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Rostock Rostocks OB-Kandidat Steffen Bockhahn: Wen er liebt und wie er lebt
Mecklenburg Rostock Rostocks OB-Kandidat Steffen Bockhahn: Wen er liebt und wie er lebt
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13:30 10.04.2019
Käffchen im Wohnflur: Lädt Steffen Bockhahn Freunde zu sich ein, sitzt er mit ihnen gern am Esstisch in der Diele zusammen. Hier findet auch sein Bücherregal Platz. Quelle: Frank Söllner
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Stadtmitte

Che Guevara sieht alles: Bringt Steffen Bockhahn (40) etwas zu Papier, liest der berühmt-berüchtigte Guerillero mit. Das Bild über seinem Schreibtisch bedeutet Bockhahn viel. „Wo es nicht hängt, leb’ ich nicht.“ Das liegt nicht so sehr daran, dass Rostocks linkem Oberbürgermeister-Kandidaten die Ikone der Linken entgegen schaut („Ich halte nicht viel von Vorbildern. Jeder muss seinen eigenen Weg gehen.“). Viel mehr erinnert der Berufsrevoluzzer an ein einschneidendes Erlebnis.

Bockhahn hat das Bild 1997 von Kuba mitgebracht, wo er direkt nach seinem Abi Gast bei den Weltfestspielen der Jugend und Studenten war. „Zwei prägende Wochen. Das erste Mal große, weite Welt ohne Mama und Papa.“ Inzwischen hat der Rostocker gut ein Dutzend Länder und mehrere Kontinente bereist. „Australien, Nordamerika und die Antarktis fehlen mir noch.“

Joggen mit Big Bang Theory

Eines seiner Lieblingsziele bringt selbst Spitzensportler an die Grenzen: Der Mont Ventoux in der französischen Provence liegt auf der Tour-de-France-Strecke. Steffen Bockhahn ist den 1912-Meter-Gipfel bereits vier Mal hochgeradelt. Für Bergetappen bringt er sich auf Rostocks Radwegen in Form. Und mitten im Arbeitszimmer. Neben einem Rollentrainer – einem Rennrad für drinnen – hat sich die Sportskanone ein Laufband aufgestellt. Hier macht der Anblick einer Nerd-Truppe Muskelschmerz erträglich: Joggt Bockhahn los, läuft auf dem Tablet „The Big Bang Theory“. „Lenard ist der beste“, sagt Bockhahn.

Rechtspopulist als Nachbar

Die Sitcom um eine durchgeknallte Wissenschaftler-WG amüsiert. Der Blick aus dem Fenster weniger. Ein Rechtspopulist wohnt in der Nachbarschaft. Eine Mietminderung habe er nicht durchsetzen können, scherzt Bockhahn. Seit 2008 lebt er im zweiten Stock eines Altbaus in bester Citylage. Gerne, trotz der Aussicht. Die Wohnung kann sich sehen lassen. Vier helle Zimmer, ein geräumiger Flur, Küche, Bad. Die Farbe weiß überwiegt. Die Decken sind hoch, die Flügeltüren weit, die Böden holzlaminiert.

Wen er liebt, wie er lebt und lustige Schnappschüsse aus seiner Vergangenheit.

„Schnell im Kopf und bei der Bierbestellung“

Bei der Einrichtung mag’s Bockhahn schlicht und modern. Kein überflüssiger Firlefanz, kaum Staubfänger. Platz gibt Bockhahn offenbar nur an das ab, was ihm etwas bedeutet. Über der grauen Couch hängen drei Großaufnahmen vom Schaudepot der Kunsthalle, im Flur die Originalausgabe der Tageszeitung „Neues Deutschland“, die an Bockhahns Geburtstag erschien.

