erfüllen
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11:00 14.06.2019
Selfie-Alarm: Moritz aus Rostock hat Madsen „am Bart erkannt“ und möchte gern ein gemeinsames Foto. Quelle: Martin Börner
Stadtmitte

Im kleinen Wahlbüro auf seinem Firmengelände in Schutow zeigt der Kalender den 28. Mai. „Wahrscheinlich ist bei uns so kurz nach dem ersten Wahlgang die Zeit stehengeblieben“, sagt Claus Ruhe Madsen und krault den kleinen Welpen auf seinem Schoß. „Floki ist unser Wahlkampfhund. Er hat Glück, dass es noch Verlängerung gab. Nach Sonntag bringen wir ihn zurück“, sagt Madsen grinsend und erntet einen ernsten Blick von Dominic Schmidt, seiner Wahlkampfmanagerin. Ihr gehört der kleine Rüde.

„Floki“ sei der Wahlkampfhund, sagt Claus Ruhe Madsen. Der Rüde gehört Dominic Schmidt, die für den Dänen arbeitet. Quelle: Martin Börner

Stimmenfang durch betonte Tierliebe, das sei nicht sein Weg ins Oberbürgermeisteramt. „Ich habe einfach nachgelesen, wie es geht“, sagt der 46-Jährige und zieht ein weißes Buch aus dem Regal. „Wie man eine Wahl gewinnt“, heißt das Werk von Lorenz Brockmann. Wahlkampf sei Ausnahmezustand, schreibt der Autor. Und dass man eine klare und kluge Kampagne sowie ein starkes Team brauche. Genau so hat es der Däne für sich umgesetzt.

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Begehrte Pullis und Madsen-Cut beim Friseur

Dass Madsens Bemühungen um die Wähler ankommen, zeigen auch kreative Auswüchse seiner Fans. An der Pinnwand hängt das Plakat eines Friseurs, der einen Haarschnitt nach Vorbild des OB-Kandidaten anbietet: Kurze Seiten, auf dem Kopf eine Tolle... Eben so, wie es auch auf Socken, T-Shirts und Kapuzenpullis zu sehen ist.

Für Claus Ruhe Madsen die wichtigsten Stücke im Wahlbüro: Sparschwein und Tasse, beides bemalt von seiner elfjährigen Tochter. Quelle: Martin Börner

„Ich selbst hab nur noch drei Stück von den Hoodies, die Nachfrage war riesig“, sagt Madsen. Für ihn sind vielmehr zwei Unikate bedeutsam, die einen Ehrenplatz im Büro haben: ein kleines Sparschwein und eine Tasse. „Papa, du schaffst das schon“, hat seine Tochter darauf geschrieben.

Unterwegs mit dem Kleiderschrank auf Rädern

Die Zeit drängt, der nächste Termin wartet – als Verkäufer an Karls-Erdbeerstand im Friedhofsweg. Den Weg von Schutow in die Innenstadt fährt er ausnahmsweise per Auto. „Das Lastenrad überlebt nicht mehr viel länger als bis zur Stichwahl. Und schnell ist es auch nicht, sondern gut 40 Kilo schwer. Quasi ein Kleiderschrank auf Rädern“, so der Möbelhändler.

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Der stockende Verkehr lässt ihm Zeit, den Blick auf seine Plakate zu werfen, die von Unbekannten fast allesamt nachträglich mit dem Aufdruck „CDU“ versehen wurden, obwohl er parteilos antritt.

Der Ton sei deutlich rauer geworden nach dem ersten Wahlgang, in dem er mit 34,6 Prozent als bester von neun Kandidaten abschnitt. „Mir wurde gesagt, daran soll ich mich gewöhnen, so sei das Geschäft. Aber das will ich nicht.“ Bei Zerstörung von fremdem Eigentum höre für ihn der Spaß auf.

