Menü
Ostsee Zeitung | Ihre Zeitung aus Mecklenburg-Vorpommern
Anmelden
Rostock Streit um neue Kinderklinik: Unimedizin will Rostock Babystation wegnehmen
Mecklenburg Rostock Streit um neue Kinderklinik: Unimedizin will Rostock Babystation wegnehmen
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
14:22 23.07.2019
Das Rostocker Südstadtklinikum: Hier kommen seit Generationen alle Rostocker Babys zur Welt. Die Uni-Medizin will dem Krankenhaus die Geburtsstation aber am liebsten wieder wegnehmen. Quelle: OVE ARSCHOLL
Anzeige
Rostock

Wer in Rostock Nachwuchs erwartet, der muss in die Südstadt: Das städtische Krankenhaus verfügt über eine der größten Geburtsstationen in ganz Deutschland, 3096 Kinder erblickten dort allein 2018 das Licht der Welt. Für Generationen von Rostockern ist das Südstadt-Krankenhaus deshalb ein ganz besonderer Ort.

Doch genau das soll sich ändern – jedenfalls, wenn es nach führenden Medizinern der Rostocker Uni geht. Prof. Dr. Emil Reisinger – Dekan und wissenschaftlicher Vorstand der Universitätsklinik – will der „Südstadt“ nämlich nicht nur die geplante neue Kinderklinik, sondern auch die Geburtshilfe wegnehmen. Reisinger geht damit nicht nur auf Konfrontationskurs zur Stadt – sondern auch zur mächtigsten Frau des Landes.

Uni stellt sich gegen Landesregierung

Schon seit Jahren planen die Uni und die Südstadt-Klinik gemeinsam ein neues Eltern-Kindern-Zentrum, die modernste Kinderklinik des Landes. Erst im Februar hatte die damalige Bildungsministerin Birgit Hesse (SPD) mehr als deutlich gemacht, dass die Landesregierung dieses Kinderkrankenhaus will – und zwar in direkter Nachbarschaft zur Südstadt-Klinik. Und auch Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (ebenfalls SPD) persönlich hatte sich in dieser Frage erst im Kabinett, dann auch öffentlich unmissverständlich positioniert. Doch seit dem Machtwort aus Schwerin ist nun wieder ein halbes Jahr vergangen. Passiert ist erneut rein gar nichts. Stattdessen stellt Uni-Dekan Reisinger – offenbar mit Rückendeckung der neuen Vorstandschefin Gabriele Nöldge-Schomburg – den gesamten Deal um die Kinder-Medizin in der Hansestadt in Frage.

Reisinger: Südstadt schwächt Uni

„Ich selbst begrüße den Aufbau eines Eltern-Kind-Zentrums“, sagt Reisinger auf OZ-Anfrage. Doch dann kommt das große Aber: „Die Herauslösung der Universitätsfrauenklinik und der Neonatologie (Anm. d. Red.: Neugeborenen-Medizin) aus der Universitätsmedizin hat für die Medizinische Fakultät und das Klinikum in den vergangenen Jahren tatsächlich zu zahlreichen Problemen geführt.“ Dass die Geburtenstation einst an die Südstadt-Klinik abgegeben wurde, sei eine „Fehlentscheidung“ gewesen – und habe der Uni Probleme „bei der Weiterbildung von Fachärzten verschiedener Fachgebiete und bei der Ausbildung von Studierenden“ beschert. Außerdem: „Unsere Forschung ist dadurch beeinträchtigt. Die Frauenheilkunde fehlt als Partner in Lehre, Forschung und Weiterbildung.“ Wenn jetzt auch noch die Kinderklinik der Universität in die Südstadt verlagert würde, käme dies einer weiteren Schwächung der Universitätsmedizin gleich, sagt Reisinger.

Uni-Dekan Prof. Dr. Emil Reisinger will nicht nur die neue Kinderklinik, sondern auch die Geburtsstation aus der Südstadt haben. Quelle: Bernd Wüstneck/dpa

Genau deshalb mache er sich dafür stark, nicht nur die Kinderklinik, sondern auch die Kreißsäle und die Geburtenstation (zurück) an die Schillingallee, an die Uni, zu holen. Reisinger: „Die Standortfrage eines Eltern-Kind-Zentrums und auch die Frage, ob die Gynäkologie und Geburtshilfe früher oder später wieder an den Campus Schillingallee ziehen soll, sind zu klären.“ Dass diese Frage längst vom Aufsichtsrat der Uni-Klinik und auch der Landesregierung beantwortet wurde, sei ihm so nicht bekannt: „Mir sind keine derartigen Beschlüsse bekannt.“ Und da er kein Stimmrecht im Aufsichtsrat habe, könne er „einem solchen Beschluss auch nicht zugestimmt haben“.

