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Rostock Streife mit Bugschuss: Unterwegs mit der Wasserschutzpolizei
Mecklenburg Rostock Streife mit Bugschuss: Unterwegs mit der Wasserschutzpolizei
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21:36 03.07.2019
Leinen los und ab auf Streife auf der Warnow: Polizeikommissar Sebastian Seibel (32) an Bord der „Stoltera“. Quelle: Dietmar Lilienthal
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Rostock

Der Bugschuss kündigt sich per Schiffshupe an. „Schönen guten Tag. Wasserschutzpolizei. Wir würden Sie bitten, mal zu einer Kontrolle längsseits zu kommen.“ Sebastian Seibel (32) wirft einen blauen Fender über die Reling. Ein Puffer für die beiden Angler, die nun mit ihrer Nussschale backbord am Polizeiboot festmachen. Was sie verbrochen haben könnten? Da fischen die Herren im Trüben. Seibel klärt auf: Mit Motor fahren und zeitgleich die Rute raushalten – das sei Schleppangeln und hier verboten.

Im Visier

Eigentlich sind solche Vergehen ein Fall für die Fischereiaufsicht. Heute kümmern sich Sebastian Seibel und Holger Kroner (46) darum. Ihr Revier ist die Warnow. Ihre Aufgabe: Schnapsdrosseln aus dem Verkehr ziehen, zu flotte Freizeitskipper ausbremsen und Umweltsünder dingfest machen.

Großes Revier

Struktur des Landeswasserschutzpolizeiamts in Mecklenburg-Vorpommern Quelle: Benjamin Barz

Sie fahren mit flotter Technik und haben einen Job, um den viele sie beneiden: die Beamten der Wasserschutzpolizei. Sie und ihre Kollegen sorgen für Recht und Ordnung auf den Gewässern Mecklenburg-Vorpommerns – mit über 2600 Kilometern Wasserstraßen sowie 2000 Seen nach Brandenburg das zweitwasserreichste Bundesland Deutschlands und das mit der längsten Küstenlinie.

Kommissar Sebastian Seibel und Hauptkommissar Holger Kroner sind für die Rostocker Inspektion im Einsatz. Dessen Revier reicht von Kühlungsborn bis nach Graal Müritz, von Bützow bis nach Teterow.

Galerie: Einsatz auf der Warnow

Auf Streife mit Rostocks Wasserschutzpolizei

Denkzettel für Falschangler

Heute fahren die beiden Männer Streife auf der Warnow. Das Duo, das die Polizisten beim Schleppangeln erwischen, ist ihr erster Fall des Tages. Seibel kontrolliert die Papiere. „In Ordnung.“ So schnell lässt er die Beiden aber nicht vom Haken.

Der Herr am Steuer muss pusten. 0,06 Promille Atemalkohol zeigt das Messgerät an. Ordnungswidrig wären 0,5 – wie im Straßenverkehr. Bleibt der Verstoß gegen das Fischereirecht. Seibel nimmt die Daten auf. „Die kriegen Post.“ Den Gescholtenen scheint das nichts auszumachen. Zum Abschied gibt’s ein Lächeln und ein „Schönen Tag noch“.

Gewaltausbrüche? Fehlanzeige

So läuft es fast immer ab, wenn er und seine Kollegen Freizeitkapitäne kontrollieren, erzählt Kroner. Die meisten seien einsichtig, zeigten bereitwillig Zulassungen oder Rettungswesten her. „Auf der Straße hat man Glück, wenn man keinen Stein abkriegt. Von der Gewalt, die unseren Kollegen auf der Straße oft entgegen schlägt, bleiben wir meist verschont“, sagt der Polizeihauptkommissar, „Und das, obwohl unsere Strafen drakonisch sein können.“

Hohe Strafen und kleine Streits

Kapitänen großer Pötte, die sich nicht an die Spielregeln halten, brummen die Beamten nämlich auch schon mal Geldbußen in fünfstelliger Höhe auf. „Selbst dann fällt nur selten ein böses Wort“, sagt Kroner. Heile Welt gebe es aber auch auf dem Wasser nicht. „Wir haben auch so unsere Klientel.“ Vor allem betagtere Angler seien durchaus diskussionsfreudig.

Gerade deutet nichts auf Schwierigkeiten hin. Mit 6,5 Knoten – etwa 12 km/h – geht es stromabwärts. Je mehr der Sommer Fahrt aufnimmt, desto dichter wird der Verkehr auf dem Wasser. „An den Wochenenden sind wir deutlich mehr gefordert“, sagt Kroner. Davon können auch seine Kollegen ein Liedchen singen – vor allem jene, die die Urlaubshotspots des Landes absichern.

Großeinsatz zur Hanse Sail

Auch Kroner und seine Kollegen haben bald alle Hände voll zu tun: In gut eineinhalb Monaten startet die Hanse Sail. Dann werden sich etliche Traditionssegler, Schwedenfähren, Kreuzfahrtschiffe und Sportboote die Warnow teilen und die Wasserschutzpolizei dafür sorgen müssen, dass jeder die Regeln einhält.

Wellenritt in Warnemünde

An diesem Vormittag ist auf dem Fluss aber zunächst vergleichsweise wenig Verkehr. Ein paar Sportboote schippern vorbei, ein Fahrgastschiff bringt seine Passagiere in den Stadthafen. Auch Petrus meint es gut mit den Polizisten: Die Sonne scheint vom nahezu wolkenlosen Himmel, die Warnow kräuselt sich sanft.

