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Rostock So soll Rostocks Uni-Klinik 40 Millionen einsparen – ohne Stellenabbau
Mecklenburg Rostock

So soll Rostocks Uni-Klinik 40 Millionen einsparen – ohne Stellenabbau

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17:24 20.12.2019
Gebäude der Universitätsmedizin Rostock in der Schillingallee Quelle: Ove Arscholl
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Rostock

Nein, betriebsbedingte Kündigungen für die 4000 Mitarbeiter der Rostocker Uni-Klinik wird es nicht geben. Die schließt Mathias Brodkorb (SPD), der neue Aufsichtsratschef und „Chef-Sanierer“ des größten Krankenhauses im Land, aus.

Doch auf größere, einschneidende Veränderungen müssten sich Ärzte und Pflegepersonal im neuen Jahr definitiv einstellen: Vorstand und Aufsichtsrat haben sich am Freitag auf ein 40-Millionen-Euro-Sanierungspaket für die hochdefizitäre Klinik geeinigt.

Rekordminus in 2019

In diesem Jahr fährt die Uni-Medizin – einst unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten eines der Vorzeigekrankenhäuser in Deutschland – einen Rekordverlust von 32 Millionen Euro ein, sagt Brodkorb. In den kommenden Jahren könnten insgesamt bis zu 90 Millionen Euro neue Schulden hinzukommen. Wer für die aufkommt und ob sie jemals abgezahlt werden – „das muss der Finanzminister beantworten“, sagt der Aufsichtsratschef. Denn die „Miesen“ der Uni-Klinik gleicht zunächst mal das Land, also der Steuerzahler, aus.

Bis 2025 will die Klinik nun aber wieder die schwarze Null in der Bilanz schaffen, kündigt Brodkorb an. Und Wissenschaftsvorstand Emil Reisinger pflichtet ihm bei: „Wir werden die Schieflage beheben.“ Innerhalb von nur zwei Wochen habe der Vorstand den Konsolidierungskurs erarbeitet, lobt Brodkorb. Ab März sollen die ersten Spar-Projekte umgesetzt werden. Am Personal und auch am gerade erst geschlossenen Tarifvertrag halte er aber fest.

Aber: Überstunden und Mehrarbeit werden nicht mehr ausgezahlt. „Wir müssen das in Freizeit ausgleichen“, so der Ärztliche Vorstand der Klinik, Christian Schmidt. Aktuell müsse die Uni mehr als sieben Millionen Euro in ihrer Bilanz vorhalten, um Überstunden abzugelten. „Das können wir uns nicht mehr leisten.“

Kooperation mit Greifswald

Konkret läuft zudem alles auf eine engere Kooperation mit dem Schwester-Klinikum, der Uni-Medizin in Greifswald, hinaus. Ab 2020 sollen die Vorstände und Aufsichtsräte regelmäßig zusammen tagen und beraten. „Wir brauchen die enge Zusammenarbeit – in der Verwaltung, der Forschung und der Lehre.“ Gerade im Bereich Forschung gilt Greifswald als die um Längen bessere Uni-Klinik.

Brodkorb betont aber, dass es derzeit keine Pläne für eine Fusion der beiden Häuser gibt. Dem Beispiel Schleswig-Holsteins – dort fusionierten die Uni-Kliniken in Kiel und Lübeck – wolle er tunlichst nicht folgen. „Aber wir können viel Geld sparen, wenn wir beispielsweise gemeinsam Geräte einkaufen. Durch die größeren Mengen bekommen wir auch bessere Preise.“

Abteilungen werden zusammengelegt

Mehr Details will Brodkorb bisher nicht nennen. Erst werden Gespräche mit den Mitarbeitern geführt, kündigt er an. Doch es läuft alles auf Zusammenlegungen im Hause hinaus, sagt der Ärztliche Vorstand Christian Schmidt: „Sobald unser neues Zentralgebäude in Betrieb ist, wollen wir auch einzelne Abteilungen zusammenlegen. Wir haben bisher in der Uni-Medizin drei Endoskopien. Eine große würde aber reichen. Gleiches gilt für die Radiologie und die Ultraschall-Diagnostik.“ Auch soll es nur noch eine Notaufnahme geben.

„Die Uni leidet darunter, dass sie sehr kleinteilig organisiert ist. Wir haben viele kleine Stationen. Alle haben eigene Chefs, Schreibbüros, Sekretariate“, so Schmidt. Beispielsweise ließen sich im Bereich Kardiologie Synergien nutzen, indem die Herzchirurgie und die Innere-Abteilung für Kardiologie zusammengelegt werden. Brodkorb pflichtet bei: „Wir können so unsere Fixkosten senken. Aber die Leute in der Klinik werden sich an neue Aufgaben gewöhnen müssen. Wir werden diese Themen auch nicht jahrelang diskutieren. Wir müssen handeln“, sagt er in Richtung von Ärztekammer-Chef Andreas Crusius, der bereits die Mitsprache der Mediziner einfordert.

Kein neuer Vorstandschef

Übrigens: Einen neuen Vorstandsvorsitzenden wird es für die Uni-Klinik vorerst nicht geben. Nachdem Interimschefin Gabriele Nöldge-Schomburg zum Jahresende ausscheidet, bleibt diese Aufgabe unbesetzt. „Wir haben vier Mitglieder im Vorstand. Sie haben den Auftrag, als Kollektiv die Probleme der Uni-Medizin zu lösen.“

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