Selfie-Wünsche und Vorwürfe der Profitgier

Er wolle ein Bürgermeister für alle sein, sagt Madsen. Auch für die beiden kleinen Mädchen, die anfangen zu kichern, als er vom Parkhaus zum Erdbeerhäuschen geht. „Den kenn ich aus dem Fernsehen“, flüstert eine zur anderen und bittet um ein Selfie. „Bei Kindern hätte ich die Wahl direkt gewonnen“, glaubt Madsen. Ob es am Bart liegt, der ihn wie einen Weihnachtsmann aussehen lässt? Ähnlich viele Wünsche bekäme er jedenfalls.

Azubi Hannes Nicolaisen unterstützt Madsen im Wahlkampf. Der Däne ist aber auch selber unterwegs, um Plakate mit dem Hinweis auf die Stichwahl aufzuhängen. Quelle: Martin Börner

Aber auch Kritik. „Sie wissen also, wie die Welt funktioniert?“, spricht ein großer Mann Madsen von der Seite an. Gut 20 Minuten lang darf sich der Däne dann anhören, dass Politiker nur Marionetten sind und sowieso alles ums Geld geht. „Ich mache das nicht aus Profitgier. Wenn ich gewinne, verdiene ich sogar weniger als jetzt“, sagt Madsen. Dem Passanten ist das egal, er wähle sowieso nicht. Dennoch erhält er eine Einladung ins Rathaus, sollte es mit der Wahl klappen. Um konkret abzusprechen, „wo es am meisten brennt“. Zum Beispiel beim Thema Obdachlosigkeit.

Egal, wo er auftaucht – es dauert nie lange, bis der 46-Jährige OB-Kandidat um ein Selfie gebeten wird. Bei den „Schwatzen mit Madsen“ Terminen geht es dagegen eher um Fakten als um Fotos.

„Ich krieg auch nicht die Welt verändert, so optimistisch bin ich nicht. Aber man kann jeden Tag ein Stückchen leisten“, sagt Madsen mit entschuldigendem Blick in Richtung Erdbeerstand. Ein weiteres Selfie, eine Diskussion mit einer Berufsschullehrerin über ihre Herausforderungen auf Arbeit und eine ältere Dame, die Madsen zur Erfrischung an diesem schwülen Tag unbedingt eine ihrer Erdbeeren schenken will – dann ist endlich Zeit für den eigentlichen Termin.

Pfiffe auf dem Erdbeerfeld

Erika Kubalie arbeitet seit sieben Jahren als Erdbeerverkäuferin und muss schmunzeln, als Madsen direkt fragt, ob man bei ihr am Stand auch mit Karte zahlen könnte. „Ich hab früher in Dänemark beim Pflücken geholfen. Da mussten wir immer pfeifen, damit wir nicht naschen“, erinnert er sich an seine Jugend.

Verkaufsprofi am Erdbeerstand: Madsen mit Andrea Hasselmann von Karls. Quelle: Martin Börner

Die Überraschung der Kunden bei seinem Anblick ist groß. Für jeden gibt es neben den süßen Früchten auch noch ein paar nette Worte oder eine Verzehrempfehlung mit dazu.

Junger Fan hat Politik-Hausaufgaben gemacht

Große Freude auf beiden Seiten, als der zehnjährige Ben den OB-Kandidaten entdeckt. „Er war schon bei meinem ,Schwatzen mit Madsen’ im Trihotel“, erinnert sich der Däne. „Da bin ich sogar alleine hin, weil er mich interessiert und ich schon seine Podcasts gehört habe“, sagt der aufgeweckte Junge.

Bei dem Termin hätte Madsen ihn in ein kleines Politikquiz verwickelt. Nur beim Namen der Ministerpräsidentin hätte er passen müssen. „Jetzt weiß ich es aber – Manuela Schwesig“, sagt Ben und klatscht mit Madsen ab. „Es ist schade, dass ich noch nicht wählen darf“, erklärt der Junge enttäuscht, holt sich dafür aber noch ein Erinnerungsfoto.

