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Rostock So hat Mecklenburg sich verändert: Markante Gebäude im Wandel der Zeit (Teil 4)
Mecklenburg Rostock So hat Mecklenburg sich verändert: Markante Gebäude im Wandel der Zeit (Teil 4)
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11:00 26.10.2019
Dieses Bild zeigt das Schloss Kalkhorst im Jahr 1957. Damals war es ein Tuberkulose Krankenhaus. Quelle: Sammlung Manfred Rohde
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Rostock

Mecklenburg hat sich im Lauf der Zeit deutlich verändert. Ein Vergleich historischer Ansichten von vor hundert Jahren mit aktuellen Aufnahmen macht deutlich, wie sehr.

Während einige Gebäude noch gut erhalten sind oder erneuert wurden, verfallen andere zunehmend. In einer Serie stellen wir markante Bauten aus der Region vor.

Die Löwen-Apotheke am Hopfenmarkt in Wismar

Das zweigeschossige, repräsentative Giebelhaus in der Bademutterstraße 2 zieht die Blicke auf sich. Es wurde im 16./17. Jahrhundert von wohlhabenden Wismarer Bürgern am Hopfenmarkt erbaut – als Brauhaus und Kaufmannshaus. 1659 gründete Mathias Scheffel hier eine Apotheke. Sie war nach der Ratsapotheke die zweitälteste der Stadt.

Mit der Übernahme des Hauses wurde es dem Stil der Zeit angepasst und mit einer barocken Fassade versehen. Sie ist im 19. Jahrhundert teilweise im Neorenaissancestil umgestaltet worden. Am 4. Juni 1851 wird in einer Anzeige erstmalig die Löwen-Apotheke erwähnt, hatte Stadtchronist Detlef Schmidt recherchiert. Das „Wohn- und Apothekenhaus, früher die untere Apotheke, jetzt die Löwen-Apotheke genannt“.

Die OSTSEE-ZEITUNG zeigt historische und neue Aufnahmen von markanten Gebäuden in Mecklenburg.

Nach fast 350 Jahren keine Apotheke mehr

„Der Löwe auf einem verzierten Balken über dem korbbogenartigen Eingang mit der Barocktür ist Namensgeber“, schreibt Heidemarie Schult in der „Kleinen Wismarer Hausfibel“. Sie verweist auf die sehenswerte Diele mit ihrer Holzbalkendecke und Galerie. Eine Besonderheit seien auch die Fenster der Arbeitsräume im Erdgeschoss. Sie wurden zu Beginn des 19. Jahrhunderts mit einer Jugendstilverglasung ausgestattet.

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Die Löwen-Apotheke wurde Ende 2004 aus wirtschaftlichen Gründen geschlossen. Die letzte Apothekerin war Lisa Poppe aus Bad Kleinen. Heute befinden sich das Café „Alte Löwenapotheke“ mit Ferienwohnungen und ein Weinkontor in dem Gebäude.

Jakobikirchplatz Rostock erinnert an Pfarrkirche

Wo einst die Jakobikirche stand, erinnert heute nur noch ein Gedächtnisplatz an das gewaltige Bauwerk. Mitten in der Innenstadt ragte zwischen der Apostelstraße und der Pädagogienstraße die Pfarrkirche der Rostocker Neustadt von der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts bis zur Mitte des Zweiten Weltkrieges empor.

Die dreischiffige Backsteinbasilika war die jüngste Pfarrkirche der Hansestadt und wurde als Zeichen für Reichtum und Ansehen prächtiger als die anderen drei Hauptpfarrkirchen gestaltet. Unter anderem gehörten 30 Altäre der vorreformatorischen Zeit zu ihrer Ausstattung.

Am 26. April 1942 zerstörte ein britischer Bombenangriff große Teile der Jakobikirche. Das Turmmassiv sowie die Innenräume brannten völlig aus. Damit gingen viele wertvolle Gegenstände, wie die Renaissancekanzel von 1582 und ein Kruzifix aus dem 15. Jahrhundert, für immer verloren. 1943 sicherte man das beschädigte Gewölbe gegen Einsturz und versah die Kirche mit einem Notdach. Vier Jahre später brach das Hochschiff trotzdem in sich zusammen, als eine Sprengung in der Langen Straße stattfand.

