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Rostock Spektakuläre Operation in Rostock: „Die Leberspende meiner Frau war meine letzte Chance“
Mecklenburg Rostock Spektakuläre Operation in Rostock: „Die Leberspende meiner Frau war meine letzte Chance“
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06:30 14.08.2019
Der Rostocker Thomas Krause erhielt von seiner Frau Carmen eine Leberlebendspende. Rostocker Uni-Ärzten gelang die Transplantation. Nun erholt sich Krause im Garten seines Wohnhauses in der Rostocker Innenstadt. Quelle: Dietmar Lilienthal
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Rostock

Erstmals ist einem Patienten in MV eine Leber trotz unterschiedlicher Blutgruppen von Spender und Empfänger transplantiert worden. Die spektakuläre Operation gelang Ärzten der Unimedizin Rostock.

Anfang des Jahres hatte der Hausarzt des Rostockers Thomas Krause nach einer Untersuchung Alarm geschlagen. Dem Mediziner waren die gelbliche, fahle Haut und die gelben Augen seines Patienten aufgefallen. „Dann begann eine Reihe von Untersuchungen“, erinnert sich der Hansestädter.

Krause schwebte in Lebensgefahr

Krank gefühlt habe er sich nicht. „Als Selbstständiger hat man ohnehin keine Zeit, krank zu sein.“ Der 69-Jährige ahnte nicht, dass er an einer sogenannten Autoimmunerkrankung litt. Diese hatte seine Leber stark angegriffen. Krause schwebte in Lebensgefahr.

In der Rostocker Unimedizin erläuterte ihm Prof. Dr. Tung Yu Tsui die Situation genau. Der Leiter der Sektion Onkologische Chirurgie mit dem Schwerpunkt Hepatobiliäre (Erkrankungen der Leber und Gallengänge) und Transplantationschirurgie suchte europaweit nach einem passenden Spenderorgan. „Prof. Tsui hatte auch einen passenden Spender gefunden. Doch ich stand erst auf Platz 15 der Warteliste“, betont Krause.

Lebertransplantation Unimedizin Rostock: Frau Carmen Krause (3. v. l.) spendete ihrem Mann Thomas eine Stück ihrer Leber, zum Ärzteteam gehörten Prof. Dr. Tung Yu Tsui (v. r.), Nico Greger, Prof. Dr. Steffen Mitzner und Ramona Heiden. Quelle: L

Eheleute hatten unterschiedliche Blutgruppen

„Die Leberspende meiner Frau war meine letzte Chance“, verdeutlicht Krause. Er vertraute auf seinen Operateur, mit dem „die Chemie sofort gestimmt habe“, so der Gastronom. Und es erfolgte eine Operation, die in dieser Art erstmals in MV durchgeführt wurde. Denn die Eheleute haben nicht dieselbe Blutgruppen. Normalerweise sollten die Blutgruppen von Spender und Empfänger zueinander passen beziehungsweise „kompatibel” sein. Die sogenannte AB0-inkompatible, also eine Transplantation über Blutgruppen hinweg, ist bei Nierentransplantationen üblich. Bei der Lebendspende einer Leber zwischen Erwachsenen ist eine solche Operation in Deutschland zwar bekannt, wird aber extrem selten durchgeführt.

In einer aufwendigen Prozedur wurden die Blutwerte denen seiner Frau angepasst, sagt der sportlich wirkende Rostocker Mediziner. Der dann folgende Eingriff war sehr komplex und anspruchsvoll. „Zum Teil wurde mikrochirurgische Technik eingesetzt“, erläutert Prof. Tsui. Der Mediziner arbeitet seit 2014 erfolgreich im Bereich der Leber- und Tumorchirurgie der Unimedizin und etabliert neue Verfahren. Jährlich erfolgen im hiesigen Transplantationszentrum allein zwölf bis 15 Lebertransplantationen. „In diesem Jahr gab es bereits zwei Lebendspenden“, so der Fachmann.

Spezielle „Blutwäsche“ nötig“

Die Krauses wurden hier von einem interdisziplinären Team betreut. „Nicht nur die Operation selbst war vielschichtig, sondern auch die Vorbehandlung herausfordernd“, sagt Prof. Dr. Steffen Mitzner, Leiter der Sektion Nephrologie. Dort wurde in Zusammenarbeit mit Oberarzt Nico Greger, dem stellvertretenden Leiter des Instituts für Transfusionsmedizin, die Vorbehandlung des Patienten ergänzt. Bei der sogenannten Konditionierung wird vor der Transplantation mit der Gabe von Medikamenten die Neubildung der Blutgruppenantikörper beim Organempfänger unterdrückt. Zudem muss er mit der Einnahme der sogenannten Immunsuppressiva beginnen. Diese vermindern die Funktionen des Immunsystems. Zusätzlich werden mit einem speziellen „Blutwäsche”-Verfahren verbliebene Blutgruppenantikörper aus dem Blut entfernt.

Das Laufen fällt noch schwer

Nach etwa acht Wochen Behandlung und der Lebertransplantation hat Thomas Krause vor wenigen Tagen die Klinik wieder verlassen können. „Wir haben beide noch mit Wassereinlagerungen in den Beinen zu kämpfen. Meine Frau fühlt sich aktuell nicht so gut. Ich aber habe sogar schon wieder etwas gearbeitet.“ Entspannt sitzt er an einem Tischchen im kleinen Garten des Wohnhauses in der Rostocker Innenstadt.

Das Laufen fällt ihm zwar noch schwer, doch Krause ist zuversichtlich. Daran ändern auch die zehn Präparate am Morgen und fünf am Abend nichts, die er einnehmen muss. „Bei Prof. Tsui und seinem Team haben wir uns prima aufgehoben gefühlt“, sagt er. Zudem hofft er, dass sich in sechs Monaten die Zahl der einzunehmenden Medikamente verringert. Die Leber seiner Frau Carmen wird sich von selbst regenerieren. „Das wird etwa drei Monate dauern“, erläutert Transplantationsexperte Tsui.

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