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Rostock So wollen sich MVs Kleingärtner gegen Einbrüche im Winter schützen
Mecklenburg Rostock So wollen sich MVs Kleingärtner gegen Einbrüche im Winter schützen
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12:41 24.10.2019
Marco Linstädt rüstet seinen Kleingarten auf. Der 37-Jährige hat Bewegungsmelder mit Fluchtlichtstrahlern befestigt. Quelle: Katharina Ahlers
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Rostock/Rampe

Bewegungsmelder, Licht, Alarmanlage, Kamera, Wildkamera – um seine Parzelle in einer Rostocker Kleingartenanlage zu schützen, hat Marco Linstädt ordentlich investiert. „Wir verbringen hier viel Zeit“, sagt er. „Da möchte man sein Eigentum natürlich auch schützen.“ Der 37-Jährige befestigt einen der vielen Bewegungsmelder mit Flutlichtstrahler an seiner Laube. „Wenn jemand hier entlangläuft, wird es sofort hell“, sagt der Kleingärtner. „Da suchen sich die Diebe lieber eine dunkle Ecke.“ Außerdem verzichtet er auf eine hohe Gartenhecke – ein Einbrecher solle sich nicht geschützt und unbeobachtet fühlen.

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Seit sieben Jahren gehört dem 37-Jährigen die Parzelle. Als er die Laube vor ein paar Jahren renovierte, entschied er, aufzurüsten und gegen Einbrüche abzusichern. „Bei unseren Nachbarn wurde eingebrochen, bei mir wurden die Fenster eingeschlagen“, erklärt er seine Motivation. Viele der Fenster seiner Laube haben nun keinen Griff zum Öffnen mehr. „Klar können auch diese Fenster eingeschlagen werden, aber da ist die Verletzungsgefahr zu groß. Keiner geht durch ein Fenster, das man nicht aufmachen kann.“ Sollte dennoch eine der Scheiben zerstört werden, sorgen Glasbruchsensoren dafür, dass sofort Alarm ausgelöst wird. Bei den zu öffnenden Fenstern verwendet Linstädt Griffe, die sich separat abschließen lassen und hat zusätzlich Riegel von innen befestigt. „Richtige Profis machen ein Fenster in drei Minuten auf. Wenn sie Widerstand merken, hauen sie ab“, ist er sicher.

Fünf Tipps der Polizei

Das Landeskriminalamtgibt Tipps zur Einbruchsicherung in Kleingärten.

Fenster und Türensollten geschlossen werden. Gekippte Fenster seien offene Fenster und eine Einladung für Einbrecher. Sofern vorhanden, sollten auch Rollläden und Fensterläden geschlossen werden. Ist die Gartenlaube leer, könne das hingegen auch gezeigt werden – mit einem freien Blick durch die Fenster auf offene Schränke und geöffnete Schubladen ohne Inhalt.

Gartengeräte und Werkzeuge können nicht nur gestohlen, sondern auch schnell zum Einbruchswerkzeug werden. Daher rät die Polizei, diese sicher wegzuschließen.

Leitern, Kisten, Gartenmöbel und Mülltonnen können von Einbrechern als Einstiegshilfe verwendet werden. Auch diese gilt es, sicher wegzusperren.

Nachbarschaftshilfe: Bei Nachbarn sind Notschlüssel besser aufgehoben als unter Fußmatten, in Blumentöpfen oder Dachrinnen. Zudem sollten Laubennachbarn gegenseitig einen Blick aufeinander haben und bei einem Verdacht die Polizei und den Pächter informieren.

Strom- und Wasserzufuhr der Gartenlaube sollten abgeschaltet werden. „Insbesondere um ungebetenen Gästen keinen Unterschlupf für die kalten Wintermonate zu bieten“, sagt Rascher.

Detaillierte Informationenund eine persönliche Beratung gibt es auch bei den Kriminalpolizeilichen Beratungsstellen im Land.

