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Rostock Suche nach Kindergarten-Platz: Eltern klagen über Chaos bei Rostocker Kita-Planer
Mecklenburg Rostock Suche nach Kindergarten-Platz: Eltern klagen über Chaos bei Rostocker Kita-Planer
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16:50 19.08.2019
Kita-Plätze sind rar. Ein Online-System für Kitas sowie Eltern könnte zumindest die Suche und Platzvergabe vereinfachen. Doch in Rostock läuft das Portal nach Jahren konstant schleppend. Quelle: dpa
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Rostock

Nahezu jede Familie mit kleinen Kindern weiß, einen Krippen- oder Kindergartenplatz zu finden ist schwer. In Rostock soll der sogenannte Kita-Planer – ein Projekt des Landes, dessen Pilotstandort die Hansestadt ist – die Suche sowie die Vergabe vereinfachen. Doch auch nach fünf Jahren hagelt es Beschwerden von Eltern: Das Portal habe kaum einen Nutzen.

Eine Übersicht über das Betreuungsangebot soll der Kita-Planer geben, Informationen über verfügbare Plätze liefern und die Bewerbung vollständig und zeitnah abwickeln – so die Wunschvorstellung. „Es hapert allerdings gleich an mehreren Stellen“, kritisiert Stefanie Köhler vom Vorstand des Kita-Stadtelternrats (KSER). Zum einen sei die Nutzung des Kita-Planers seitens der Kitas freiwillig, weshalb bei weitem nicht alle Einrichtungen daran teilnehmen. „Ein vollständiger Überblick über das Angebot ist also nicht gegeben“, erklärt Köhler.

Viele Kitas führen lieber eigene Listen für die Platzvergabe

Zum anderen werde der Planer offensichtlich nicht regelmäßig gepflegt, wie die Mutter zweier Kinder weiter ausführt: „Die Ampelfunktion soll beispielsweise anzeigen, ob die jeweilige Einrichtung noch freie Kapazitäten hat. Die Anzeige stimmt aber oft nicht mit der Realität überein, wie die Erfahrung zeigt.“

Das weitaus größere Problem sei aber, dass das Hauptziel, nämlich die Bewerbung über das Portal abzuwickeln, meist nicht erreicht werde. „Wir vom KSER haben den Eindruck, dass die Platzvergabe nicht über den Kita-Planer erfolgt und die Nutzung eher rein pro forma ist“, meint Köhler.

Das bestätigt zum Beispiel Susanne Fischer-Soyeaux, Leiterin der Kita „Tierhäuschen“ in Reutershagen: „Wir sind zwar im Portal, führen aber unsere eigene Liste und vergeben freie Plätze eher danach.“ Sie nutze das System für die Abrechnung. Denn ein weiterer Zweck des Planers sei laut der Stadt Rostock die Verwaltungsvereinfachung bei Trägern und im Jugendamt, das für die Kitas zuständig ist.

So sieht es aus, wenn man die Webseite des Rostocker Kita-Planers öffnet. Auf den ersten Blick ein sinnvolles System – das in der Praxis aber nicht gut funktioniert. Quelle: Screenshot Kitaplaner

Fehlende Rückmeldungen verärgern Eltern

„Für uns ist das Programm eine große Arbeitserleichterung, da alle Daten der Eltern gespeichert werden. All unsere Kitas in Rostock arbeiten daher umfassend damit“, berichtet hingegen Anke Weber, Leiterin der DRK-Kita Butzemannhaus im Hansaviertel. Dennoch erreichen den KSER immer wieder Beschwerden von verärgerten Eltern, die keinerlei Rückmeldung auf ihre Registrierung erhalten.

„Wir haben uns bei sieben Kitas angemeldet, den Wunsch-Kita-Platz aber letztendlich durch meinen neuen Arbeitgeber bekommen“, berichtet Maria Meier (31), die mit ihrer einjährigen Tochter in der KTV lebt. Auch Anne Möller (30) aus Kösterbeck beklagt: „Von acht Kitas, bei denen wir uns über den Planer angemeldet haben, haben nur zwei reagiert – mit einer Absage. Man erfährt noch nicht mal, ob man auf der Warteliste steht.“ Und Elisabeth Rohde (28), die zwei Töchter im Kita-Alter hat, ergänzt: „Für Kitas mag das Portal eine Erleichterung sein, für Eltern ist es nicht geeignet.“

Rechtliche Verbindlichkeit könnte Abhilfe schaffen

„Am besten ist es immer, sich persönlich vorzustellen – und das mehrmals. Einige Eltern rücken aus Verzweiflung sogar mit selbst gebackenem Kuchen an oder spenden Spielzeug“, erzählt Elternvertreterin Köhler. Damit der Kita-Planer für alle Seiten funktioniert, müsse einiges getan werden.

Der KSER hat dazu auch Vorschläge: Das System sollte für alle Einrichtungen verbindlich sein, die Auswahlkriterien sowie der Bewerbungsstand müssten für die Eltern einzusehen sein und Geschwisterkinder sowie Werkszugehörigkeit sollten berücksichtigt werden. Zudem wünscht sich der Elternrat, dass es Fristen für die Kitas gibt, um auf eine Bewerbung zu reagieren, gleichzeitig aber auch die Eltern verpflichtet werden, sich zurückzumelden, sollten sie bereits einen anderen Platz gefunden haben. „Wenn es überhaupt Rückmeldungen gibt, dann meist viel zu spät. In einem besonders krassen Fall bekam eine Mutter die Zusage für den Krippenplatz, als ihr Kind zur Schule kam“, empört sich Köhler.

Stadt arbeitet an Optimierung

Dem Jugendamt liegen allerdings nicht nur negative, sondern auch positive Resonanzen vor, wie Ulrich Kunze, Sprecher der Hansestadt, mitteilt. So werde gut bewertet, dass über die Portraits der Einrichtungen die pädagogischen Konzepte einsehbar sind und man einen guten Überblick über das Angebot in Rostock erhält. „Man kann nicht verhehlen, dass noch nicht alle Probleme um das Portal gelöst sind“, gibt die Stadtverwaltung laut Kunze zu. An einer Optimierung werde daher gearbeitet. Noch in diesem Jahr soll eine neue, verbesserte Version online gehen. Immerhin kosten die Wartung, die Betreuung und die Weiterentwicklung die Stadt nach eigenen Angaben monatlich rund 18 000 Euro.

Neues Kitas in Planung

Ein Problem, das auch der Planer nicht lösen kann, sind die fehlenden Betreuungsplätzen an einzelnen Kita-Standorten. „Die aktuelle Bedarfsplanung ist zwar passend, allerdings sollte laut dem Kinderförderungsgesetz eine Wahlfreiheit gewährleistet sein, was nicht der Fall ist“, bemängelt Köhler. So könne es nicht angehen, dass man beispielsweise in der Innenstadt wohnt, sein Kind aber in Lichtenhagen zur Betreuung bringen muss, wenn man vielleicht in Gehlsdorf arbeitet. Auch daran arbeite die Stadt, betont Kunze: „In den nächsten Jahren werden unter anderem Kindertageseinrichtungen in Dierkow, Brinckmansdorf, Warnemünde und Biestow eröffnet, was die Situation perspektivisch entspannen dürfte.“

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