Direkt gegenüber: ein Bücherregal. Zwischen Lexika und Biografien stehen seine Favoriten: Hemingways „Der alte Mann und das Meer“, „Lieber woanders“ von Marion Brasch und „Hobalala. Auf der Suche nach João Gilberto“ von Marc Fischer (1970-2011). Der begnadete Reporter und Popliterat traf Bockhahn einst beim Pfingstfest der Linken am Brandenburger Werbellinsee und beschrieb ihn anschließend als einen, dessen Triebfeder „ein ausgeprägter Antifaschismus“ sei, als einen „der Typen, an denen du sofort hängen bleibst, weil er nicht nur links ist, sondern auch wach und sympathisch und schnell im Kopf und bei der Bierbestellung.“ Letztere gibt Bockhahn am liebsten im Heumond auf. „Mein zweites Wohnzimmer. Es symbolisiert eine schöne Form von Zusammensein und ruppigem Service. Liebenswürdig und rustikal.“

Zu Hause gibt es Klops

Tischt Bockhahn bei sich zu Hause auf, wird’s herzhaft. Mit seinem Pilzgulasch samt Klößen habe er schon oft gepunktet. „Obwohl ich vom Vegetariersein so weit weg bin wie die Erde vom Mond.“ Er kocht gern. „Das hat etwas Entspannendes.“

Wie man Klopse, Milchbohnen oder Hackbraten zubereitet, haben ihm seine Eltern, Ingrid und Erich, beigebracht. Er nennt sie scherzhaft seine „Seniorengruppe“. „Sie haben meinen größten Respekt und meine ewige Liebe.“ Und umgekehrt? „Sie sind stolz auf mich – was ich doof finde“, gesteht er leicht verlegen. „Von ihnen habe ich alles gelernt, wenn auch nicht alles mit Freuden“, sagt Bockhahn und lacht.

Getrennt aber glücklich

Den Abwasch nach der Küchenschlacht würde er lieber jemand anderem überlassen. Eine wird ihm das nicht abnehmen: Von seiner Ehefrau lebt er getrennt, um die gemeinsame Tochter kümmern sich beide. Und wie ist sein aktueller Beziehungsstatus? Bockhahn grinst. „Ich bin glücklich.“ Mehr will er nicht preisgeben. Gleiches gilt für seine Wohnung. Die zeigt er seinen Gästen gern, den Medien lieber nicht. Auch seine Familie hält er bewusst privat. „Ich habe mir die Öffentlichkeit ausgesucht, sie nicht.“

Kurzvita

geboren am 29. Dezember 1978 in Rostock

1995 eintritt in die PDS (ab 2007 Linke)

1997 Abitur

1997-1998 Zivildienst in einer Kita

1999-2002 Praktikum, Volontariat und Angestellter bei Ostseewelle und Antenne MV als Redakteur und Nachrichtensprecher

2002-2007 Studium der Politikwissenschaften und der Neueren Geschichte Europas an der Uni Rostock

seit 2004 Mitglied der Rostocker Bürgerschaft

10/2007-09/2009 Wissenschaftlicher Mitarbeiter bei Bundestagsmitglied Dietmar Bartsch

10/2009 bis 11/2012 Landesvorsitzender der Linken

10/2009-10/2013 direkt gewählter Bundestagsabgeordneter

seit Januar 2015 Senator für Jugend und Soziales, Gesundheit, Schule und Sport und 2. Stellvertreter des Oberbürgermeisters

Handball-Held weckt Liebe zum Sport

Dafür erzählt er umso offener aus seinem Leben. Das beginnt am 29. Dezember 1978 in der Südstadtklinik. Seine ersten Jahre ist Steffen Bockhahn in der Reutershäger Bernhard-Bästlein-Straße zu Hause. Die Zweiraumwohnung bietet ihm, seiner Schwester Ilka und den Eltern – beide Lehrer – wenig Platz. Das Grün vorm Haus dafür umso mehr. Hier lernt Bockhahn laufen, klettert auf Bäume, spielt im Sandkasten. Bevor die Familie kurz vor Bockhahns Einschulung in die Nördliche Altstadt umzieht, lernt er im Schulgarten der 27. POS Mathias Thesen, dem Arbeitsplatz seines Vaters, DDR-Handball-Held Fiete Reder kennen. Der Rückraumspieler entfacht Bockhahns Interesse am Mannschaftssport.

