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Rostock Spielzeug, Spaß und süßes Wasser: Was man für 30 Euro auf der Sail bekommt
Mecklenburg Rostock Spielzeug, Spaß und süßes Wasser: Was man für 30 Euro auf der Sail bekommt
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06:22 09.08.2019
Vor dem Start: Louis mit Mama Eileen und den 30 Euro, die er nach Herzenslust auf der Sail investieren darf. Quelle: Claudia Labude-Gericke
Rostock

Louis kann sein Glück kaum fassen. „Das ist alles meins?“, fragt er angesichts der drei Zehn-Euro-Scheine, die ihm überreicht werden. Kaum in der Hand, will der kleine Rostocker das Geld gar nicht mehr hergeben und es auch selbst in der Jackentasche aufbewahren.

Dass er im Auftrag der OSTSEE-ZEITUNG testen soll, wie weit man mit 30 Euro auf der Hanse Sail kommt, nimmt der Sechsjährige ernst. Mit strahlenden Augen blickt er sich um. Zahlreiche Fahrgeschäfte, Los- und Essenbuden werben um die Aufmerksamkeit und das Geld der Besucher.

Erste Ausgabe nach gut drei Minuten

Nach nicht einmal drei Minuten steht für Louis fest, wofür er das erste Geld ausgeben will. Beim Dosenwerfen hat ein Plastik-Spielzeugset mit Pfeilen sein Interesse geweckt. Mama Eileen darf heute nicht eingreifen, sondern nur zuschauen. Der erste Zehner wandert über den Tresen. Sechs Bälle kosten fünf Euro. Das Wechselgeld verstaut Louis sorgsam in der Tasche, bevor er mit Wumms auf die Dosen schießt. Ein paar trifft er, einige Bälle gehen aber auch daneben. Am Ende reicht es für das ersehnte Spielzeug und der Junge strahlt.

Eine Ecke weiter schaut sich der kleine OZ-Tester an einer Pommesbude um, zieht dann aber doch lieber weiter. Mit nachdenklicher Pose läuft er durch die Massen und an der Kinderachterbahn vorbei. „Fahrgeschäfte sind nicht so seins“, sagt Mama Eileen. Für sie sei es spannend, zu beobachten, wie sich ihr großer Sohn verhält, wenn er völlig frei und selbst entscheiden darf, was er machen oder kaufen möchte. „Da bei den Süßigkeitenständen hält er bestimmt das nächste Mal und gibt Geld aus“, vermutet sie.

Festgelände ist „Reizüberflutung pur“

Doch falsch, Louis zieht weiter auf der Festmeile in Richtung Silohalbinsel. Weite Wege muss der Junge gar nicht laufen, um der Versuchung zu erliegen, die überall um ihn herum ist. „Das ist Reizüberflutung pur“, sagt Eileen. Riesige Plüschtiere hängen an den Buden. Auch Louis’ Lieblingsfigur: Pikachu von Pokémon. Zielstrebig geht der Junge auf einen Stand zu, der „Tütenangeln“ anbietet.

Laut Schild soll jede Tüte vier Euro kosten. Das Plüschtier, auf das Louis es abgesehen hat, kann er aber nur beim Angeln einer großen Tüte für 10 Euro erspielen. Und ob es dann auch drin ist, kann durch die bunten Geschenktüten niemand vorher erkennen. Louis zögert, zieht dann aber einen Zehner aus der Tasche. Dass ein Drittel seines Budgets an einem Stand weg wäre, ist ihm egal.

Mit der Angel in der Hand, fängt der kleine Rostocker dann aber doch an, zu zögern. Aber nicht wegen des Geldes. „Er ist gerade in der typischen Jungsphase und alles, was rosa oder mit Blumen ist, findet er doof“, erklärt die Mama. Louis fordert sein Geld zurück – weil die Tüten, die er angeln könnte, alle in diese von ihm verpönten Kategorien fallen.

Mit noch fast vollen Taschen, geht es wenige Meter weiter. An einem Wagen mit lauter einzelnen Spielautomaten hängt ein Plüschtier von Super Mario und Dinosaurier Yoshi aus dem Computerspiel. Louis ist begeistert. Doch die dafür nötigen Punkte zu erreichen, würde vermutlich das ganze Budget sprengen. Mama Eileen greift sanft ein und lockt ihren Sohn zur Losbude.

