Menü
Ostsee Zeitung | Ihre Zeitung aus Mecklenburg-Vorpommern
Anmelden
Rostock Wirbel um Nordex: Spanischer Konzern will Rostocker Firma übernehmen
Mecklenburg Rostock Wirbel um Nordex: Spanischer Konzern will Rostocker Firma übernehmen
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
17:08 02.12.2019
Der spanische Großaktionär Acciona hat seine Beteiligung an Nordex unlängst durch eine Kapitalspritze in Höhe von 99 Millionen Euro von 29,9 auf 36,3 Prozent aufgestockt. Quelle: JENS BÜTTNER/DPA
Anzeige
Rostock

Börsennotierte Aktienunternehmen sind in Mecklenburg-Vorpommern dünn gesät. Es gibt den Bootsbauer Hanseyachts (Greifswald) und die gerade an der US-Börse Nasdaq gestartete Rostocker Biotech-Firma Centogene. Und es gibt den Rostocker Windenergieanlagenhersteller Nordex, doch den will jetzt der spanische Acciona-Konzern übernehmen. Die Spanier machen gerade allen Nordex-Aktionären Übernahmeangebote für ihre Papiere – für einen Preis von 10,34 Euro pro Aktie.

Welche Folge dies für die Zukunft von Nordex hat, ist unklar. „Es ist ein schwebendes Verfahren“, sagt Sprecher Felix Losada auf OZ-Anfrage. Nordex könne daher „zum jetzigen Zeitpunkt keinen Kommentar abgeben“. Unlängst hatte der spanische Großaktionär Acciona seine Beteiligung an Nordex durch eine Kapitalspritze in Höhe von 99 Millionen Euro von 29,9 auf 36,3 Prozent aufgestockt. Nun will Acciona auch alle restlichen Aktien einsammeln. Es ist jedoch ungewiss, ob das gelingt.

Milliardärin Klatten will offenbar nicht verkaufen

Die nach Acciona zweitgrößte Anteilseignerin von Nordex, die Milliardärin Susanne Klatten, zumindest will nach Informationen des Handelsblatts ihren Anteil von gut fünf Prozent nicht an die Spanier abgeben. Klatten, die als reichste Frau Deutschlands gilt, war 2005 als Aktionärin bei Nordex eingestiegen. Erstmals waren Nordex-Aktien im Jahr 2001 an der Börse gehandelt worden, damals im inzwischen eingestellten Segment Neuer Markt.

Nach Angaben von Insidern könnte der Acciona-Übernahmeversuch auch ein positives Signal für Nordex sein. Durch den Aufkauf der Aktien würde sich das Kapital des Unternehmens erhöhen. Nordex sei ein attraktives Unternehmen mit gutem Auftragsbestand.

Für Aktionäre ändert sich zunächst nicht viel

Und was bedeutet die Acciona-Offerte für die Anleger? „Für Aktionäre, die ein solches Übernahmeangebot nicht annehmen, ändert sich zunächst nicht viel“, sagt der stellvertretende Geschäftsführer des Deutschen Aktieninstituts in Frankfurt/Main, Franz-Josef Leven.

Sollte der Hauptaktionär – in diesem Fall Acciona – aber eine Mehrheit von 95 Prozent der Anteile erreichen, könnten die restlichen Aktionäre durch ein sogenanntes Squeeze-out-Verfahren zwangsweise ausgeschlossen werden. Wie viel Geld diese Anleger dann für ihre Papiere bekommen, hänge von der Kursentwicklung der Aktie ab.

Ein guter Preis für Anleger?

„Die Anleger sollten sich überlegen, ob das vorliegende Angebot ein guter Preis für sie ist“, sagt Leven. Sollte ein Anleger damit rechnen, dass dem Unternehmen eine glänzende Zukunft bevorsteht, wird er die Aktie wohl behalten wollen. Wenn das Unternehmen hingegen in Schwierigkeiten steckt, wäre ein Anleger eher geneigt, das Angebot anzunehmen.