Eine Stunde später, in Warnemünde, sieht das ganz anders aus: Der Wind peitscht Ein-Meter-Brecher gegen die Molenköpfe. Wasserfallartig überspült Gischt die Frontscheibe der „Stoltera“. Kroner bleibt gelassen und steuert des Polizeiboot über die Wellenberge. „Es ist gutmütig. Mit dem kann man ’ne Windstärke 8 angehen“, sagt er.

Teure Technik

Doch die Technik hat Grenzen. Und ist teuer: Das Polizeiboot kostet ein Vielfaches dessen, was für einen normalen Streifenwagen fällig wird. Fährt Kroner es zu Schrott, muss er sich fragen lassen, ob der Einsatz denn wirklich nötig war. Bei Sturm sei polizeiliches Arbeiten ohnehin nicht möglich, sagt er. „Dann fahren wir nur raus, wenn’s um Leib und Leben geht. Bislang ist noch keiner über Bord gegangen. Dabei soll’s bleiben.“

Heftige Havarie

Dafür haben es die Polizisten mit anderen Härtefällen zu tun: vermisste Segler, gestrandete Boote oder schwere Schiffsunfälle. Eine Havarie ist Sebastian Seibel besonders in Erinnerung geblieben: Im vergangenen November ist im Rostocker Hafen beim Verladen ein 800 Tonnen schweres Stahlrohr auf die Kaikante und das Transportschiff „Svenja“ gefallen. „Da steht man erstmal da und denkt ,Oha, was machen wir jetzt?‘“, erzählt der Polizist. In solchen Momenten helfe nur eines: „Einen möglichst kühlen Kopf bewahren.“

Solche Einsätze seien aber die Ausnahme, sagt Kroner. Anders als die Kollegen an Land bekämen sie selten Aufträge per Funk, sondern müssen sich 90 Prozent der Arbeit selbst suchen. Dafür sind sie mit schwerer Technik unterwegs: Drei Streifen- und zwei Schlauchboote gehören zur Flotte der Rostocker Polizeiinspektion.

Bootstour statt Wache

Die „Stoltera“ ist seit 1995 im Dienst. Dass Holger Kroner sie steuert, ist eine Ausnahme, denn normalerweise schiebt der Vizeschichtleiter Dienst auf der Wache. „Und guck’ neidisch hinterher, wenn die Kollegen rausfahren“, gesteht er und lacht. Fürs Bootfahren hat er von klein auf eine Schwäche. „Ich bin Rostocker mit Leib und Seele und schon immer auf dem Teich unterwegs gewesen.“

Mit 16 macht Kroner den Sportbootführerschein, wird Schiffselektroniker und fährt als Funker auf einem Marineschnellboot zur See. 2003 heuert er bei der Landespolizei an. „Ich hab’ schnell meine Fühler zur Wasserschutzpolizei ausgestreckt.“ 2008 gelingt der Wechsel.

Mechaniker heuert bei Polizei an

Sebastian Seibel ist erst seit Oktober 2018 Teil der Crew – er kam als Quereinsteiger dazu, weil er in seinem Job als Schiffsmechaniker keine Berufsperspektive für sich sah. Seine maritimen Vorkenntnisse und Patente kamen ihm dabei zugute. Wer die nicht hat, kann sich erst nach der regulären Polizeiausbildung für den Dienst auf dem Wasser bewerben. Es folgen Lehrgänge in Hamburg, bei denen die erforderlichen Zusatzqualifikationen vermittelt werden.

Den Wechsel habe er nicht bereut, sagt Seibel. „Der Job ist unglaublich vielseitig. Das möchte ich nicht mehr missen.“ Um seinen Arbeitsalltag dürften ihn viele beneiden. Vor allem, wenn der so entspannt abläuft wie heute. Holger Kroner wendet. Die „Stoltera“ nimmt wieder Kurs auf den Stadthafen.

Wiedersehen mit Wink

Unterwegs treffen die Polizisten zwei Bekannte wieder: Die Angler, die sie vor zwei Stunden vor Gehlsdorf kontrollierten, schippern nun im Schatten eines Kreuzfahrtschiffes am Polizeiboot vorbei. Alle vier grüßen sich per Wink. Holger Kroner lächelt. Das liebe er an seinem Job, „die gelebte Seemannschaft“.

Wasserschutzpolizei MV

303 Mitarbeiter sind beim Landeswasserschutzpolizeiamt Mecklenburg-Vorpommern beschäftigt. Zur Behörde gehören fünf Küsteninspektionen (Wismar, Rostock, Stralsund, Sassnitz, Wolgast) und zwei Binneninspektionen (Waren, Schwerin) sowie eine Hubschrauberstaffel mit Sitz in Laage. Die Beamten sind zuständig für insgesamt 7634 km2 Küstenmeer und 1271 km2 Binnengewässerflächen. Sie kontrollieren Wasserfahrzeuge aller Art und sorgen dafür, dass deren Nutzer Vorschriften (Zulassung, Ausrüstung, Besatzung, fischereirechtlicher und umweltrechtlicher Bestimmungen) einhalten. Darüber hinaus ermitteln die Polizisten bei Schiffs- und Sportbootunfällen.

Weitere Infos unter: www.polizei.mvnet.de

Antje Bernstein

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