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Rostock Tagesmütter fordern mehr Anerkennung
Mecklenburg Rostock Tagesmütter fordern mehr Anerkennung
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17:15 08.01.2019
Rene Eichhorn und seine Frau Kathleen Eichhorn in ihrer Kindertagespflegeeinrichtung „Die kleinen Füße“ in Rostock-Evershagen. Quelle: Gerald Kleine Wördemann
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Evershagen

Seit Jahresanfang sparen Familien mit mehr als einem kleinen Kind viel Geld: Ab 1. Januar übernimmt das Land die Elternbeiträge ab Kind Nummer zwei. Das gilt neben einer Betreuung in Kita, Krippe und Hort auch für die Unterbringung bei einer der 145 Tagespflegepersonen in Rostock, die derzeit 553 Kinder betreuen. Während die Eltern finanziell entlastet werden, bleibt die Situation vieler Tagesmütter und -väter prekär. „Man muss ein großes Herz haben, um das zu machen“, sagt Rene Eichhorn. Der 48-Jährige und seine Frau Kathleen betreuen in ihrer Tagespflegestelle „Die kleinen Füße“ zehn Kinder. Eichhorn ist gleichzeitig Co-Vorsitzender des Landesverbandes, der eine bessere Bezahlung fordert.

Finanziell lohne sich die Arbeit kaum noch, viele hätten aufgegeben oder stünden kurz davor. Etwa jeder fünfte Tagespflegebetrieb ist in den vergangenen Jahren landesweit bereits verschwunden. Mit Vor- und Nachbereitung kommen die Eichhorns auf zwölf Stunden Arbeit am Tag. Nach Abzug aller Kosten bleiben der Familie, die fünf eigene Kinder hat, am Monatsende zusammen gerade mal 2000 Euro netto. Dabei seien genügend Mittel im System: 1400 Euro überweist das Land pro Kind und Monat nach Rostock. Das meiste Geld bleibe „bei den großen Kita-Trägern hängen, die alle im Jugendhilfeausschuss sitzen“, kritisiert Eichhorn.

In einer Petition an den Landtag fordert sein Landesverband, dass die Tagespflege wenigstens gleich bezahlt wird. Zwischen den Städten und Kreise bestehen riesige Unterschiede. Die Hansestadt Rostock zahlt landesweit die höchsten Beiträge in MV, zuletzt wurden sie 2017 erhöht. Selbst im nahen Landkreis Rostock gibt weniger. Außerdem gibt es in Rostock eine Vertretungsregelung, dank der Eltern nicht ohne Betreuung dastehen, wenn eine Tagesmutter wegen Krankheit ausfällt.

„Die Diskussion über die Bezahlung ist auf keinen Fall falsch“, meint Alexander Kujat, Sprecher im Schweriner Sozialministerium. Angesichts der wichtigen Aufgabe sei die Entlohnung zu gering. Vor allem in Rostock seien die Tagesbetriebe unverzichtbar, weil viele berufstätige Eltern angesichts fehlender Kitaplätze sonst zuhause bleiben müssten. Aber einfach das Land entscheiden zu lassen, wie viel Geld die Tagepfleger bekommen sollen, das sei nicht so ohne weiteres möglich, erklärt Kujat. Denn das falle unter die kommunale Selbstverwaltung.

Zum Leben die Bezahlung reiche auch in Rostock nicht, sagt Eichhorn. Er verklagte die Stadtverwaltung, weil diese für sein Honorar einen falschen Tarif zugrunde gelegt. Außerdem forderte er eine höhere Erstattung bei den Sachkosten wie Miete und Material. Das Schweriner Verwaltungsgericht gab ihm Anfang 2018 Recht, die Bezahlung müsste demnach um mehrere Hundert Euro monatlich steigen – rückwirkend ab 2014, für alle Tagespflegebetriebe in Rostock. In der Summen würde das 8,2 Millionen Euro kosten. Noch ist das Urteil nicht bestätigt Die Stadt legte Berufung ein, Verhandlungstermin am Oberverwaltungsgericht Greifswald ist Ende Januar. Wie auch immer sie ausfällt, die Entscheidung hat weitreichende Folgen: Landesweit sind laut Landesverband Tagespflege gut 100 weitere Klagen anhängig, die Gerichte wollen sich an seinem Urteil orientieren. Sollte er verlieren, will Eichhorn weiterklagen, notfalls bis vors Bundesverwaltungsgericht.

Gerald Kleine Wördemann

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