Land darf nicht in Lehre reinreden

Dass sich die damalige Ministerin und auch die Regierungschefin klar positioniert haben – Reisinger verliert darüber kein Wort. Nur so viel sagt er: „Die Universitätsmedizin hat autonome Rechte in Forschung und Lehre, die auch vom Staat respektiert werden.“ Anders formuliert: Der Uni könne es letztendlich egal sein, was die Landesregierung und die Ministerpräsidentin wollen. „Nach unserer Auffassung handelt es sich bei einem Eltern-Kind-Zentrum nicht nur um eine Einrichtung der medizinischen Versorgung, sondern auch um eine universitäre Einrichtung, die die Lehre der Studierenden, die Weiterbildung und auch Forschungsaufgaben sicherstellen muss. Forschung, Lehre und Krankenversorgung dürfen nicht getrennt werden.“

Südstadt-Chef: Entscheidung steht

Steffen Vollrath, Direktor des Klinikums Südstadt, reagiert irritiert auf die erneuten „Störfeuer“ aus der Uni-Klinik: Er selbst hatte die Planungen für das Eltern-Kind-Zentrum zusammen mit dem Ärztlichen Vorstand der Universität, Christian Schmidt, vorangetrieben. „Das ist ein gemeinsames Projekt“. Er verstehe daher überhaupt nicht, weshalb ausgerechnet vonseiten der Uni nun die Entscheidungen in Frage gestellt werden: „Auch die Landesregierung hat sich immer klar für den Standort Südstadt positioniert. Es gibt dazu keine Alternativen.“

Keine Kompromiss: Die neue Kinderklinik muss in die Südstadt, die Geburtsstation bleibt her – das sagt der Direktor der Südstadt-Klinik, Steffen Vollrath. Quelle: OVE ARSCHOLL

Und Vollrath denkt auch gar nicht daran, die Geburtsstation wieder an die Uni zurückzugeben: „Die Frauenklinik der Uni in unserem Klinikum ist eine Erfolgsgeschichte. Wir haben in der Südstadt die Zahl der Geburten gesteigert und auch in puncto Forschung und Lehre ist diese Klinik führend.“ Dass Reisinger ausgerechnet Defizite im wissenschaftlichen Bereich als Grund anführt, Kreißsäle, Wochenbett-Station, Neugeborenen-Medizin und Frauenheilkunde zurück an die Schillingallee holen zu wollen, kann der Chef der Südstadt-Klinik überhaupt nicht nachvollziehen: „Die Frauenklinik ist in Sachen Forschung und Lehre einer der mit Abstand stärksten Bereiche der Uni. Die Kollegen werben in erheblichen Maße Drittmittel und Forschungsgelder ein, genießen weltweites Renommee für ihre Forschung und ihre Arbeit.“

Nach OZ-Informationen ist das Verständnis für die Uni-Sicht nicht nur in der Südstadt-Klinik, sondern auch im Rostocker Rathaus aufgebraucht. In Spitzenkreisen soll bereits über einen Alleingang der Hansestadt in Sachen Eltern-Kind-Zentrum nachgedacht werden. Heißt: Rostock spielt mit dem Gedanken, die neue Kinderklinik ohne Beteiligung der Uni zu bauen – aber mit Unterstützung des Landes. Das letzte Wort in der Causa wird Ministerpräsidentin Schwesig haben. Sie war es, die damals noch als Landesministerin, das Eltern-Kind-Zentrum auf den Weg gebracht hatte. „Das ist mein Projekt“, hatte sie erst vor wenigen Wochen der OZ gesagt.

Landesregierung bleibt bei Südstadt

Auch in Schwerin soll Reisinger Unverständnis ausgelöst haben. Das Bildungsministerium stellte auf OZ-Nachfrage erneut klar: „Die Gespräche zwischen Universitätsmedizin und Klinikum Südstadt sowie der Landesregierung bezogen sich stets auf ein gemeinsames Eltern-Kind-Zentrums am Campus Südstadt. Daran hat sich aus Sicht der Landesregierung nichts geändert“, sagt Ministeriumssprecherin Kathrin Siegert. Der Uni sei lediglich zugestanden worden, in den kommenden Wochen „den Flächenbedarf für ein möglichst umfassendes kindermedizinisches Angebot im Eltern-Kind-Zentrum“ zu erarbeiten.

Mehr zum Thema:

Machtspiele um Rostocks neue Kinderklinik?

Neue Kinderklinik für Rostock: Brandbrief an Schwesig

Gut für die Babys: Neue Kinder-Klinik für die Hansestadt

150 Millionen aus Schwerin: Diese Rostocker Großprojekte sind jetzt sicher

Andreas Meyer

Die Lieblinge der Zoo-Besucher beziehen ihr frisch renoviertes Zuhause. Die Erdmännchen könnten bald prominenten Besuch bekommen. Eine Schauspielerin hat sich angekündigt.

23.07.2019

Leckermäulchen kann geholfen werden: In Rostock gibt es jetzt frische Erdbeeren rund um die Uhr – vom Feld, aber aus dem Automaten.

22.07.2019
Rostock Mecklenburgs ungewöhnliche Schlafplätze - Im Eishotel in Rövershagen herrschen minus sieben Grad

Bei frostigen Temperaturen können Wagemutige in Rövershagen bei Rostock eine besondere Urlaubsnacht verbringen. Das Eishotel ist Teil der Eiswelt-Ausstellung, die in diesem Jahr unter dem Motto „Komm ins Land der Phantasie“ steht.

22.07.2019