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Rostock Tanztheater belebt leerstehende Kaufhalle
Mecklenburg Rostock Tanztheater belebt leerstehende Kaufhalle
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05:24 13.06.2019
Nike (16), Adelina (18), Annika (16), My (16) und Frieda (19) leben gemeinsam in einem „Haus“. Quelle: Dana Frohbös
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Toitenwinkel

Eine ungewöhnliche Location für ein Theaterstück: Es gibt keine Kulissen, keine Sitzreihen und keine Bühnenbeleuchtung. Von der Decke tropft das Regenwasser in kleine Eimer und es riecht nach Tapetenkleister. Und doch bringen 20 Jugendliche genau hier ein Tanzstück auf die Bühne – beziehungsweise in die leerstehende Sky-Kaufhalle.

„An einem normalen Theater haben wir eine ganze Armada, die uns betreut“, sagt Gesamtleiter Peter Mann, der als Lehrer an den Rostocker Tanzland-Studios arbeitet. Er meint damit die Bühnenbildner, die Maske, die Inspizienten. „Und hier holen wir die Taschenlampen raus, damit wir überhaupt Licht haben.“

Im Video erzählt Regisseur Peter Mann, worum es bei „Anwohner“ geht:

Sky-Markt war einst wichtigster Anlaufpunkt

Und doch ist es genau so gewollt. Der Sky-Markt – einst das Zentrum des Viertels – steht seit zwei Jahren leer. Der Verfall droht. „Das ist eine Zwischennutzung, die wir hier betreiben“, sagt Peter Mann. Seit gut einem Jahr kämpft die Initiative „Unser Sternplatz“ dafür, dass wieder Leben einzieht nach Toitenwinkel. Flohmärkte, Handarbeitskurse und Ausstellungen hat es in der Halle neben dem Sternplatz schon gegeben – und jetzt auch ein Tanztheater.

Stück über Nachbarschaft

„Das Stück an sich handelt eigentlich von Nachbarschaft“, sagt Peter Mann. Es geht aber vor allem um Nachbarschaft, die nicht mehr funktioniert. In der jeder für sich lebt – bis etwas Unerwartetes passiert und die Bewohner gewissermaßen zueinander finden müssen. „Wir brauchten eine Situation, wo es kippt“, sagt der Regisseur. „Und dann haben wir gesagt, es gibt einen Stromausfall.“

Diese besonderen Situationen brauche es offenbar, damit Anwohnerschaft wieder funktionieren kann. „Ich habe solche selbst oft erlebt“, sagt Peter Mann. Beim Warten im Zug aufgrund einer Verzögerung half man sich gegenseitig mit Broten aus und bei einem heftigen Wintereinbruch wurden die Schneeschippen geteilt, erzählt er aus seinem Privatleben.

20 Jugendliche beleben den alten Sky-Markt in Toitenwinkel mit einem Theaterprojekt. Es handelt von nicht funktionierender Nachbarschaft und stellt viele Fragen.

Weg von den etablierten Spielorten

Vor dem Hintergrund, dass Toitenwinkel vor zwei Jahren mit dem Sky-Markt am Sternplatz seinen Mittelpunkt verlor, ist das Stück also wie gemacht für den Ort. Regisseur Peter Mann ist begeistert von der Initiative. „Hier lungern oft Leute rum; die Spirale für Toitenwinkel zeigt absolut abwärts“, sagt er. „Und dagegen wehrt sich die Initiative.“ Maria Schulz ist Raumagentin im Quartier. „Ich finde es toll, dass Peter auch mal weggeht von den etablierten Spielorten“, sagt sie. Für Kulturschaffende sei es ideal. „Die freuen sich, dass hier etwas Neues entsteht, denn in der Innenstadt ist ja alles voll.“

Polizei kam zur Probe vorbei

Und diese Objektbetreuung, die durch die Initiative geleistet wird, hat für den Eigentümer auch noch positive Nebeneffekte. Denn die Halle wird belebt und verwahrlost nicht völlig. „Dafür nutzen wir die Halle mietfrei“, sagt Maria Schulz. Aber auch die Anwohner scheinen auf ihren einstigen Dreh- und Angelpunkt Acht zu geben: Am Vorabend der Generalprobe dunkelten die Darsteller die Oberlichter ab. „Wir sind da mit 20 Leuten auf dem Dach rumgeturnt“, sagt Peter Mann. Plötzlich rückte die Polizei an und wollte wissen, was los ist. „Wir fanden das gut“, sagt Peter Mann. „Die Leute passen immer noch aufeinander auf.“

Proben als organisatorische Herausforderung

Geprobt wird bereits seit den Winterferien. „Das ist eine zusammengewürfelte Tanzkompanie bestehend aus Männern und Frauen, die alle schon Bühnenerfahrung mitbringen“, sagt Peter Mann. Um die 20 Mitwirkenden unter einen Hut zu bringen, hat der Tanzlehrer sie in fünf Probengruppen aufgeteilt. Im Laufe der Zeit haben diese sich gegenseitig besucht, um sich abzustimmen. „Letztendlich zählt ja so ein gemeinsamer Atem“, sagt Peter Mann.

Das Stück stellt mehr Fragen als dass es Antworten gibt. „Wie leben wir jetzt, wo jeder seinen eigenen Kram macht“, fragt der Schauspieler. „Und wie kann der Gegenentwurf dazu aussehen?“

Die Premiere findet am Donnerstag um 20 Uhr in der Salvador-Allende-Straße 46 statt. Weitere Aufführungen gibt es am Freitag, Samstag und Sonntag jeweils um 20 Uhr.

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Dana Frohbös

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