Sommer, Sonne, Surfen: So landete Weltenbummler Felix Heidenreich (36) in Rostock
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Sommer, Sonne, Surfen: So landete Weltenbummler Felix Heidenreich (36) in Rostock

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18:33 24.06.2021
Wakeboarder und Weltenbummler Felix Heidenreich teilt sein Wissen mit den Kurs-Teilnehmern der Wasserskianlage „Supieria“ im Iga-Park.
Wakeboarder und Weltenbummler Felix Heidenreich teilt sein Wissen mit den Kurs-Teilnehmern der Wasserskianlage „Supieria“ im Iga-Park. Quelle: Luisa Schröder
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Rostock

Wakeboardfahren ist seine große Leidenschaft: Seit 17 Jahren surft und springt Felix Heidenreich auf und über die Wellen der Meere. Vor kurzem ist der gebürtige Potsdamer in Rostock gestrandet.

Er arbeitet aktuell als Operation Manager bei der neuen Wasserskianlage „Supieria“ im Iga-Park. Als Weltenbummler ist Felix nie lang an einem Ort, in Rostock aber wolle er bestimmt bis zum nächsten Sommer bleiben, sagt der 36-Jährige.

„Rostock ist eine so tolle Stadt, aber ich will mich gerade nicht festlegen. Mal schauen, wie es nächstes Jahr weitergeht.“ Meist ist Felix allein unterwegs und surft an Traumstränden vor Traumkulissen: an der Algarve in Portugal etwa oder in Südfrankreich, im Baskenland. Doch dann kam Corona.

Das Virus machte ihm im vergangenen Sommer einen Strich durch die Rechnung. Er saß fest. In Nordafrika, am Strand in seinem mintgrünen Bulli, den er „Nelson Armani“ nennt. Insgesamt sechs Monate Marokko, gezwungenermaßen. Zeit, um sich das Land genauer anzusehen. Sein Insider-Tipp für Surfer ist Imsuoane in Zentralmarokko.

„Ich bin zufrieden, wenn ich auf dem Wasser bin“

Er liebt es, Wakeboard zu fahren und dabei den Kopf freizupusten. „Es erdet mich. Ich bin zufrieden mit mir, wenn ich auf dem Wasser bin. Ich muss halt niemandem etwas beweisen“, sagt der Freerider, der durch einen guten Kumpel vor 17 Jahren diesen Sport für sich entdeckte. „Ich war sofort Feuer und Flamme“. Einerseits kann Felix abschalten, andererseits ist der Sport adrenalingetrieben. Ein paar Verletzungen hat er sich bereits zugezogen – vom Kreuzbandriss über kaputte Schultern, die im wahrsten Sinne des Wortes wieder zusammengeflickt worden sind, bis hin zu Prellungen und blauen Flecken.

Armee sammelte sein Surfbrett ein

In Marokko selbst lief’s eher ruhig ab. Denn die Armee sammelte irgendwann sein Surfbrett ein. „Ich habe dann einfach nur in der Sonne gechillt, gelesen und an meinem Bus gebastelt.“ Ein halbes Jahr, in dem er von seiner Freundin und der Familie getrennt war.

Kontakt halten konnte er via Whatsapp, auch Skypen und Telefonieren waren möglich. Und überhaupt – ein Gutes hatte der Zwangsurlaub dann doch noch: Eine Freundschaft entstand. Felix rettete einem marokkanischen Mischlingsstraßenhund das Leben. Dieser wurde von einer schwedischen Familie zurückgelassen, weil sie ihn nicht mit ins Flugzeug nehmen durften. „Lala war da noch ganz klein. Erst drei Monate alt. Sie ist mir quasi zugelaufen.“ Seitdem sind beide unzertrennlich.

Rechtzeitig zurück zum 65. Geburtstag des Vaters

Der deutsche Strahlemann war trotzdem oft einsam und wusste nicht, wie er nach Hause kommen sollte. Felix versuchte mehrmals, auf Rettungsfähren zu gelangen. Vergebens. Die deutschen Fähren waren voll. Dann der Lichtblick: ein letzter Platz auf einer französischen Fähre. Sein Ticket in die Freiheit. Im Juni 2020 war er endlich zurück auf europäischem Boden. Von Südfrankreich fuhr er weiter nach Berlin – immer im Schlepptau: Lala. Mit ihr ging es schnurstracks zu seinem Vater, der feierte seinen 65. Geburtstag. „Diesen besonderen Tag durfte ich nicht verpassen.“

Mehr als 200 Euro sind Luxus

Bevor es Felix nach Marokko zog, arbeitete er einige Monate in Berlin als IT-Projektmanager. Ursprünglich aber kommt er aus der Hotelbranche. Der Wahlrostocker braucht nicht viel zum Leben. „Ein bisschen Essen, Tabak und die Krankenversicherung. Wenn ich mehr als 200 Euro ausgebe, ist das schon Luxus für mich“, sagt er lachend. Geld für eine Wohnung braucht er auch nicht. Zuletzt mietete er im Winter 2018 eine an.

Seitdem lebt er in seinem Bus – es ist mittlerweile sein vierter, „und der ist auch abgezahlt“, erzählt er mit einem verschmitzten Lachen. Manchmal schläft er bei seiner Freundin in ihrer Berliner Wohnung. Doch eben meist in seinem fast 30 Jahre alten VW-Bus. Und wenn es ihm an der Ostsee oder in der Hauptstadt zu kalt wird, zieht es ihn wieder in wärmere Gefilde. Er liebt den Strand.

Sein Tipp für Wakeboard-Anfänger: „Man muss nur schwimmen können. Den Rest bringen wir ihnen bei.“ Sein Credo bei der Rostocker Wasserskianlage: „Hier bringen wir jeden aufs Brett.“

Von Luisa Schröder