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Rostock Sturmflut „Zeetje“: Land unter in Rostock
Mecklenburg Rostock Sturmflut „Zeetje“: Land unter in Rostock
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19:17 02.01.2019
Einsatzleiter Ralf Gesk machte sich zuerst am Fischerbruch ein Bild der Lage zur Rostocker Sturmflut 2019. Quelle: Claudia Labude-Gericke
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Rostock

Es war die stärkste Sturmflut seit 65 Jahren. Sturmtief „Zeetje“ versetzte Rostock am Mittwoch in den Ausnahmezustand. Bis zu 1,67 Meter stieg das Wasser in Warnemünde. Besonders stark hat es jedoch die Innenstadt getroffen.

Seit halb neun Uhr morgens sind die Einsatzkräfte der Stadt aktiv. Gegen Mittag hat der Pegel im Petriviertel 1,47 Meter über normal erreicht. „Angekündigt waren 1,50 Meter, das ist also eine ziemliche Punktlandung“, ist sich der Einsatzleiter Ralf Gesk zu diesem Zeitpunkt noch sicher. Am Nachmittag ist der stellvertretende Leiter des Brandschutz- und Rettungsamtes dann doch überrascht. „Der Scheitelpunkt sollte 11 Uhr erreicht sein“, sagt Gesk. Stattdessen wird gegen 16 Uhr die Hochwasserstufe 3 ausgerufen: Die Messung zeigt einen Pegelstand von 1,83 Metern. „Der Alte Fritz ist quasi abgesoffen. Wir versuchen hier momentan, das Eindringen in den Elektroraum zu verhindern.“

Spielen im Wasser, gesperrte Straße, Häuserschäden: Sturmtief „Zeetje“ brachte Rekord-Pegelstände nach Rostock.

Eine Frau musste gar gerettet werden. Obwohl abgesperrt, wollte sie über den Verbindungsweg durch 50 Zentimeter hohes Wasser fahren. Doch ihr Auto blieb stecken, Wasser lief hinein. Die Feuerwehr musste sie schließlich hinausziehen. Gesk lobt jedoch, dass die Hilfseinsätze alle in geordneten Bahnen liefen. „Es war ein sehr ruhiger Sturmtag.“

Mehrere Straßen unter Wasser

Die zeitweilige einspurige und ab dem Nachmittag komplette Sperrung der Straße Am Strande wird dagegen für Autofahrer zur Geduldsprobe. Am Stadthafen tritt das Wasser zwar nicht über die Kaikante, drückt aber durch die Gullys nach oben und flutet so mehrere Straßen. Für Stefan Bräunlich, Ingenieur des Warnow Wasser- und Abwasserverbandes (WWAV), ist das, was er sieht „nichts Außergewöhnliches bei der angekündigten Wetterlage“. Auch wenn das Hochwasser in einem Fall wie dem aktuellen aus den Schächten käme, seien die Anlieger für den Objektschutz selbst verantwortlich. „Ein solcher Schutz vor Rückstau, den die privaten Eigentümer selbst treffen müssen, ist auch in unserer Satzung verankert“, erklärt Bräunlich und empfiehlt Betroffenen eine sogenannte Hebeanlage.

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Bei den Kanufreunden Rostocker Greif sind seit dem frühen Morgen die Vereinsmitglieder Stefan Eckardt und Klemens Schiffner damit beschäftigt, Wache zu halten und schlimmere Schäden zu verhindern. „Das Wasser steht etwa zehn Zentimeter in der Bootshalle, aber die ist ja dafür konzipiert, auch mal Wasser auszuhalten“, sagt Kay Müller vom Verein. Die Garagen auf dem Vereinsgelände, die ebenfalls unter Wasser stünden, seien größtenteils beräumt und deshalb keine besonderen Schäden zu erwarten. „Vor einem Jahr gab es das letzte Mal solch ein Ereignis, aber diesmal ist es nicht schlimmer als damals.“

Rekord-Pegel an Rostocks Küste

In Warnemünde und Hohe Düne werden jedoch Rekordpegel gemessen. Am Nachmittag meldet das Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie (BSH) einen Höchststand von 1,67 Metern. Damit der höchste Wert seit der Sturmflut vom 4. Januar 1954. Damals wurde ein Pegel von 1,72 Metern im Ostseebad gemessen.

Höchster Pegelstand seit 1954

Nach 1872 (2,70 m) reiht sich der aktuelle Wert wie folgt ein:

30.12.1913: 1,91 Metern

31.12.1904: 1,88 Metern

04.01.1954: 1,72 Metern

02.01.2019: 1,67 Metern

09.01.1914: 1,62 Metern

02.11.2006: 1,62 Metern

03.11.1995: 1,60 Metern

04.01.2017: 1,60 Metern

Diesen Pegel-Unterschied zwischen dem Ostseebad und der Innenstadt kann Jürgen Holfort vom BSH leicht erklären. „Das Wasser schwappt immer wieder in die Unterwarnow und kommt nicht mehr so einfach raus“, sagt der Leiter des Wasserstandsdienstes Ostsee. Wie in einer Tasche sammle sich das Wasser und die Pegelstände in der Stadtmitte steigen. „Es ist Zufall, dass es nach 2017 jetzt schon wieder so eine starke Sturmflut gab“, sagt der Experte. Damals sorgte Sturmtief „Axel“ für einen Pegel von 1,60 Metern über dem Normalstand. Eine Verbindung zum Klimawandel, sieht er jedoch nicht. Holfort spricht hier von natürlichen Schwankungen. „Einen direkten Trend gibt es nicht.“

Warnemünde steht auch unter Wasser, aber es ist nicht Land unter“, erklärt Alexander Prechtel, der Ortsbeiratsvorsitzende von Warnemünde. Die Bahnhofsbrücke sei begehbar. „Aber viel steigen darf das Wasser nicht mehr.“ Die Wasserwacht habe alles im Griff, erklärt er. Notmaßnahmen müssten trotz Rekordpegel nichts getroffen werden, schließlich würden die Sturmflutschutzwände für eine gewisse Sicherheit sorgen.

Die Fähre muss den Dienst für den Tag einstellen. Hohe Düne und Markgrafenheide sind halbseitig vom Rest der Stadt abgeschnitten. Neben der Fähre aus Warnemünde fällt auch die zwischen Stadthafen und Gehlsdorf aus. Das seien laut RSAG-Sprecherin Beate Langner aber die einzigen Konsequenzen des Sturms für den Rostocker Nahverkehr.

Graal-Müritz: Seebrücke unter Wasser

Auch im Umland sorgte die Sturmflut für Schäden. „In der Gemeinde Graal-Müritz hat das Hochwasser die Seebrücke beschädigt. Diese ist bis auf Weiteres gesperrt“, schreibt Michael Fengler, Sprecher des Landkreises Rostock. Die Wasserwehr habe vor allem den Osten des Seebades beobachtet, da die See hier gegen die Küstenschutz-Dünen drückte.

Im Westen des Landkreises von der Halbinsel Wustrow, über Rerik, Kühlungsborn, Heiligendamm und Börgerende bis zur Rostocker Stadtgrenze hat das Hochwasser die Strände überspült und steht teilweise direkt an Strandmauern und Steilküste. „Die Wasserwehren warnen eindringlich davor, diese Bereiche zu betreten“, macht Fengler deutlich.

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Claudia Labude-Gericke, Johanna Hegermann, Dimitri Paul

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