Humor bis an die Sch(m)erzgrenze

Das hält bis heute an. Für den HC Empor IV geht er in der Bezirksliga Nord auf Torjagd, zusammen mit seinem besten Kumpel Sven Thormann. Den lernte Bockhahn während seiner Zeit als Radioreporter kennen. Heute ruft er seinen einstigen Interviewpartner an, wenn ihm was auf der Seele liegt. „Wir können uns gut aufregen und gegenseitig runterbringen – wie ein altes Ehepaar“, scherzt Bockhahn. Launige Sprüche, auch das ist ein Relikt seiner Hörfunkzeit. „Morgens um fünf Gags produzieren gehörte zum Jobprofil.“ Er liebt schwarzen Humor und treibt’s selbst gern auf die Spitze. „Okay, solange man sich nicht über andere erhebt.“ Wie man gute Laune verbreitet, weiß er. „Die besten Pointen fallen mir aber oft erst im Nachhinein ein. Ärgerlich.“

Als der beste Kumpel starb

Steffen Bockhahn ist gern mal albern, hat aber auch viele Momente erlebt, in denen ihm ganz und gar nicht zum Lachen zumute war. Als 1989 sein Opa im Alter von 64 Jahren starb, „war das nicht richtig und ist es bis heute nicht“. Der Verlust wurde umso schlimmer, weil Bockhahn ihn anschließend auf einer Klassenfahrt betrauern muss. „Ich hab’ nur geheult und meine Mitschüler haben drüber gelacht.“

Ein Rollstuhlfahrer, eine Frau, zwei Senatoren, ein Kabarettist, ein Däne, ein Schweißfachingenieur und der Personalchef des Rathauses buhlen um das Erbe von Oberbürgermeister Roland Methling.

Vor Tausende soll er hintreten, als er vom Tod seines besten Freundes erfährt: Kurz bevor Bockhahn 2007 beim G-8-Gipfel in Heiligendamm zu einer Protestrede ansetzen will, bekommt er einen Anruf. Die Mutter seines schwer kranken Kumpels ist dran. „Sie sagte nur: ,Stefan hat’s geschafft’“, erzählt Bockhahn mit tränenerstickter Stimme. Auch damals fiel reden ihm schwer, und dennoch ging er auf die Bühne. „Heulen und Zusammenbrechen hab’ ich hinterher erledigt.“ Emotionen zeigen sei wichtig. „Ich kann funktionieren, aber ich bin auch Mensch. Wer traurig ist, soll es rauslassen.“

Punks, Pop und Pubertätskrisen

Was hebt die Stimmung, wenn sie am Boden liegt? „Ein schönes Essen, tanzen, den Wellen zuhören und Musik.“ Die ist sein ständiger Begleiter. Sein Handy müsste neun Tage am Stück durchdudeln, wollte er alle Titel darauf abspielen. Auf die Ohren gibt’s einen bunten Mix: Politpunk von „Feine Sahne Fischfilet“, 90er-Jahre-Trashpop, Technobeats von Fritz Kalkbrenner oder Klavierkonzerte von Beethoven. Bockhahns Allzeitliebling ist die US-Band REM („Losing my Religion“). „Ich hab’ sie schon zwei Mal live gesehen.“ Wie aufs Stichwort setzt eine Etage über seinem Wohnflur ein Piano ein. Nicht ungewöhnlich, im Haus wohnen Stundenten der Hochschule für Musik und Theater. Die geben auch schon mal ein Konzert im Hausflur. „Dann kommen die Nachbarn zusammen und jeder bringt was mit.“

Steffen Bockhahn genießt gesellige Runden. Vor allem, weil er weiß, wie es ist, wenn man plötzlich allein dasteht. Als er 2012 seinen Posten als Linken-Landesvorsitzender abgibt, hatte er „das Gefühl, keine Freunde mehr zu haben“, verrät er. „Es ist schwer, allein durch solche Krisen zu kommen.“ Ihm half sein privates Umfeld. „Es ist kein Versagen, Hilfe anzunehmen, sondern das Stärkste, was man machen kann.“

Wie man Stärke richtig dosiert, hat er erst lernen müssen. Zum Leidwesen seiner älteren Schwester. Mit der hat sich Steffen Bockhahn in der Pubertät häufiger gezofft. „Sie war in der Schule die Fleißige, Strebsame. Ich – naja – ich war da“, scherzt Bockhahn.

