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Rostock Starpianist Joseph Moog in Rostock: „Ich bin keine Rampensau“
Mecklenburg Rostock

Starpianist Joseph Moog in Rostock: „Ich bin keine Rampensau!“

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18:58 07.02.2020
Pianist Joseph Moog spielt im Volkstheater Rostock. Quelle: Thommy Mardo
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Rostock

Ein begabter Musiker ohne Starallüren – Joseph Moog reist als Starpianist durch die ganze Welt. Nachdem er im Mecklenburger Staatstheater in Schwerin als Solist aufgetreten ist, wird er ab 9. Februar beim sechsten Philharmonischen Konzert in Rostock zu erleben sein. In einem exklusiven Interview mit der OSTSEE-ZEITUNG spricht er über das bevorstehende Konzert, seine Introversion und über die Zukunft klassischer Musik.

Das sechste Philharmonische Konzert trägt den Untertitel „Spielsucht“. Auf welche Art von Spielsucht spielt der Titel an?

Es ist keine direkte Spielsucht aus den Biografien der Komponisten bekannt. Es bezieht sich auf das Flow-Erlebnis beim Spielen, wenn man in einen Fluss kommt. Dann ist man im Hier und Jetzt – nicht in der Vergangenheit oder Zukunft. Dieses Gefühl kennen Musiker ganz gut und das kann definitiv süchtig machen.

Dieses Flow-Erlebnis kann es ja auch beim Publikum geben.

Ja, das ist unser Wunsch. Wir wollen wortlos kommunizieren und die Leute aus ihrem Alltag entführen.

Sind sie nach Musik süchtig?

Auf jeden Fall. Es ist schon seit meiner Kindheit ein sehr wichtiger Teil in meinem Leben. Aber auch Natur, Philosophie und meine Freunde und Familie haben in meinem Leben einen hohen Stellenwert.

Am Sonntag spielen sie als Solist beim Philharmonischen Konzert im Volkstheater. Gibt es ein Stück an dem Abend, welches Ihnen besonders am Herzen liegt?

Ich spiele die Rhapsodie über ein Thema von Paganini von Rachmaninow. Der Komponist ist nach Amerika ausgewandert. Die Sehnsucht nach seiner russischen Heimat und der Natur wird in dem Werk hörbar. Auch ich sehne mich immer nach der Natur, wenn ich auf Konzertreise in Großstädten bin. Der Dialog von Orchester und Klavier in dem Stück ist faszinierend. Alles geht ineinander über – es ist eine Reise.

Wie war ihre Kindheit?

Ich bin sehr behütet aufgewachsen. Meine Eltern sind Orchestermusiker und haben sich sehr gut um meine Schwester und mich gekümmert. Wir hatten einen großen Garten, waren im Sommer viel draußen.

„Ich wollte nicht als Wunderkind vermarktet werden“

Wie kamen Sie zum Klavier?

Als ich drei oder vier war, haben meine Eltern einen etwa hundert Jahre alten Blüthner-Flügel gekauft. Ich war sofort fasziniert von der Haptik, dem Klang, dem Holzgeruch und habe jeden Tag daran geklimpert und improvisiert. Mit sechs hat mein Vater mir beigebracht Noten zu lesen und ich bekam den ersten Klavierunterricht. Mit zehn Jahren wurde ich Jungstudent.

Als eine Plattenfirma auf Sie zukam und Sie als Wunderkind vermarkten wollte, haben Sie abgelehnt.

Ja, genau. Ich bin keine Rampensau. Ich bin von Natur aus introvertiert und stehe nicht gern im Rampenlicht. Wenn es um Musik geht, ist es eine Ausnahmesituation. Ich würde nicht um jeden Preis auf die Bühne wollen. Mir geht es um die Musik.  

Sie reisen durch die ganze Welt – Moskau, Paris, Hongkong – und stehen überall auf der Bühne. Haben Sie sich schon einmal danach gesehnt, eine Rampensau zu sein?

Ja. Dann könnte ich das Drumherum mehr leben und genießen. Das ist manchmal ein Konflikt in meinem Leben, aber ich möchte die Musik präsentieren. Auch das soziale Netzwerken fällt mir nicht so leicht wie anderen Musikern. Als introvertierter Mensch muss man sich immer wieder selbst herausfordern und darf nicht der Macht der Gewohnheit verfallen.

„Klassik ist nicht nur für Rechtsanwälte und Ärzte“

Ist Klassik für gut situierte, gebildete Leute gemacht?

Nein, auf keinen Fall. Das ist ein Vorurteil. Die klassische Konzertsituation kann auf Laien schnell befremdlich wirken. Viele junge Leute denken, man muss sich schick anziehen oder dass die Musik nur für Ärzte und Rechtsanwälte gemacht ist (lacht). Wir müssen betonen, wie farbig und vielschichtig die Musik ist und dürfen uns nicht an die Vermarktungsmechanismen aus der Popbranche halten, sonst schaffen wir uns ab. Klassik ist auf Entwicklung aufgebaut, lange Strecken, viele Themen: Das sind die Besonderheiten der Musik.

Haben Sie eine Idee, wie jungen Leuten klassische Musik schmackhafter gemacht werden kann?

Oft wird es über die Brücke Filmmusik versucht. Das ist ein guter Ansatz. Aber davon muss man sich auch wieder ablösen. Es ist wichtig für das Publikum, dass Künstler den Dialog selbst aufnehmen. Viele leben die Tradition und wollen Zugaben nicht ansagen. Menschen die nicht häufig in Konzerte gehen, nehmen das als Arroganz oder Unhöflichkeit wahr. Konzerte müssen eine persönliche Erfahrung werden – durch den Dialog, ohne Zwang.

„Manchmal vermisse ich ein normales Leben“

Sie reisen durch die ganze Welt. Wo gefällt es Ihnen am besten?

In Japan hat man als Künstler den größten Komfort. Sie sorgen für Shuttleservices und Probenzeiten werden an die Bedürfnisse des Künstlers angepasst. Die Zeitverschiebung ist jedoch etwas unangenehm. Es ist zwar faszinierend, in der Welt unterwegs zu sein, aber ich bin am liebsten in der Natur: abseits, mit Privatsphäre.

Zwischen den ganzen Reisen, vermissen Sie da manchmal ein normales Leben?

Ja. Manchmal ertappe ich mich dabei, wie ich mir vorstelle, einen geregelten Beruf zu haben. Aber der Mensch will ja immer das, was er nicht hat. Da bin ich also vorsichtig. (lacht)

Was macht Ihr Leben momentan aus?

Ich bin viel als Solist auf Reisen, treffe interessante Leute und bin als Festivalleiter der Kammermusikreihe in Konz tätig. Zwischendurch versuche ich viel Zeit mit meiner Familie zu verbringen.

Joseph Moog ist am 9. Februar um 18 Uhr sowie am 10. und 11. Februar um 19.30 Uhr im Volkstheater Rostock beim sechsten Philharmonischen Konzert „Spielsucht“ zu erleben. Restkarten gibt es an der Abendkasse.

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Von Nora Reinhardt

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