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Rostock Kostenloses Schülerticket kommt (noch) nicht
Mecklenburg Rostock Kostenloses Schülerticket kommt (noch) nicht
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18:18 24.03.2019
Der 13-jährige Johannes aus Gehlsdorf benutzt sein Schülerticket fast jeden Tag: Seine Eltern werden vorerst auch weiterhin zahlen müssen. Quelle: OVE ARSCHOLL
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Rostock

Tausende Eltern in Rostock hatten sich ab Sommer auf eine kleine finanzielle Entlastung gefreut: Denn mit dem Beginn des neuen Schuljahres sollten Busse und Bahnen in der Hansestadt für ihre Kinder kostenfrei werden. Mit großer Mehrheit hatte die Bürgerschaft im Oktober die Einführung des kostenlosen Schülertickets beschlossen – und gut drei Millionen Euro dafür bereitgestellt. Doch nun droht dem bundesweit gefeierten Vorhaben das Aus. Zumindest für ein Jahr. Denn der Landkreis muss der Idee zustimmen. Und das hat er noch nicht. Und: Das Land hat sein Veto eingelegt.

Partner streiten ums Geld

Das Problem: Rostock kann in Sachen öffentlicher Nahverkehr nicht frei entscheiden. Die Hansestadt ist Teil des Verkehrsverbundes Warnow. In dem sind die Rostocker Straßenbahn AG, die Bahn-Tochter DB Regio, die Reederei „Weiße Flotte“, die Bäderbahn „Molli“ und auch der kreiseigene Busbetrieb Rebus zusammengeschlossen. Die Verkehrsunternehmen bieten unter dem Dach des VVW einen gemeinsamen Tarif für Stadt und Land an. Heißt aber auch: Wenn es um Tarife und Geld geht, müssen sich die Partner alle einig sein. Und das sind sie nicht. Jedenfalls nicht in puncto „kostenfreies Schülerticket“. „Die Hansestadt gibt zwar das Geld, um allen Schülern in Rostock das kostenfreie Ticket zu ermöglichen. Die Frage ist aber, wie dieses Geld unter den Partnern verteilt wird“, sagt Andrea Doliwa, Geschäftsführerin des VVW.

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Und um das Geld streiten die Partner derzeit. Dem formalen „Tarifantragsverfahren“ hat die landeseigene Verkehrsgesellschaft MV – sie ist Auftraggeber für die DB Regio und damit für den S-Bahn-Verkehr in Rostock – die Zustimmung verweigert. „Und ohne einstimmigen Beschluss ist das Verfahren nicht möglich“, so Doliwa. Der VVW hält die von Rostock geplanten drei Millionen Euro pro Jahr zudem nicht für ausreichend: Weil in den kommenden Jahren Kostensteigerungen bei den Verkehrsbetrieben zu erwarten seien, müsste auch der städtische Zuschuss steigen. Doch dazu gäbe es keine Einigung mit der Stadt. In einem Schreiben an Oberbürgermeister Roland Methling (UFR) hat sie die Probleme haarklein aufgelistet. Sie betont: „Wir sind nur der Überbringer der schlechten Nachrichten.“

Bremst der Landkreis?

Ein weiteres Hindernis für das kostenlose Schülerticket sei, so Doliwa, der Landkreis Rostock. Die Nachbarn müssen dem Rostocker Modell und den neuen Tarifen ebenfalls zustimmen – bis spätestens Ende April. Sonst ist eine Einführung des Tickets ab Sommer zeitlich nicht mehr umsetzbar. Doch der Kreistag, der „Ja“ oder „Nein“ sagen muss, tagt erst im Mai wieder. Aus Rostocker Rathaus-Kreisen werden nun erste Stimmen laut, der Landkreis handle mit Vorsatz: Weder Landrat Sebastian Constien (SPD) noch die Kreistagsmitglieder wollten sich vor den Kommunalwahlen die Frage gefallen lassen, warum ein kostenfreier Schülerverkehr in Rostock möglich ist – im Landkreis aber nicht.

Romuald Bittl (CDU), Dezernent für Verkehr, Kreisentwicklung und Umwelt, im Güstrower Landratsamt weiste die Unterstellungen aber zurück: „Der Landkreis Rostock unterstützt die Einführung des kostenfreien Schülertickets in Rostock“, sagt er. Der VVW biete bereits das „Krass“-Ticket für Schüler an, dass in Stadt und Land gelte und an dem sich der Landkreis wiederum beteilige. „Fakt ist aber, dass in der Gesellschafterversammlung des Verkehrsverbundes kein Einvernehmen hergestellt werden konnte.“ Renate Gundlach, Sprecherin von Verkehrsminister Christian Pegel (SPD), bestätigt, dass das Land bremse: „Das Verkehrsministerium begrüßt grundsätzlich die Einführung einer kostenlosen Schülerbeförderung. Für die Umsetzung müssen jedoch die gesetzlich verbindlichen Voraussetzungen gewährleistet sein.“ Und das seien sie derzeit nicht. „Es fehlt die Grundlage für ein neues Tarifantragsverfahren – weil unklar ist, wie sich das neue Ticket auf die Einnahmeverteilung im VVW auswirkt.“

Stadt plant Alleingang

Die Rostocker Stadtverwaltung reagiert auf die Ankündigung des Verkehrsverbundes, dass es kostenlose Busse und Bahnen frühestens 2020 geben könne, einsilbig – und vor allem überrascht: „Zur schnellen Umsetzung des Schülertickets hatten zahlreiche Beratungen stattgefunden, bei denen auch der Verkehrsverbund Warnow (VVW) mit am Tisch saß. Akute Schwierigkeiten bei der Umsetzung dieses zukunftsweisenden Projektes wurden durch keinen Beteiligten angezeigt“, so Stadtsprecherin Kerstin Kanaa auf OZ-Anfrage. Und weiter: „Darauf aufbauend arbeitet die Verwaltung derzeit intensiv daran, die Beschlüsse der Bürgerschaft zum Projekt ,Schülerticket’ schnell umzusetzen.“

Nach OZ-Informationen bereitet Rostock einen Alleingang vor: Solange sich die VVW-Partner nicht einigen, sollen die Schüler ein kostenloses Ticket allein für die Straßenbahn AG bekommen – um zumindest die Busse und Straßenbahnen der RSAG umsonst nutzen zu dürfen. Die Idee soll aus Reihen der Linken stammen. Fraktionschefin Eva-Maria Kröger sagt: „Wenn der VVW nicht will, sollten wir schauen, ob wir eine alleinige Lösung mit der RSAG finden. Es wäre mehr als ärgerlich, wenn das Ticket erst ein Jahr später kommt. Wir können uns nicht ständig blockieren lassen.“ VWW-Chefin Doliwa warnt vor einem Allleingang: „Der macht das Ganze noch komplizierter.“

Andreas Meyer

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