Menü
Ostsee Zeitung | Ihre Zeitung aus Mecklenburg-Vorpommern
Rostock Seit mehr als einem Jahr gesperrt: So geht es am Hafen Schnatermann weiter
Mecklenburg Rostock

So geht es am Hafen Schnatermann weiter

Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
20:08 06.01.2022
Wolf-Rüdiger Butzlaff (70) ist enttäuscht: Der Anleger am Schnatermann sollte im Oktober 2021 durch ein Provisorium wieder in Betrieb genommen werden. Die Baustelle steht bis heute still. Nicht nur zum Bedauern des Vereins zur Erhaltung traditioneller Schiffe, ist der Schnatermann doch ein beliebtes Ausflugsziel für Segler.
Wolf-Rüdiger Butzlaff (70) ist enttäuscht: Der Anleger am Schnatermann sollte im Oktober 2021 durch ein Provisorium wieder in Betrieb genommen werden. Die Baustelle steht bis heute still. Nicht nur zum Bedauern des Vereins zur Erhaltung traditioneller Schiffe, ist der Schnatermann doch ein beliebtes Ausflugsziel für Segler. Quelle: Martin Börner
Anzeige
Rostock

„Wir sind frohen Mutes. Aber natürlich auch ein bisschen enttäuscht“, betont Michael Wesols, Vorsitzender des Vereins zur Erhaltung traditioneller Schiffe, wenn er an den Schnatermann denkt. Bereits seit November 2020 ist der kleine Hafen gesperrt – die Kaianlage ist in die Jahre gekommen und marode, Schiffe können nicht mehr anlegen. „Wir sind quasi heimatlos. Wo sollen die Boote denn hin – die kann man nicht so einfach umparken wie ein Auto“, so Wesols. „Wir sind doch dort verwurzelt, seit 30 Jahren vor Ort. Die Schließung hat uns hart getroffen.“

Der Schnatermann ist ein beliebtes Ausflugsziel für Segler. Quelle: Martin Börner

Die Boote des Vereins sind im Museumshafen aufgenommen worden, dennoch hofft Wesols, dass es bald zurück an den Schnatermann geht. Im März 2021 entschied die Rostocker Bürgerschaft, ein Provisorium zu errichten, um die Fahrgastschifffahrt aufrecht zu erhalten. Ein vorhandener ehemaliger Fähranleger der Fährverbindung „Kabutzenhof – Gehlsdorf“ soll wiederverwendet und mithilfe von zwei neu zu rammenden Dalben verankert werden. Ein neu zu schaffender Landgang ermöglicht den Zugang. Die Altanlage wird nicht zurückgebaut und muss weiterhin abgesperrt bleiben.

Arbeiten verzögern sich

Nach Angaben des Hafen- und Seemannsamtes werden derzeit nun die Arbeiten zur Errichtung eines provisorischen Anlegers ausgeführt. In enger Abstimmung mit den vor Ort agierenden Partnern sei ein technischer Entwurf erarbeitet worden, der sowohl den Bedürfnissen der Vereinsboote, möglichen Tagesliegern als auch der gewerblichen Fahrgastschifffahrt gerecht wird. Ursprünglich sollte der Hafen im Herbst wieder freigegeben werden – doch die Arbeiten verzögern sich. „Anträge, Genehmigungsverfahren, Umweltschutz – bei einem so kleinen Bauvorhaben sind so viele endlose Hürden zu überwinden“, sagt der Vorsitzende des ansässigen Vereins. Er betont: Die Zusammenarbeit mit dem Amt und Hafenkapitän Falk Zachau liefe gut. „Wir haben alle Schwierigkeiten miterlebt“, sagt er.

Laut Hafen- und Seemannsamt habe sich im Rahmen der Genehmigungsplanung die Notwendigkeit einer Kampfmittelsondierung ergeben. Diese Maßnahme hätte die Arbeiten verzögert. Seit Anfang Dezember liege eine Freigabe vor. „Aufgrund der schlechten Witterungsverhältnisse zum Ende des Jahres konnten die geplanten Arbeiten am Anleger Schnatermann nicht beginnen“, heißt es weiter. Michael Wesols kennt einen weiteren Grund: „Die Baufirma hatte bereits einen Folgeauftrag. Wir warten jetzt jeden Tag, dass sie ihre Geräte wieder herholt.“

Hoffen auf Ostern

Bei guten Witterungsverhältnissen soll das Vorhaben im ersten Quartal 2022 realisiert werden. Darauf hofft auch Reinhard Kammel von dem Unternehmen Warnow Personenschifffahrt, der Ausflugsfahrten auf der Linie Warnemünde-Schnatermann-Markgrafenheide anbietet. Im April beginnt die neue Saison – ein Halt am Schnatermann sei wichtig. „Viele Gäste aus Warnemünde oder Markgrafenheide steigen dort aus, gehen wandern, besuchen die Gaststätte und fahren mit uns zurück“, sagt er. „Außerdem fahren viele Fahrradfahrer auf einer Tour mit uns mit. Gerade Familien mit kleineren Kindern wollen die Strecke von Warnemünde zum Schnatermann nicht zweimal radeln.“

Auf dem Gelände des Hafens liegen Teile, die am ehemaligen Anleger in Gehlsdorf abgebaut wurden. Quelle: Martin Börner

Ortsbeiräte unterstützen Vorhaben

Unterstützung erhalten die ansässigen Unternehmen auch von den Ortsbeiräten in Markgrafenheide und Gehlsdorf. „Die Schiffsverbindung ist eine touristisch sinnvolle und umweltschonende Reisemöglichkeit in das Gebiet“, so Henry Klützke, Vorsitzender in Markgrafenheide. „Die Verbindung zum Schnatermann findet großen Anklang bei Urlaubern und Einheimischen.“

Auch Kurt Massenthe aus Gehlsdorf ist erwartungsvoll. „Ich hoffe, dass alles bis Ostern so weit fertig ist, dass da dann schon wieder Schiffe anlegen können“, sagt er. „Selbst wenn der letzte Anstrich dann noch fehlt – es muss zumindest wieder Ausflugsverkehr möglich sein.“ Massenthe lobt die gute Zusammenarbeit mit Hafenkapitän Falk Zachau, kritisiert jedoch die hohen bürokratischen Hürden, die allen Beteiligten das Leben schwer machen. „Die Lebensdauer der provisorischen Lösung ist erst einmal für fünf Jahre garantiert. Wir haben Hoffnung, dass wir vielleicht sogar mit zehn Jahren rechnen können“, sagt er. „Das heißt: Wir haben jetzt ein paar Jahre Zeit, uns um die Gelder zu kümmern, damit wir dann spätestens in zehn Jahren eine komplett neue Steganlage bekommen.“

Ihr täglicher Newsletter aus der OZ-Chefredaktion

Viele Hintergründe aus der OZ-Redaktion und die wichtigsten Nachrichten aus MV, Deutschland und der Welt täglich gegen 19 Uhr im E-Mail-Postfach.

Mit meiner Anmeldung zum Newsletter stimme ich der Werbevereinbarung zu.

Von Katharina Ahlers