Letzte Ruinen weichten 1960

Lediglich der massive Turm, die Reste des Chores sowie die Seitenwände fristeten als Ruine noch lange ein Dasein. Zu einem anfangs angedachten Wiederaufbau der Kirche kam es wegen der sozialistischen Neugestaltung der Innenstadt nicht. Stattdessen riss man die Ruinen in den Jahren 1959 und 1960 völlig ab. Während der DDR-Zeit war der Ort unter dem Namen Klaus-Störtebeker-Platz der Standort von Imbissbuden.

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Im Jahr 2008 wurde auf dem 7000 Quadratmeter großen Platz schließlich ein Mahnmal errichtet, das den Grundriss der Jakobikirche darstellt. Die zehn Meter hohen Kolonnaden auf der Nordseite verdeutlichen die Höhe des einstigen Seitenschiffes. Zudem befindet sich an der nordwestlichen Seite des Platzes eine erhaltene Grabplatte.

Schloss Kalkhorst war früher Kurheim für Tuberkulose-Erkrankte

Schloss Kalkhorst liegt etwas versteckt, abseits des Ortes am Rand des Lenorenwaldes. Die Geschichte des markanten Gebäudes ist vielfältig. Baron Thomson von Biel ließ 1853 den Grundstein für Schloss Kalkhorst legen. Es wurde mit seinen Nebengebäuden im neogotischen Stil bis 1874 fertiggestellt. Bis 1934 diente es als Wohnsitz der Gutsherrschaft von Biel.

Von 1935 bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs war Schloss Kalkhorst Schulungszentrum des „Volksbundes für das Deutschtum im Ausland“. Nach dem Zweiten Weltkrieg diente es als Typhuskrankenhaus und Tuberkuloseeinrichtung.

Schriftstellerin Christa Wolf wurde von Oktober 1946 bis April 1947 dort behandelt. In ihrem Buch „Kindheitsmuster“ beschrieb sie Eindrücke aus der Zeit. Schließlich wurde Schloss Kalkhorst als Fachschule der Sozialversicherungsanstalt und bis zur Wende als Psychiatrie genutzt.

Schloss wurd von Privatbesitzern instand gehalten

Der Grevesmühlener Manfred Rohde kaufte das Schloss 1999. Er investierte in viele Sanierungsarbeiten, hatte dort sein Büro für Steuerberatung. Nicht nur das Gebäude selber lag dem Schlossherren am Herzen, er kümmerte sich auch um die große Parkanlage, die nach englischem Vorbild angelegt worden war. Gelegentlich bot er dort auch Führungen an.

Bis zum Verkauf 2015 lebten Manfred Rohde und seine Frau im Schloss. Kurz vor seinem Auszug konnte Rohde noch Dreharbeiten der SOKO Wismar in dem roten Herrenhaus verfolgen.

Heute gehört Schloss Kalkhorst Jacobus und Angeline Koopmann, die den benachbarten Milchviehbetrieb betreiben. Gelegentlich setzen sie Manfred Rohdes Tradition fort und laden Künstler für eine Ausstellung ein. Grundsätzlich sind Schloss und Park aber nicht öffentlich zugänglich.

Ruine in Satow – Einwohner pflegen Kirche

Die Kirchruine im Herzen der Gemeinde Satow wirkt romantisch und hat eine bewegte Vergangenheit hinter sich. Dass sie noch steht, ist vielen engagierten Einwohnern zu verdanken. Zurzeit finden Erhaltungsarbeiten am alten Gemäuer statt. Der Verein „Lebendige Steine Kirchruine Satow“ wünscht sich schon lange ein Dach, um das alte Gemäuer vor weiteren witterungsbedingten Beschädigungen zu schützen.

Der Verein existiert seit 2011 mit dem Ziel, die Kirchruine mit Leben zu füllen und Geschichte erfahrbar zu machen. „Die Gemeindevertretung ist neu gewählt und hat sich noch nicht damit befassen können“, sagt der Vereinsvorsitzende Erhardt Liehr. Die Mittel für das Dach wurden im Februar diesen Jahres aus dem Haushalt der Gemeinde gestrichen.