Keine Wertsachen in der Laube

Wertsachen und Gartenwerkzeuge nimmt der Rostocker im Herbst mit nach Hause. Große Geräte werden in einem Schuppen mit Stahltür verschlossen. „Die hat einen Bolzen, den kann man nicht aushebeln, das dauert zu lange“, sagt er. Als weitere Vorsichtsmaßnahmen hat das Wasser abgestellt. „Einbrecher drehen auch gern mal das Wasser auf und verschließen die Abflüsse.“

Fenster und Türen schließen

Auch andere Kleingärtner machen ihren Garten in der kalten Jahreszeit nicht nur winter-, sondern auch einbruchssicher. „Wichtig ist, dass die Pforten und Laubentüren abgeschlossen werden, das sind die ersten Barrieren für Diebe“, betont Robert Kröger, Vorsitzender des Landesverbandes der Gartenfreunde Mecklenburg und Vorpommern. Dass dieser einfache Tipp nicht immer befolgt wird, weiß Bernhard Krebs vom Rostocker Kleingartenverein „Weiße Rose“: „Es gibt Pächter, die ihre Lauben offen lassen, um im Einbruchsfall teure Beschädigungen an den Türen zu vermeiden. Sie sagen, dass ohnehin nichts in der Laube zu holen ist.“

Der Kleingärtner weist jedoch darauf hin, dass dieses Verhalten im schlimmsten Fall dazu führt, dass die Versicherung nicht zahlt, sollte doch etwas zerstört oder entwendet werden.

Zeigen, dass nichts zu holen ist

„Ich verriegel immer alles“, sagt unter anderem Kleingärtner Mathias Schulz. „Aber Jalousien lasse ich offen. Die Diebe sollen sehen, dass ich im Winter nichts in meiner Laube habe. Die Wertsachen nehme ich alle mit.“ Auch wenn die Fenster weitestgehend ungeschützt sind, legen er und sein Vater Roland Lojewski Wert auf gute Türen mit Sicherheitsschlössern. Lojewski zeigt auf den Metallrahmen der Laubentür. „Die bekommt man nicht so schnell aufgebrochen wie eine billige Gartentür.“

Kleingärtner schützen sich gegen unerwünschten Besuch

Kameraüberwachung: Nur Privatgrundstück filmen

Nachdem bei seinem Nachbarn eingebrochen wurde, hat Schulz aufgerüstet. Auch er hat sich eine Wildkamera angeschafft. „Die hat einen Bewegungsmelder mit Nachtsichtfunktion“, sagt der 32-Jährige. „Im besten Fall werden Diebe schon abgeschreckt oder zumindest gefilmt.“

Dabei muss der Kleingärtner jedoch darauf achten, nur das eigene Grundstück zu filmen. Nach Erfahrungen vom Landesverbands-Chef Kröger stoßen Kameras nicht immer auf Gegenliebe bei den Nachbarn. „Manch einer hat seine Kameras wieder abgenommen, da es Beschwerden von anderen gab, die Angst hatten, gefilmt zu werden“, sagt er. Darauf weist auch Margit Kutzbach, Geschäftsführerin des Kreisverbandes der Gartenfreunde Stralsund, hin. „Man darf nur seinen eigenen Bereich filmen“, sagt sie. Kutzbach kennt eine weitere Möglichkeit, Einbrecher abzuschrecken: „Es gibt Anlagen, die über eine Zeitschaltuhr regelmäßig Licht machen.“

Schlüssel sicher deponieren

Das Landeskriminalamt macht auf einen weiteren Fehler einiger Einbruchsopfer aufmerksam: Der Ersatzschlüssel wird in Blumenkästen oder Dachrinnen versteckt. „Mein Ersatzschlüssel ist bei den Nachbarn“, sagt Kleingärtner Hartmut Hinz aus Rostock. „Unter die Fußmatte lege ich nichts.“ Außerdem sei es wichtig, ab und zu nach dem Rechten zu schauen. „Ich bin zweimal die Woche hier“, sagt er. „Dann schaue ich auch nach rechts und links, ob mir bei den Nachbarn etwas auffällt.“

Damit erfüllt der Gärtner einen weiteren Tipp der Experten: Die Nachbarschaftshilfe. „Regelmäßige Begehungen und ein reger Informationsaustausch auch während der Winterzeit erschweren es den Tätern, unentdeckt in eine leerstehende Gartenlaube einzubrechen“, sagt Matthias Rascher, Sprecher vom Landeskriminalamt. Fremde Personen sollten nach Möglichkeit angesprochen, bei Verdachtsfällen die Polizei alarmiert werden.

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Von Katharina Ahlers

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