Nordex: Verlust trotz voller Auftragsbücher

Trotz voller Auftragsbücher musste Nordex kürzlich einen Nettoverlust von 76,6 Millionen Euro vermelden. In den ersten neun Monaten des Jahres betrug der Umsatz rund 1,9 Milliarden Euro (Vorjahr: 1,77). Der Auftragsbestand lag Ende September bei 8,1 Milliarden Euro, nach 5,3 Milliarden Euro im Vorjahreszeitraum. Der Großteil der neuen Aufträge kam in den ersten neun Monaten vor allem aus Europa und Nordamerika.

Acciona ist ein spanischer Mischkonzern, der im Hoch-, Tief- und Infrastrukturbau sowie auf dem Immobiliensektor tätig ist. Firmensitz ist Alcobendas bei Madrid. Acciona ist an der Madrider Börse notiert.

Für den Zusammenschluss des Rostocker Windenergieanlagenherstellers Nordex mit dem spanischen Acciona-Konzern, der u.a. im Hoch-, Tief- und Infrastrukturbau tätig ist, hatte das Kartellamt im April 2016 grünes Licht gegeben. Für 785 Millionen Euro hatte Nordex 2015 die Windenergiesparte der Spanier gekauft. Einen Teil des Kaufpreises zahlte Nordex damals mit neuen Aktien. Dadurch wurde Acciona mit 29,9 Prozent neuer Großaktionär von Nordex.

Das Acciona-Übernahmeangebot hatte der Nordex-Aktie zuletzt einen Schub gegeben. Nach Bekanntwerden des Angebots kletterte das Papier von knapp elf auf rund 13 Euro. Gegenwärtig pendelt der Kurs um zwölf Euro – also etwa 1,70 Euro mehr als Acciona zahlen will. Das Angebot der Spanier endet vorerst am 18. Dezember 2019, könnte aber laut Mitteilung Ende des Jahres noch einmal verlängert werden.

Schweren Zeiten für Windenergieindustrie

Was Acciona durch eine Übernahme der Nordex-Aktien plant, kann auch der Sprecher des Bundesverbands Windenergie (BWE), Christoph Zipf, nicht beantworten. „Es ist unklar, welche strategischen Überlegungen dahinterstecken“, so Zipf. An Spekulationen wolle er sich nicht beteiligen.

Generell befinde sich die deutsche Windenergieindustrie in einer schwierigen Zeit, vor allem wegen fehlender und langwieriger Genehmigungen für die Errichtung neuer Anlagen. Nordex habe sich allerdings frühzeitig auch auf ausländischen Märkten engagiert. „Das Unternehmen hat gut gefüllte Auftragsbücher und ist nicht so stark auf den deutschen Markt angewiesen“, erklärt Zipf.

Angebot entspricht nur den Mindestanforderungen

Branchenexperten bezweifeln unterdessen, dass Acciona an einer Komplettübernahme interessiert ist. Zum einen mache das strategisch keinen Sinn, zitiert das Handelsblatt die spanische Investmentbank Renta 4. Zum anderen entspreche der gebotene Preis lediglich den Mindestanforderungen, nämlich dem Durchschnitt des Aktienkurses der vergangenen drei Monate. „Wenn Acciona ein ernstes Interesse hätte, hätten sie den Preis deutlich höher angesetzt, um sicherzustellen, dass sie auch zum Zug kommen“, heißt es.

Lesen Sie auch:

Von Von Axel Meyer-Stöckel

Im Durchschnitt rollen mehr als 45 000 Fahrzeuge pro Tag über die Brücke. Zuletzt ist eine hohe Durchbiegung im Mittelfeld festgestellt worden.

02.12.2019

Zweieinhalb Stunden lang will die AfD am Montagabend am Rostocker Hauptbahnhof und in der Südstadt gegen den Bau einer Moschee protestieren. Das Bündnis „Rostock nazifrei“ hat sechs Gegendemonstrationen angemeldet. Die Polizei bereitet sich auf einen Großeinsatz vor.

02.12.2019

An der Grundschule „Ostseekinder“ im Rostocker Stadtteil Dierkow kommen viele der 300 Schüler ohne Frühstück in die Schule. Damit die Jungen und Mädchen ihren Schultag meistern können, tischt der Rostocker Verein Wohltat seit genau zehn Jahren jeden Morgen Stullen, Obst und Gemüse auf. Der Bedarf steigt. Zum Jubiläum steuerte ein „Food-Truck“ die Schule an.

02.12.2019