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Rostock Südstadt-Klinik muss wachsen
Mecklenburg Rostock Südstadt-Klinik muss wachsen
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00:00 16.02.2018
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Südstadt

Seit genau einem Jahr ist Steffen Vollrath nun Direktor der Rostocker Südstadt-Klinik. Während die ersten 365 Tage noch vom Kennenlernen und Analysieren geprägt waren, will er das städtische Krankenhaus nun fit für die Zukunft machen. Im OZ-Interview spricht er über große Bauprojekte, neue Kooperationen und den Kampf um die besten Mitarbeiter.

Steffen Vollrath (50) führt seit Februar 2017 die Rostocker Südstadt-Klinik. Zuvor war er Geschäftsführer der Asklepios Klinik in Langen (Hessen). Quelle: Foto: Ove Arscholl

„Die Zahl der Patienten in unserer Notaufnahme steigt dramatisch. Wir müssen deshalb ausbauen.Steffen Vollrath

Direktor Südstadt-Klinik

Herr Vollrath, wie waren die ersten zwölf Monate als neuer Klinik- Chef?

Steffen Vollrath: Spannend und aufregend. Das ist – glaube ich – normal, wenn man eine Führungsposition in einem so großen und gut aufgestellten Haus übernimmt. Die neuen Kollegen sind mir sehr aufgeschlossen begegnet. Das hat mich gefreut. Und eines war für mich schnell klar: Meine Vorgängerin Renate Fieber hat hier 15 Jahre tolle Arbeit geleistet.

„Neue Besen kehren gut“, heißt es. Was haben Sie verändert?

Es geht doch nicht darum, per se etwas zu verändern. Ich habe das Jahr genutzt, um mit Ärzten und Pflegepersonal ins Gespräch zu kommen: Wo liegen unsere Potenziale, wo unsere Probleme und welche Baustellen gibt es im Haus? Wir haben gemeinsam analysiert, wo die Südstadt-Klinik steht.

Und wo steht die Klinik?

Am Jahresabschluss 2017 arbeiten wir noch. Aber so viel kann ich schon sagen: Es war wieder ein sehr erfolgreiches Jahr. Das Haus entwickelt sich seit Jahren sehr stabil. Wir haben im Vergleich zu anderen Kliniken nur wenige Fachabteilungen – wie die Universitätsfrauenklinik zum Beispiel. Aber diese Kliniken, meist auch Zentren, sind extrem spezalisiert, haben bis zu 8000 Patienten pro Jahr und wachsen. Das wollen wir unbedingt fortführen.

Wo sehen Sie noch Potenzial für

die Südstadt-Klinik?

Genau in diesem Bereich. Das Gesundheitswesen verändert sich – auch in MV. Ich denke, dass es auch in ländlichen Gegenden weiterhin Krankenhäuser zur Sicherstellung der Grundversorgung geben wird und geben muss. Aber das Angebot der hoch spezialisierten Leistungen sehe ich zukünftig eher in den Zentren und diese in größeren Städten. Die Weiterentwicklung unserer Fachabteilungen zu medizinischen Leuchttürmen ist für uns medizinisch, aber auch wirtschaftlich eine Chance.

Rostock wächst. Spürt das auch die Klinik?

Ja, natürlich. Wir haben pro Jahr etwa 25000 Patienten, die vollstationär behandelt werden – und weitere 50000 im ambulanten oder teil-stationären Bereich. Das nimmt zu – gerade weil die ganze Region wächst und die Rostocker auch älter werden. Darauf müssen wir uns einstellen.

Inwiefern?

Wir müssen mitwachsen. Noch in diesem Jahr wollen wir zum Beispiel den Ausbau der Notaufnahme angehen. Seit Jahren steigt die Zahl der Menschen, die Hilfe in der Notaufnahme und der -ambulanz suchen, dramatisch an. Der Platz reicht nicht mehr aus. Das führt zu Wartezeiten für die Patienten, die nicht immer nötig sind. Neue Schock- und Behandlungsräume müssen her, wir brauchen eine schnellere Diagnostik und voraussichtlich mehr Personal. Das Projekt kostet einige Millionen.