Erinnerungsfoto mit dem OB-Kandidaten. Quelle: Martin Börner

Knapp zwei Stunden und unzählige verkaufte Schälchen später ist es Zeit für den Aufbruch. Er sei ein entspannter Autofahrer und halte es mit der dänischen Einstellung „pyt“ – es kommt, wie es kommt. Eine Radlerin lenkt Madsens Aufmerksamkeit kurz von der Straße ab. „Das sieht aus wie ein altes Trikot von der Hansetour Sonnenschein“, sagt er und fährt langsam an eine rote Ampel, damit die Dame überholen kann. „Wahnsinn, von 1997“, staunt Madsen, der die Tour organisiert. Am Mittwoch nach der Stichwahl geht es los, 600 Kilometer in vier Tagen, für ihn diesmal ohne vorheriges Training.

Das kommende Wochenende hat es in sich: Rammstein-Konzert, Roland Kaiser und Mark Forster im Rostocker Iga-Park, diverse Feste, maritime Spektakel und dann auch noch Stichwahlen in mehreren Kommunen des Landes. Die wichtigste Wahl gibt es wohl am Sonntag in Rostock. Dort kämpfen der parteilose Unternehmer Claus Ruhe Madsen und Sozialsenator Steffen Bockhahn (Linke) um den Einzug ins Rathaus.

Eigentlich würde er deshalb den Weg nach Warnemünde gern wenigstens mit dem Lastenrad erledigen. Doch Blicke auf Handy und Himmel halten ihn ab: Schwere Gewitter sind im Anmarsch. „Obwohl, dann wäre ich auf dem Ding wenigstens mal schnell und hätte vielleicht sogar Strom auf dem Rad.“

Antwort garantiert – und original per Sprachnachricht

Vor dem Büro ist Zeit für eine kurze Verschnaufpause. Zwei Stühle und ein Gartentisch – von diesem Platz aus beantworte er per Sprachnachricht die Anfragen der Bürger. Alle persönlich und bis zu 70 am Tag.

Rückzugsort vor dem Büro. In kurzen Pausen beantwortet Madsen Fragen der Rostocker per Sprachnachricht. Quelle: Martin Börner

Donner grummelt, Blitze zucken, Regen setzt sein. „Eigentlich liebe ich solches Wetter“, sagt Madsen. Doch allein die paar Meter vom Auto zum Eingang des Dock Inn-Hostels durchnässen ihn genau so, wie seine rund 60 Anhänger, die bereits warten. Im Publikum erstmals auch Frau und Tochter. Die Elfjährige umarmt ihren Papa stürmisch, bevor es losgeht.

Haushaltspflichten sind unabhängig vom Wahlkampf

Ein schneller Kaffee, dann beginnt die Talkrunde, bei der es um viele spezifische Warnemünde-Probleme geht. Madsen beantwortet jede Frage, teilweise fast zu ausschweifend. Ob er die Bürgernähe aus dem Wahlkampf auch nach Amtsantritt behalten wird, will Steffen Koch wissen. „Warum sollte ich das Konzept ändern? Ich habe einen Riesenspaß daran. Und bevor ich seitenlang zum Beispiel über die Alte Schmiede lese, fahre ich lieber hin“, entgegnet Madsen.

Es ist dunkel draußen, als er das Hostel verlässt. Fünf bis sechs Stunden Schlaf, mehr gibt es nicht. Dann startet der Tag mit Aufgaben, die unabhängig vom Wahlkampf sind: „Frühstück für meine Tochter, Kaffee für meine Frau, Futter für den Hund, Spüler aus- und einräumen und das Sortieren der Wäsche“, nennt Madsen die Dinge, die Bestand haben. Egal, was am Sonntag passiert.

Claudia Labude-Gericke

Am Wochenende treten Roland Kaiser und Mark Forster im Iga-Park in Rostock auf. Kurz zuvor gab es aber nochmal einen Krisengipfel: Die Polzei fordert bessere Verkehrs- und Sicherheitskonzepte für das Open-Air-Gelände.

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