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Rostock Start-up aus Rostock sprengt Grenzen im 3D-Druck
Mecklenburg Rostock Start-up aus Rostock sprengt Grenzen im 3D-Druck
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06:01 27.03.2019
Aim3D-Gründer Clemens Lieberwirth (29) zeigt: Metallteile werden im 3D-Drucker zunächst bewusst größer produziert. Anschließend wird der Kunststoff aus dem Stück gebrannt. Übrig bleibt ein Endprodukt in der Wunschgröße. Quelle: OVE ARSCHOLL
Schmarl

In einer Schmarler Werkshalle steht ein Schrank, der’s in sich hat: In der zwei Meter hohen Maschine steckt eine ausgeklügelte Technik, mit der ein Rostocker Start-up Grenzen sprengen und den 3D-Druck revolutionieren will. Das Unternehmen Aim3D hat einen Drucker entwickelt, der sowohl aus Metall als auch aus Kunststoff dreidimensionale Bauteile herstellen kann, ohne dass dafür Gussformen oder Massenproduktion nötig wären. Das spart Zeit und Geld. Und weckt Begehrlichkeiten. Auto-, Möbel- und Werkzeugbauer, Medizintechnik und Raumfahrt: Auf das Multitalent sind viele Industriezweige scharf. Lange gedulden müssen sich Interessenten nicht: „Der Drucker ist marktreif. Wir wollen Ende März mit der Serienproduktion loslegen“, kündigt Aim3D-Mitgründer Clemens Lieberwirth (29) an. Für ihn erfüllt sich ein Traum.

Dass aus dem Geistesblitz, der ihn vor knapp fünf Jahren im heimischen Kämmerlein traf, ein Drucker werden würde, der heute elf Mitarbeitern den Lohn einspielt, hätte Clemens Lieberwirth kaum zu hoffen gewagt. „Ein tolles Gefühl“, sagt der Maschinenbauer beim Blick in die Halle. Die ist noch zur Hälfte leer, die Produktionsstrecke wird gerade aufgebaut. Fast komplett ist der 3D-Drucker, der in den nächsten Tagen das Werk verlässt. Eine Maschine ist bereits beim ersten Kunden, fünf weitere Geräte sind geplant. Was den Drucker so begehrt macht, dass Käufer dafür fünfstellige Beträge hinblättern, ist seine Vielseitigkeit. Kaum ein Rohstoff, mit dem der „ExAM 255“ nichts anzufangen wüsste. „Wir überschreiten Materialgrenzen“, sagt Lieberwirth. „Es ist der weltweit erste industrielle 3D-Drucker, der im CEM-Verfahren Metallwerkstücke herstellt.“

Das Unternehmen Aim3D ermöglicht es der Industrie, Teile aus Edelstahl, Buntmetall oder Kunststoff mit einem einzigen Gerät zu drucken.

Vom Krümel zum Metallbauteil

Was kompliziert klingt, funktioniert so: Ausgangsstoff ist ein Spritzgussgranulat. Die weizenkornkleinen Krümel bestehen – je nachdem was aus ihnen werden soll – aus Hartmetall-, Edelstahl- oder Keramikpulver, das in einem Kunststoff gebunden ist. Sie kommen in den Extruder. Dieser Schneckenförderer presst das Granulat in eine beheizte Düse. „Ähnlich wie bei einer Heißklebepistole“, erklärt Lieberwirth. Die Krümel verschmelzen zu einer breiigen Masse, die als feiner Faden aus der Düse läuft. Was dann kommt, ist Schichtarbeit: Der Spritzkopf rotiert über einer Platte und lässt die zähe Flüssigkeit nach am Computer programmierten Muster darauf fließen. Dabei baut sich in Mikrometer dünnen Schichten nach und nach ein dreidimensionaler sogenannter Grünling auf. Benutzen kann man den noch nicht. Zunächst muss der darin enthaltene Kunststoff weichen. Dafür verlässt das Teil den Drucker, taucht ab in ein Chemikalienbad und dann geht’s in den Ofen. In der Heizkammer wird das Stück bis knapp unter den Schmelzpunkt des jeweiligen Metalls erhitzt. Dabei brennen die letzten Plastikpartikel weg. Übrig bleibt das gewünschte Bauteil. Dieses hat durch den Ausbrennprozess zwar, wie vorab eingerechnet, 16 Prozent seiner Größe eingebüßt, dafür aber enorm an Festigkeit gewonnen. Es kann nun problemlos genutzt oder weiter bearbeitet werden.

Ob Ventil oder Handschiene: Vom daumennagelgroßen Massivteil bis zum hohlen Würfel mit 25,5 Zentimetern Kantenlänge lasse sich mit dem „ExAM 255“ fast alles herstellen, sagt Lieberwirth. Wie profitversprechend das Metalldruck-Verfahren ist, lässt sich an der Liste der Geldgeber ablesen: Der Autozulieferer Brose, der weltweit 26 000 Mitarbeiter beschäftigt, hat kürzlich zusammen mit dem halbstaatlichen High-Tech-Gründerfonds 1,4 Millionen Euro in Aim3D investiert. Das dürfte sich auszahlen, denn der Markt für 3D-Druck wächst.

Für Privatleute sei der „ExAm 255“ nichts, sagt Clemens Lieberwirth. Das habe er zuletzt einem Hobbyschrauber klarmachen müssen, der sich den 400-Kilo-Klopper in die Garage stellen wollte, um damit Ersatzteile für seinen Oldtimer zu drucken. Der Wunsch war schnell verpufft, als er den Preis erfuhr: 90 000 Euro sind allein für den Drucker fällig. Soll Aim3D auch noch den Ofen in der Einsteigerversion liefern, kostet das 60 000 Euro extra. Den Drucker könne der Kunde aber mit beliebig großen Öfen kombinieren. „Nach oben gibt es fast kein Limit“, sagt Lieberwirth. Tipps, wie man etwaige Grenzen sprengt, könnte der Unternehmer zur Not geben. Damit kennt er sich schließlich aus.

Start-up auf Erfolgskurs

AIM3D ist im Jahr 2017 gegründet worden von Clemens Lieberwirth, Vincent Morrison und Hermann Seitz. Inzwischen sind elf Mitarbeiter im Unternehmen beschäftigt. Das Start-up hat einen 3D-Drucker mit besonderer Technik entwickelt. Das Gerät kann sowohl Spritzgranulate aus Metall als auch aus Kunststoff verarbeiten. Nach längerer Testphase hat die Maschine nun Serienreife erreicht und soll Ende März auf den Markt kommen.

Antje Bernstein

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