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Rostock Tanzend Körper und Geist fit halten
Mecklenburg Rostock Tanzend Körper und Geist fit halten
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12:14 03.07.2019
Erika (v.l.), Inge und Alma tanzen für ihr Leben gern. Die Seniorinnen haben Freude an der Musik und genießen die Abwechslung im Alltag. Quelle: Dana Frohbös
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Lütten Klein

Es ist noch keine drei Jahre her, da hatte sie eine Hirnblutung. „Das kam aus heiterem Himmel“, sagt die 80-jährige Erika. „Ich hab’ das als Migräne abgetan.“ Doch dann konnte sie plötzlich nicht mehr Lesen. Inzwischen ist die agile Frau wieder topfit – nicht zuletzt durch das Tanzen.

19 Senioren sind in das Mehrgenerationenhaus in die Danziger Straße gekommen, um gemeinsam Tanzschritte einzustudieren und sich zur Musik zu bewegen. Der sogenannte Erlebnistanz ist eine eigenständige Tanzdisziplin. „Wir machen hier kein Zumba oder die Standardtänze“, sagt Tanzleiterin Dana Schestag. „Der Erlebnistanz ist abgestimmt für Ältere.“

Tanzend zurück ins Leben

Und er tut gut. „Als ich in Bad Sülze in der Reha war und das erste Mal wieder aufstehen durfte, sollte ich eigentlich klingeln, damit mir jemand hilft“, sagt die 80-jährige Erika. „Aber ich bin einfach los und hab’ mich mit kleinen Tanzschritten in Richtung Toilette bewegt.“ Inzwischen tanzt sie wieder mehrmals wöchentlich. „Ich bin halt ein Kämpfer.“

Eindrücke vom Erlebnistanz im Video:

Doch bevor die Hüften an diesem Tag geschwungen werden können, geben die Seniorentänzer ihre Getränkebestellungen für die Pause auf. Das Thermometer zeigt über 30 Grad. Die üblichen Renner Kaffee und Tee sind nicht beliebt. Stattdessen gibt es Mineralwasser und kalte Schorle.

Zum Aufwärmen: Tanz im Sitzen

Dann finden sich die 19 Tänzer in ihrem Stuhlkreis ein. „Wir machen uns im Sitzen warm“, sagt Dana Schestag. Nur mit dem Hintern sitzen sie auf der Stuhlkante, die Oberschenkel sind frei beweglich. Dana Schestag drückt auf den kleinen Knopf ihrer Fernbedienung und die Musik erklingt. „Mein kleiner grüner Kaktus steht draußen am Balkon, hollari, hollari, hollaro!“

Ab jetzt heißt es Konzentration. Rhythmisch singend trägt die Tanzleiterin die einzelnen Schritte vor: Rechter Fuß beginnt, und links, Seite, linke, Oberschenkel, Füße, vor, seit, rück, vorschieben und sticht, sticht, sticht. „Man muss schon mitdenken“, sagt die 94-jährige Inge Vick. „Das muss bis in die Zehenspitzen rein.“

20 Jahre Landesverband Mecklenburg-Vorpommern:

Soziale Kontakte im Vordergrund

Das Tanzen fördert die Beweglichkeit, wirkt positiv auf Muskeln und Gelenke und dient auch der Sturzprophylaxe. Und die Senioren vergessen ihre Schmerzen. „Ich hab’ eine in der Gruppe, die kommt mit dem Stock“, sagt Dana Schestag. „Den stellt sie dann in die Ecke und tanzt.“

Aber auch soziale Kontakte werden in den Tanzgruppen aufgebaut und gepflegt. „Ich habe dadurch schon viele neue Bekannte. Erst am Samstag war ich mit einer Mittänzerin im Zoo“, sagt Erika. „Wo soll ich denn sonst Leute kennenlernen? Wenn ich Zuhause auf der Couch sitze, bestimmt nicht.“

Beim Tanzen geht es nicht nur um körperliche Fitness und Sturzphrophylaxe, sondern vor allem darum, unter Leuten zu sein.

„Und“, sagt die Trainerin laut. Mit dem sogenannten Zauberwort der Tanzlehrer ruft sie zur vollen Konzentration auf und gibt vor, dass es in diesem Moment weitergeht. Zu „Cafè au Lait“ von Peter Alexander haben sich die Tänzer in zwei Reihen hintereinander aufgestellt, tanzen synchron und drehen sich. Auch Jutta Leipner ist macht mit. Dabei wurde die 92-Jährige erst vor Kurzem operiert. „Ich muss jetzt langsam wieder reinkommen“, sagt die Frau, die vor sieben Jahren noch selbst eine Gruppe leitete. Und man könne es drehen und wenden wie man will: „Tanzen ist besser als Gymnastik, es ist die charmante Schwester der Gymnastik“, sagt sie.

Tanzleiter gesucht

Der Erlebnistanz sei sehr beliebt, sagt Dana Schestag. „Uns fehlt es aber immer wieder an Tanzleitern.“ Darin könnten vor allem Menschen, die gerade aus dem Berufsleben ausscheiden, eine völlig neue Aufgabe entdecken. „Wir wollen auch die Generation ab 50 ansprechen“, sagt Dana Schestag, die den Erlebnistanz schon während ihres Studiums in Köln kennengelernt hat. „Da hat sich der Bundesverband vorgestellt und 300 Senioren tanzten gleichzeitig.“ Seither ist sie begeistert von dem Konzept.

Und auch die Senioren selbst blühen richtig auf. „Die sind auf einmal ganz entspannt, lächeln mehr als sonst“, sagt Dana Schestag. Und sie haben einen festen Termin in der Woche, auf denen sie sich freuen können. „Die machen sich hübsch, schminken sich, ziehen sich ein Kleid an.“

Neue Mittänzer erwünscht

In Mecklenburg-Vorpommern gibt es über 100 Tanzkreise, die im Bundesverband Seniorentanz organisiert sind. Bei den wöchentlichen Treffen kann im Stehen, aber auch im Sitzen getanzt werden. Die Vielfalt ist groß: Volkstänze aus aller Welt, Tanzen im Kreis oder paarweise, zu Jazz, Pop, Tango oder Schlager. Vorkenntnisse sind keine notwendig. Soziale Begegnungen und der Spaß an gemeinsamer Bewegung stehen im Vordergrund. Deutschlandweit sind 200000 Tänzerinnen und Tänzer aktiv. Wer mittanzen möchte oder sich für die Aufgaben des Tanzleiters interessiert, meldet sich am besten bei Renate Rose unter Telefon 038203/17784 oder schaut auf www.erlebnis-tanz.de vorbei.

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