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Rostock Technisch anspruchsvoll: So laufen die Arbeiten an der Rostocker Mühlendammschleuse
Mecklenburg Rostock Technisch anspruchsvoll: So laufen die Arbeiten an der Rostocker Mühlendammschleuse
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20:12 18.11.2019
Bauleiter Hannes Nehls (l.) und Wasserbaumeister Reimo Luxem besprechen in der Schleuse das weitere Vorgehen. Quelle: Dietmar Lilienthal
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Rostock

Diese Dimensionen! Respekt ist das erste Gefühl, das sich einstellt, wenn man im leeren Becken der Mühlendammschleuse in Rostock herumläuft. 60 Meter lang, vier Meter fuffzig hoch. Das, was von oben, von der Straße aus betrachtet, für den Laien relativ unscheinbar ausschauen mag, wirkt unten umso beeindruckender.

Wenn jetzt einer der Revisionsverschlüsse bricht, tja dann „Gute Nacht, Marie!“ Dann ergießen sich explosionsartig eine Million Liter Wasser aus der Unterwarnow ins leer gepumpte Schleusenbecken am Mühlendamm in Rostock – eine der wohl meistbetrachteten Baustellen der Hansestadt.

„Diese Baustelle ist nicht ganz ungefährlich!“

Ob das passieren kann? „Nein, aber das ist eine Baustelle, die nicht ungefährlich ist“, sagt Holger Brydda, Leiter des Wasserstraßen- und Schifffahrtsamtes (WSA) in Stralsund, das die Bauarbeiten durchführt. WSA-Außenbezirksleiter Hannes Nehls (36), der die Baustelle leitet, sagt, dass es früher bis in die 80er Jahre schon mal zu schweren Unfällen bei Schleusen-Bauarbeiten gekommen sei. Heute habe man das aber im Griff.

Von Oktober bis Februar 2020 wird an der Mühlendammschleuse in Rostock gebaut. OZ-Reporter sind vor Ortgewesen und haben sich die Bauarbeiten angesehen.

Die Mühlendammschleuse wird nicht instand gesetzt, sie wird teilverfüllt. Ein Verfahren, bei dem man sich die Frage stellt: Wenn wir so was können in Deutschland, warum können wir dann nicht auch Flughafen? „Wir könnten’s“, lachen die Wasserbauer am Mühlendamm. Zuerst wurden sechs Meter lange Stahlnadeln unterhalb der Schleusentore und Dammtafeln oberhalb als Revisionsverschlüsse gesetzt.

Technische Meisterleistung bei den Revisionsverschlüssen

Das war an der Oberwarnow kein Problem, um aber die Nadeln unter der B 110-Brücke zu setzen, mussten die Fachleute tricksen. Nehls sagt: „Das war eine Herausforderung. Wir mussten die Nadeln unter der Brücke – da hatten wir 70 Zentimeter Spielraum – mit einem Ponton einschwimmen.“

Erst als dieser Verschluss sicher installiert war, konnte Nehls’ fünfköpfiges Team vor Ort damit beginnen, das Becken leer zu pumpen. Eine Million Liter Wasser wurden herausgepumpt. Dann wurde der kontaminierte Schlick entfernt und wird fachgerecht entsorgt. In früheren Zeiten gab es ein Gaswerk oberhalb der Warnow.

Im dritten Schritt wird das Bauwerk inspiziert. Die Tore zum Drempel und zum Widerlager hin dichten nicht mehr richtig ab, sagt Nehls. Die werden demontiert und für eine spätere, eventuell museale Nutzung eingelagert.

Wasserführende Risse in den Ziegelwänden werden verfüllt

Auch die Ziegelwände werden auf Risse untersucht. Wasserführende Risse werden verfüllt. An mehreren Stellen läuft Wasser aus den Ziegeln in die Schleuse zurück. „Das liegt daran, dass wir hier jetzt ein hydrostatisches Gefälle haben“, erklärt der Ingenieur. Das Grundwasser drücke aus verschiedenen Bereichen in das tiefer gelegene leere Schleusenbecken.

Nach der Inspektion wird die Schleuse mit Sand aufgefüllt. Der Sand wird mit einem Geotextil gehalten und der Sporn erosionssicher und stabil hergestellt. Dieser Bauabschnitt solle bis Weihnachten abgeschlossen sein. Er dient dazu, der Hansestadt lokalpolitische Handlungsfreiheit einzuräumen. Das WSA wird diese Schleuse nicht mehr betreiben. Und in Rostock gibt es über das Engagement des Mühldamm-Vereins Interesse, sie als technisches Denkmal zu erhalten.

„Es gibt nicht viele Schleusen, die das können, was diese kann.“

Das sei verständlich, heißt es aus dem Amt. Denn diese recht kleine Schleuse mit einem Hub von gerade mal 30 Zentimetern sei etwas Besonderes. Wasserbaumeister Reimo Luxem (44) erklärt: „Es gibt nicht viele Schleusen, die das können, was diese kann. Durch den unterschiedlichen Druck, den das Ostseewasser je nach Pegelstand ausübt, kann es passieren, dass man von der Unterwarnow runterschleust in die Oberwarnow. Deshalb die Doppeltore.“

Trotzdem habe man als Amt andere Aufgaben, sagt Nehls. Derzeit gebe es vier große Wasserbaustellen: in Barth, vor Hiddensee, am Wieck in Greifswald und in der Nordansteuerung nach Stralsund. „Wir müssen Hoch- und Trinkwasserschutz gewährleisten und die Voraussetzungen für die Durchgängigkeit muskelbetriebener Wasserfahrzeuge schaffen.“

Seit 2011 ist die Schleuse außer Betrieb

Seit 2011 ging das Schleusen für Kanuten und Ruderer nicht mehr. Seitdem ist die Schleuse außer Betrieb. Wenn die Bauarbeiten abgeschlossen sind, soll es einen Schleppdamm für die Boote geben. Dafür und für die Ausstattung mit entsprechender Umtrageeinrichtung sowie Schwimmstegen wäre die Stadt zuständig. Zum Hochwasserschutz muss im Inneren des Damms eine Spundwand gezogen werden.

„So eine Baustelle hast du nur einmal im Leben.“

Hannes Nehls sagt zu dem Verfahren, das technisch sehr anspruchsvoll sei: „Ich halte das, was wir hier machen, für die vernünftigste Lösung.“ Für die Bauarbeiter etwas Spezielles. Sie haben aus dem Schleusenbecken schon die eine oder andere Erinnerung an alte Zeiten gefischt. Zum Beispiel eine Plakette der Minol-Ralley von 1968 oder eine Lübzer Bierflasche – ebenfalls aus DDR-Zeiten. Reimo Luxem sagt: „So eine Baustelle hast du nur einmal im Leben. Da werde ich mir schon eine Erinnerung aufbewahren.“

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