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Rostock Sorge um Galeria: Warum das Kaufhaus für Rostock so wichtig ist
Mecklenburg Rostock Sorge um Galeria: Warum das Kaufhaus für Rostock so wichtig ist
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08:20 25.07.2019
Galeria Kaufhof in Rostock: Die Innenstadt fürchtet um ihr größtes Kaufhaus (Symbolbild). Quelle: Frank Söllner
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Rostock

Was wird aus Galeria Kaufhof? Die Nachricht vom Stellenbau im wohl wichtigsten Kaufhaus Rostocks – sie hat in der gesamten Innenstadt und auch im Rathaus große Sorgen ausgelöst. „Der Kaufhof ist ein wichtiger Bestandteil des Einzelhandels in der City, gerade als Kaufhaus mit breitem Angebot“, sagt Rostocks Innenstadt-Manager, Peter Magdanz. Über die Hintergründe der Entlassungen will er nicht spekulieren, aber der Schritt komme einigermaßen überraschend: „Ich kenne nur die Aussagen aus dem Kaufhof, dass das Rostocker Haus ein sehr ertragsstarkes sei. Nach meinem Eindruck, ist die Qualität des Warenhauses nach dem Umbau zuletzt nochmals deutlich gestiegen.“

Magdanz fürchtet nun, dass Kaufhof seine Angebot und seine Filiale in der Hansestadt spürbar „schrumpfen“ könnte: Einige große Ketten würden auf die wachsende Konkurrenz aus dem Internet reagieren, in dem sie in den Städten nur noch kleine Filialen mit einem geringeren Sortiment anbieten: „In diesen Filialen kann dann Online noch mehr bestellt werden.“ Denkbar sei, dass auch Kaufhof diesen Schritt gehen könnte.

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Kunden: Kaufhof muss bleiben

Das Galeria nicht irgendein Geschäft für die Hansestadt ist – das sehen auch die Kunden so: „Ich finde, dass die Kaufhäuser für die Innenstadt sind. Sie sollten unbedingt erhalten bleiben“, sagt Burkhard Klug (61), Unternehmer aus Rostock. Er kauft oft bei Galeria ein – Kleidung zum Beispiel. Im Internet bestelle er nur Teile für sein Auto. Auch Angela De Vries (60) kauft oft bei Galeria ein. „Meist Schuhe, Kleidung oder auch Geschenke. Ich möchte nicht im Internet bestellen. Ich bin jemand, der den Einzelhandel aufrecht erhalten möchte.“

In der jüngeren Generation sieht das hingegen anders aus: Dan Sörgel (26) zum Beispiel kauft nur Elektronik lieber im Laden als im Internet. „Weil ich mich dabei gerne beraten lasse.“ In Warenhäuser gehe er „so gut wie nie“: „Kleidung kaufe ich im Internet.“ Auch Laura Schulz (24) shoppt lieb gerne im Netz: „Ich aber auch mal ganz gerne in die Läden in Rostock – und schaue mich bei den Angeboten um.“

Rathaus: Rostock braucht Galeria

Auch die Rostocker Stadtverwaltung teilt die Sorge, dass die Entlassungen bei Kaufhof zu einem spürbaren Qualitätsverlust oder gar einer „Schließung auf Raten“ führen könnten. „Die City als wichtigster zentraler Einkaufsbereich in der Stadt profitiert in großem Maße von der Galeria Kaufhof als Warenhaus“, sagt Gerlind Müller, im Sachgebiet Wirtschaftsentwicklung des Rathauses zuständig für den Einzelhandel. Und weiter: „Das traditionsreiche Haus mit seinem sortimentsübergreifenden Angebot ist, insbesondere für die Breite Straße/Lange Straße, ein sehr wichtiger Magnet, gerade für die kleineren Geschäfte.“

Rostocks Innenstadt habe zuletzt bei Kunden-Befragungen stets gut abgeschnitten. Ausschlaggebend sei dabei die Mischung „zwischen Einzelhandel, Dienstleistung und Gastronomie“ in der Hansestadt. „Der Einzelhandel wird mit Qualität, Fachkompetenz sowie vielfältigen Erlebnis- und Aufenthaltsangeboten auch in Zukunft bei Kunden aus Stadt und Umland punkten können“, so Gerlind Müller. Nur so würden sich auch kleine Fachgeschäfte gegen die Konkurrenz aus dem Netz behaupten können.

Händler gegen „grüne Wiese“

Doch nicht nur das Internet mache den Verkäufern in der Innenstadt das Leben schwer, sagt City-Manager Magdanz. Auch die Stadtverwaltung selbst leiste einen erheblichen negativen Beitrag zur Entwicklung – und zwar mit ihren Plänen für die „grüne Wiese“: „In Zukunft wird es mehr denn je darauf ankommen, dass die Stadtverwaltung ihre Möglichkeiten nutzt, um die Innenstadt nicht nur als wichtigster Einzelhandelsstandort, sondern auch als kulturelles und touristisches Zentrum zu erhalten. Und dazu gehört, dass das Rathaus nicht weiter immer neue Händler am Stadtrand ansiedelt.“

Dass die Stadt „grünes Licht“ für einen neuen Möbel Kraft-Markt in Schutow gegeben habe, sei ein Fehler: „Möbel Kraft wird nicht nur Tische, Stühle, Sofas anbieten – sondern auch Artikel, die es in den Kaufhäusern der Innenstadt gibt. Rostock macht seiner eigenen City Konkurrenz.“ Auch die geplante Ansiedlung des Sportartikel-Marktes Decathlon ebenfalls in Schutow sei falsch. „Stattdessen schaut die Stadt in der City seit Jahren zu, wie sich Leerstand ausbreitet – zum Beispiel beim alten Schuhhaus Leiser.“ Leerstand, so Magdanz, sei wie ein Geschwür: „Wenn ich nichts unternehme, breitet er sich aus.“ Vielleicht auch bald an der Breiten Straße. Wo jetzt noch Kaufhof ist.

Verdi: Trauriger Tag für Rostock

Verdi-Handelsexperte Matthias Baumgart spricht angesichts der Massentlassungen bei Galeria Kaufhof bereits von „bitteren und traurigen Tagen“ in Rostock. Viele der Betroffenen würden seit vielen Jahren für das Warenhaus arbeiten. „Es ist sehr ergreifend, wenn so viele erfahrene Kollegen plötzlich auf der Straße stehen.“ Die Gewerkschaft könne so gut wie nichts gegen den Stellenabbau machen: „Bei betriebsbedingten Kündigungen können wir die betroffenen Mitglieder lediglich rechtlich unterstützen – und wir haben einen Interessenausgleich, einen Sozialplan, eingefordert“, so Baumgart.

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Kira Müller und Andreas Meyer

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