20 000 Euro Kosten für Sicherung

„Seit Oktober führen wir Erhaltungsmaßnahmen an der östlichen Seite durch“, so Bauamtsleiter Jörn Rachowe. Lose Steine werden befestigt und alles, was witterungsbedingt in schlechtem Zustand ist, erfährt eine Sanierung, Befestigung und Versiegelung. „Wir rechnen zurzeit mit etwa drei Wochen Arbeit“, so der Bauamtsleiter. „Die Kosten belaufen sich um die 20 000 Euro.“ Die Ruine brauche einen Schutz wie ein Dach. „Der uns absolut notwendig erscheint, damit der Verfall gestoppt wird“, so Rachowe.

Der Verein „Lebendige Steine – Kirchruine Satow“ hat die Geschichte der Kirchruine Satow zusammengetragen: Demnach wurde die Kirche von 1219 bis 1224 im romanisch-gotischen Übergangsstil erbaut. 1858 befand sich die Bausubstanz schon in einem schlechten Zustand. Deshalb stand die Abmauerung des Chorraumes im Gemeindebericht. Vier Jahre später wurde die Kirche wegen Einsturzgefahr zu Hälfte gesperrt. Aus diesem Grund ließen sich die Satower von 1863 bis 1867 an einem anderen Platz, eine neue, neugotische Kirche erbauen. Dorthin gingen auch die drei Glocken aus dem alten Gebäude.

Verkauf auf „Abbruch“ 1869

1869 erfolgte für 425 Goldmark der Verkauf „auf Abbruch“. Die Kanzel und der Altar gingen an die Kirche in Russow am Salzhaff und gelten als verschollen. 1882 ergeht vom Radegaster Gutsherren von Restorff eine Petition an den Großherzog in Schwerin den Abriss zu stoppen. Es erfolgt von Baurat A. Oppermann unter anderem eine Sicherungen des Ostgiebels. 1930 konnte ein Taufbecken aus hartem Granit geborgen werden, das höchstwahrscheinlich älter ist als die Kirche.

Die Durchführung eines Notsicherungskonzeptes sollte 1992 Schlimmeres verhindern. Erst 2002 bis 2003 wurde die Ruine freigelegt und darin befindlicher Bauschutt entsorgt. Es erfolgte eine bautechnische Bestandsaufnahme und das Erstellen eines Sanierungskonzeptes. Im gleichen Jahr legte eine Räumung bis auf das Niveau des ehemaligen Fußbodens Gewölbe und Grabstätten frei. Erst der zweite Förderantrag erhielt eine Bewilligung.

2010 konnten durch das Förderprogramm Leader (Europäischer Landwirtschaftsfonds für die Entwicklung des ländlichen Raumes) um die 400 000 Euro für die Sanierung der Kirchruine und ein Nutzungskonzept der Parkanlage bereitgestellt werden. Ein Jahr später erfolgte die Sanierung der Chorbereiche und des Triumphbogens. Die Ostwand des Chorbereiches musste wieder mit dem übrigen Baukörper verbunden und eine Sicherung der Mauerkronen und Standsicherheit der Kirchruine geschaffen werden. 2013 erhielt der Fußboden, Langhaus und der Turm eine Sanierung.

Alle Teile der Serie im Überblick

In einer Bildergalerie zeigt die OZ historische und neue Aufnahmen von markanten Gebäuden aus Mecklenburg und erzählt ihre Geschichte.

Teil 1: der Warnemünder Teepott, der Bürgerbahnhof in Grevesmühlen, das Wismarer Reuterhaus und das Doberaner Moorbad.

Teil 2: das Schabbellhaus in Wismar, das Rostocker Telegrafenamt, Villa Baltic in Kühlungsborn und das Museums- und Vereinshaus Grevesmühlen-

Teil 3: der „Alte Schwede“ in Wismar, das Wirtschaftsgebäude in der Klosteranlage Bad Doberan, das Rostocker IHK-Gebäude und die Malzfabrik in Grevesmühlen.

Teil 4: die Löwen-Apotheke am Wismarer Hopfenmarkt, der Jakobikirchplatz in Rostock, das Schloss in Kalkhorst und die Kirchruine in Satow.

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