Menschenhass ärgert ihn

Zu melden hatte der damalige Schülersprecher aber oft etwas – wenn auch nicht immer das, was sein Gegenüber gern hören wollte. „Wenn mir was nicht gepasst hat, haben das andere zu spüren bekommen. Mit meiner selbstbewussten Art kam nicht jeder klar.“ Bis heute mag er es, „wenn die Dinge so laufen, wie ich es will. Aber ich bin viel gelassener geworden.“ Ungerechtigkeit und „stumpfer Menschenhass“ bringen Steffen Bockhahn dagegen auf die Palme. Beim Runterfahren hilft eine Runde auf dem Rennrad im Arbeitszimmer. Und Che schaut zu.

Politische Ziele

Mehr Tempo bei Sanierung und Erweiterung von Kitas, Schulen und Sportanlagen

„Projekte wie die Kopenhagener Straße, Berufsschule Alexander Schmorell, Vereinsgebäude Kanufreunde Rostocker Greif und viele mehr sollen in Zukunft deutlich schneller umgesetzt werden. Außerdem stehe ich ganz fest zum Versprechen, dass es eine neue Schwimm- und Eishalle im Nordwesten geben soll.“

Bezahlbares Wohnen in allen Stadtteilen

„Bei Neubauten soll mindestens ein Fünftel der Wohnungen für Menschen mit geringerem Einkommen vorbehalten sein. Wichtig dabei ist, dass alle Stadtteile attraktiv sind. Das funktioniert nur, wenn wir nicht immer zuerst an die immer gleichen Viertel, sondern endlich an die ganze Stadt denken. Außerdem möchte ich, dass wir bestehende Gebäude wo möglich aufstocken.“

Pflegenotstand verhindern

„Solange es geht und die Menschen es wollen, soll das zu Hause passieren. Deswegen beraten wir zusammen mit den Wohnungsunternehmen und den Pflegestützpunkten, wie man Wohnungen altersgerecht umbauen kann und welche Förderungen es dafür gibt. Wenn es erforderlich wird, in ein Pflegeheim umzuziehen, müssen Plätze verfügbar sein. Gemeinsam mit den Partnern der Beruflichen Schulen, Pflegediensten u.a. werde ich daran arbeiten, dass wir keinen Pflegenotstand in der Stadt bekommen.“

Öffentlichen Nahverkehr ausbauen

Rostock hat ein gut ausgebautes Nahverkehrsnetz. Es kann aber noch besser werden. Dazu muss jedoch die Landesregierung mehr Geld bereitstellen, denn leider werden längst nicht alle Gelder, die der Bund dem Land dafür überweist, auch an die Kommunen gegeben. Ich möchte, dass auch Schmarl und Groß Klein an das Straßenbahnnetz angeschlossen werden. Die Erhöhung der Fahrpreise muss gestoppt werden, sonst verliert der ÖPNV an Attraktivität.“

Mehr Unterstützung für Ehrenamtler

„Vereine und Verbände sind unverzichtbarer Bestandteil der Stadtgesellschaft. Ein großer Teil der Arbeit wird ehrenamtlich erledigt. In den Stadtteil- und Begegnungszentren, aber auch anderen von der Stadt geförderten Häusern, bieten wir ihnen Platz. Diese Arbeit weiter zu unterstützen und anzuerkennen, ist mir eine Herzensangelegenheit.“

Alle OB-Kandidaten kennenlernen

Zum Wahlforum am 16. Mai um 18 Uhr laden die OZ und NDR gemeinsam in den großen Saal des Rostocker Medienhauses. Alle Kandidaten werden sich und ihr Programm präsentieren. Fragen können gern vorab an chefredaktion@ostsee-zeitung.de geschickt werden.

Zu einer Vorstellungsrunde am 20. Mai um 19 Uhr laden die OZ und das Theater des Friedens ein. Unter dem Motto „9 Kandidaten, 9 Cocktails, 9 Songs“ können im ehemaligen Kino auch Fragen fernab des Wahlprogramms gestellt werden.

Antje Bernstein

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