Dort kosten fünf Lose 2,50 Euro. Das nächste Geld fließt. Statt verschiedener Familienmitglieder für den Hauptgewinn, zeigen Louis’ Lose nur Jungs – 50 Punkte bedeuten einen Trostpreis. Zum bunten Flummi gibt es von der Dame am Stand noch einen Cola-Lutscher dazu.

Kurze Trauer am Greifautomat

Nächster Stopp ist der Greifautomat. Für zwei Euro kann Louis drei Mal versuchen, mit der ferngesteuerten Kralle ein Plüschtier zu angeln – doch vergeblich. Einen kurzen Moment zieht Trauer über sein Gesicht. Doch dann entdeckt der angehende Grundschüler den nächsten Stand. Mit Pfeilen muss er dort Ballons zum Platzen bringen. Weil er noch recht jung ist, gibt es 12 statt 10 Pfeile für fünf Euro. Jedes Mal, wenn er trifft, entfährt Louis ein Jubelschrei. Der Erfolg wird am Ende vom nächsten Spielzeug gekrönt: Einer Plastik-Transformers-Figur.

Sechs Euro für Zuckerwasser

Das erste Mal wird nun in Nahrung investiert. Ein Zucker-Wasser-Eiswürfel-Gemisch, Slush genannt, soll es sein. Für ein Plastikgefäß in Palmenform, samt grün-blauer Füllung, reicht Louis ohne zu grübeln sechs Euro über den Tresen.

Gleich daneben erblickt der Junge ein Fahrgeschäft, das ihn interessiert. Der „Chaos Airport“ kostet vier Euro. Problem: Es muss immer ein Erwachsener mit. Louis zahlt für sich allein und betritt das Wackel- und Spaßkabinett. Überall muss er aufpassen, wo er hintritt, um nicht zu fallen oder nass zu werden.

Besonderen Spaß hat der kleine Rostocker im Spiegelkabinett. Geschickt navigiert er zwischen den Scheiben hindurch. Das, was die Schausteller hier bieten, trifft genau seinen Geschmack. Am Ende wartet eine Gummirutsche, die Louis wieder nach draußen befördert. „Das war super“, sagt er begeistert. Scheinbar eine gelungene Investition.

Nach dem abgebrochenen Tütenangeln investiert Louis dann noch einmal 3,50 Euro, um zehn Enten aus einem rotierenden Bassin zu fischen. Wie viel Punkte er hat, erfährt der Junge von der Frau am Stand nicht. Nur, dass er sich einen der Preise aussuchen kann, die unter der Decke baumeln. Es wird ein Set mit Plastikfischen und einer Angel – ob er damit zuhause weiter angeln üben will?

Kleiner Imbiss mit zwei Euro Hilfe von Mama

Es ist noch nicht einmal eine Stunde um und das Geld fast alle. Der kleine Hunger kommt. Also zurück zur Pommesbude, die er schon einmal angeschaut hatte. Zwei Euro sind noch übrig. Sechs Hähnchennuggets kosten aber vier – Mama hilft, damit der Sohnemann noch etwas in den Bauch bekommt.

Beim Essen grinst Louis glücklich. Er hat erst auf dem Weg zum Sailgelände erfahren, was er heute erleben wird. „Das war super. Ich hab viel gemacht von dem Geld“, ist der Sechsjährige überzeugt. Mama Eileen sieht es etwas differenzierter. „Mit zwei Kindern braucht man bestimmt gut und gerne 100 Euro, wenn man als Familie einmal geht“, bilanziert sie.

Angesichts des vielen Plastikspielzeuges, das es als Preis gibt, seien Kosten und Warenwert auch in einem nicht so guten Verhältnis. „Manchmal grenzt es schon an Abzocke“, ist die Rostockerin überzeugt. Aber eines sieht sie genau so wie viele Eltern, die an den vier Sail-Tagen über das Gelände bummeln: „Wenn die Kinder glücklich sind und die Augen leuchten, dann ist das doch die Hauptsache.“

Bei Louis ist das der Fall. „Und wir haben wirklich kein Geld mehr?“, fragt er auf dem Weg zum Ausgang des Geländes. Mama schmunzelt und verneint. Dafür hat der Sechsjährige nun eine Menge neues Spielzeug, so viel, dass er es kaum tragen kann. Und – das ist viel mehr wert: Viele Erinnerungen an einen schönen Nachmittag mit Mama auf der Hanse Sail.

Von Claudia Labude-Gericke

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