Die Klinik wurde 1965 erbaut. Wo müssen Sie noch modernisieren?

Zum Glück haben Land und Hansestadt immer wieder in die Klinik investiert. Die OP-Bereiche zum Beispiel sind auf dem neuesten Stand. Aber mittel- und langfristig müssen wir uns die Bettenhäuser und Stationen anschauen.

Sind die denn marode?

Nein, das nicht. Aber sie entsprechen nicht mehr den modernen Anforderungen. Unsere Stationen haben im Schnitt 25 bis 30 Betten. Eine Größe von 40 Betten wäre aber – auch im Sinne der Patienten – effektiver und besser. Gleichzeitig wird die Bevölkerung immer älter. Das heißt, die Patientenzimmer müssen größer werden, Platz für Rollstühle und Rollatoren bieten. Und dann wäre da auch noch das Thema der Badezimmer: Auf den meisten Stationen teilen sich zwei Zimmer – also vier Patienten – ein Bad. Das soll nicht so bleiben.

Sie wollen also anbauen?

Wie wir diese Probleme genau lösen, wissen wir noch nicht. Aber ja: Denkbar wäre, dass wir an die bestehenden Gebäude anbauen. Das werden wir in den nächsten Monaten untersuchen. Zu Kosten kann ich also noch nichts sagen.

Sie sprachen die steigenden Fallzahlen an. Was bedeutet das für die Klinik – außer baulichen Veränderungen?

Wir müssen neue Prozesse einführen. Früher lagen die Patienten zum Beispiel zehn bis 15 Tage in der Klinik. Heute sind es gerade mal sieben Tage. Mehr und mehr Patienten werden ambulant behandelt. Das stellt auch neue Anforderungen an das Personal.

Viele Kliniken spüren bereits den Fachkräftemangel. Wie sieht es in der Südstadt aus?

Ob wir auch in Zukunft Erfolg haben werden oder nicht – dafür ist in der Tat das Personal entscheidend. Wir haben aktuell 1150 Mitarbeiter, sind einer der größten Arbeitgeber in Rostock. Und wir werden auch in diesem Bereich wachsen. Deshalb müssen wir unseren Mitarbeitern gute Löhne bieten. Das gilt auch für die Ärzte. Klar, das kostet Geld. Aber wir befinden uns im Wettbewerb um die besten Leute mit Kliniken aus ganz Deutschland.

Hängt das wirklich nur am Geld?

Nein, es geht auch um Themen wie flexible Arbeitszeiten. Wir haben einen hohen Anteil junger Mütter bei uns im Team. Wenn wir sicherstellen wollen, dass wir rund um die Uhr genügend Personal haben, müssen wir den Familien auch in Sachen Kinderbetreuung helfen. Wir haben eine Kooperationskita, aber deren Plätze reichen nicht mehr aus. Und uns trifft auch die Wohnungsnot in Rostock: Vor allem junge Schwestern, Pfleger und Ärzte finden kaum Wohnungen.

Früher gab es mal Wohnheime für die Schwestern ...

Ja, da hatten wir diese Sorgen nicht. Andere Kliniken bauen jetzt wieder Wohnheime für ihre Leute.

Mit der Uni-Klinik planen Sie die modernste Eltern-Kinder-Klinik des Landes. Welche Projekt treiben Sie noch um?

Rostock braucht zwei große Krankenhäuser. Das mal vorweg. Wir könnten aber im Bereich Einkauf noch enger zusammenarbeiten. Uns bewegt derzeit die Digitalisierung. Wir arbeiten an der digitalen Patientenakte. Ärzte und Pfleger haben dann alle Daten – auch alle Röntgenbilder – immer griffbereit. Das macht es einfacher und auch schneller.

Interview: Andreas Meyer

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