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Rostock Sparpläne: Volkstheater droht Entlassungswelle
Mecklenburg Rostock Sparpläne: Volkstheater droht Entlassungswelle
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06:42 21.07.2015
Mehrfach haben Rostocker für den Erhalt aller vier Sparten am Volkstheater demonstriert. Nun sollen 91 der 270 Mitarbeiter gehen - wenn die politischen Beschlüsse umgesetzt werden.
Mehrfach haben Rostocker für den Erhalt aller vier Sparten am Volkstheater demonstriert. Nun sollen 91 der 270 Mitarbeiter gehen - wenn die politischen Beschlüsse umgesetzt werden. Quelle: Thomas Mandt
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Rostock

Das Rostocker Volkstheater am Abgrund: Ein Drittel der Belegschaft muss die Koffer packen, wenn es zur Umsetzung der Strukturvereinbarung mit dem Land kommt. Die Theater-Geschäftsführung hat die Auswirkungen der Sparpläne errechnet. Ergebnis wäre nicht das 2+2-Sparten-Modell, sondern „1,5 plus null“. Schon ab Sommer 2017 hätte das Theater keinen Chor und kein Ballett mehr. Auch die Schauspielsparte müsste um die Hälfte gestutzt werden. 91 der 270 Theater-Mitarbeiter müssten gehen, darunter wären 46 betriebsbedingte Kündigungen nötig. Für Kooperationen mit anderen Theatern bliebe  kein Geld mehr.

„Im Grunde läuft der verbleibende Restbetrieb auf ein Konzerthaus mit einem Schauspiel-Bespieltheater hinaus“, formuliert Stefan Rosinski, kaufmännischer Geschäftsführer es Volkstheaters, in dem Papier, das am Montag dem Rostocker Oberbürgermeister und dem Theater-Aufsichtsrat vorgelegt wurde. Rosinski geht von einem Minus von 4,6 Millionen Euro im Etat im Jahre 2022 aus. Das Theater sei aufgefordert, Sparvorschlägezu unterbreiten. 

Der Geschäftsführer zeichnet ein düsteres Bild: Um bei steigenden Kosten und Tariferhöhungen mit den 18 Millionen Euro jährlich auszukommen, die Stadt und Land vereinbart haben, müssten die kompletten Sparten Musik- und Tanztheater mit anteiligem Technikpersonal verschwinden: 77 Mitarbeiter. Da dies nicht reiche, um den „schlimmsten Fall“ bis 2022 zu beschreiben, sollen laut Papier auch 14 Stellen im Schauspiel verschwinden. Nur das durch Bürgerschaftsbeschluss geschützte Orchester wäre nicht betroffen. Laut Rosinski bedeutet dies: 34 betriebsbedingte Nichtverlängerungen von Verträgen, 46 betriebsbedingte Kündigungen. Weitere Mitarbeiter gingen in Rente. Die Zahl der Vorstellungen am Theater würde im Jahr etwa auf ein Drittel sinken: 60 im Schauspiel, 40 des Orchesters. Besucherzahlen und Einnahmen würden dramatisch sinken, die Kleine Komödie in Warnemünde als Außenstandort müsste schließen.

Verheerend wären die Auswirkungen im künstlerischen Bereich. Intendant Sewan Latchinian spricht von einem „irreparablen Schaden für das Volkstheater“, käme es zur Umsetzung. Tanz- und Musiktheater wären dicht – übrigens genau zum 500-jährigen Reformationsjubiläum, das auch in Rostock eine wichtige Rolle spielt. Das Schauspiel würde verstümmelt, wenn nur sieben von jetzt 15 Darstellern blieben. Viele wichtige Stücke wären so gar nicht mehr möglich. 

Theater-Aufsichtsratschefin Eva-Maria Kröger (Linke) fordert: Die Politik müsse sich das Thema noch einmal auf den Tisch ziehen. So sei das Volkstheater „nicht überlebensfähig“.



Frank Pubantz