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Rostock Telefonforum: Was tun, wenn ein Elefant auf der Brust sitzt?
Mecklenburg Rostock Telefonforum: Was tun, wenn ein Elefant auf der Brust sitzt?
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11:02 19.10.2018
Beim OZ-Telefonforum pausenlos in Aktion: Die Experten Axel Pudimat (v. l.), Prof. Hüseyin Ince, Prof. Holger Lode und Dr. Ronald Bittner vom Klinikum Karlsburg waren gefragte Gesprächspartner.  Quelle: Volker Penne
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Rostock,  ,

Die Fragen der Leser zu Herzerkrankungen waren bei der OZ-Telefonsprechstunde am Dienstag so zahlreich, dass die drei erfahrenen Herzmediziner und der Vorsitzende des Apothekerverbandes MV pausenlos gefordert waren. Prof. Dr. Holger Lode vom Zentrum für Kinder- und Jugendmedizin der Unimedizin Greifswald, Prof. Dr. Hüseyin Ince, Leiter der Kardiologie der Unimedizin Rostock, Oberarzt Dr. Ronald Bittner vom Klinikum Karlsburg und Apotheker Axel Pudimat gaben Auskunft. Hier die wichtigsten Fragen und Antworten:

Ich leide regelmäßig unter Herzrasen, Schwindel, Herzstolpern und Angstgefühl. Was kann ich dagegen tun?

Hinter diesen Problemen verbirgt sich möglicherweise ein Vorhofflimmern. Diese Erkrankung kann medikamentös behandelt werden, um wieder einen ruhigen und regelmäßigen Herzschlag zu gewährleisten. Häufig ist es aber so, dass die Medikamente nicht lebenslange Beschwerdefreiheit schaffen. Dafür gibt es heute die Methode der Ablation. Dabei wird mittels Kathetereingriff das Vorhofflimmern beseitigt oder stark verringert. Gleichzeitig ist es nötig, dass man Medikamente einnimmt, um einem Schlaganfall vorzubeugen, und um die Blutgerinnung so zu beeinflussen, dass keine Gerinnsel entstehen.

Bei Belastung habe ich ein Druckgefühl auf der Brust, als wenn ein Elefant auf dieser sitzt! Und ich bekomme Luftnot. Was raten Sie mir?

Gehen Sie umgehend zum Hausarzt oder Kardiologen! Die Beschwerden könnten ein Hinweis auf eine Durchblutungsstörung am Herzen sein, die sogar zum Herzinfarkt führen kann. Weitere Checks sind notwendig. So ist es möglich, etwa mit einer Herzkatheteruntersuchung, die Durchblutung des Herzens direkt darzustellen, Engstellen nachzuweisen und diese auch zu behandeln. Dies geschieht unter anderem mit einer Aufdehnung des Gefäßes und dem Einsetzen eines Stents. Manchmal ist eine Bypass-OP nötig. Einer Katheteruntersuchung wird oft eine Fahrrad-Ergometrie, also ein Belastungs-EKG, vorgeschaltet. Dieses kann zusätzliche Hinweise auf eine Durchblutungsstörung des Herzens geben.

Mein Kind ist sieben Jahre alt und klagt ständig über Schmerzen im Brustkorb, Schlappheit und Müdigkeit. Wie soll ich mich verhalten?

Dahinter könnte sich eine Herzkrankheit verbergen. Wir empfehlen eine einfache Diagnostik, die eine Blutdruckmessung über einen langen Zeitraum und ein Elektro-Kardiogramm (EKG) umfasst. Unter Umständen sollte auch ein Langzeit-EKG in Erwägung gezogen werden. Es könnte sich um eine Herzrhythmusstörung oder eine Herzmuskelschwäche handeln. Diese treten nur selten auf, aber bei den genannten Beschwerden muss damit gerechnet werden.

Ist es möglich, dass mein Blutdruck zu niedrig eingestellt wurde?

In der neuen europäischen Leitlinie wurde in diesem Jahr publiziert, dass der Blutdruck bei Patienten mit kardiovaskulären Erkrankungen oder Risikofaktoren nicht dauerhaft unter 120 mm Hg liegen sollte. Es konnte gezeigt werden, dass diese Patientengruppe mit dem niedrigen Wert eine erhöhte kardiovaskuläre Ereignisrate aufweist, also mehr Erkrankungen des Herz-Kreislauf-Systems. Die Erkrankungsgefahr stieg außerhalb des Zielblutdruckkorridors von 120 bis 140 mm Hg.Ich leide an Herzrhythmusstörungen.

Im November steht eine Knie-Operation an. Ist diese trotz meiner Herzprobleme so einfach möglich?

Zu klären ist, welche Herzrhythmusstörungen vorliegen. Zudem muss die Herzfunktion getestet werden. Sollten Ihre Rhythmusstörungen mit einer Einschränkung Ihrer Herzleistung einhergehen, muss vor der Knie-OP eine weitere kardiologische Abklärung erfolgen.

Gibt es besonders häufige Herzerkrankungen bei Kindern?

Die häufigsten Erkrankungen sind mit Bluthochdruck verbunden. Dabei spielt die enorme Zunahme der Fettleibigkeit (Adipositas) eine Rolle. In MV haben wir eine Häufigkeit von zum Teil schwerer Adipositas bei Kindern und Jugendlichen von bis zu 20 Prozent. Wir sehen bei Kindern Veränderungen am Herzmuskel, die später zu schweren Erkrankungen führen können. Die Herausforderung liegt in der Prävention, die oft schwierig ist, da sie in der Regel mit grundlegenden Verhaltensänderungen verbunden sein muss. Wichtig sind Bewegung, gesunde Ernährung sowie der Verzicht auf das Rauchen und Drogen, zum Beispiel Alkohol.

Kinderärzte fordern Vorgehen gegen Fettleibigkeit

Im Kampf gegen Übergewicht und Fettleibigkeit bei Kindern fordern Ärzte ein entschiedenes Vorgehen der Politik. Der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ) spricht sich für einen nationalen Aktionsplan aus. Bund, Länder und Kommunen müssten endlich aufeinander abgestimmt etwas gegen die Krankheit unternehmen, so die Mediziner. Was der Verband vorschlägt: eine Zuckersteuer, eine Nährwertampel auf Produkten und ein Werbeverbot für ungesunde Nahrungsmittel.

Eine Nährwertampel könne zeigen, welche Waren im Supermarkt-Regal zu fett, zu salzig oder zu süß sind. Die Wirksamkeit von gesetzlichen Verboten hätten das Rauchverbot und die Alkopops-Steuer bewiesen.

Mehr als 15 Prozent der 3- bis 17-Jährigen in Deutschlands seien von Fettleibigkeit und Adipositas betroffen. Adipositas kann nach Angaben der Mediziner schwere, teilweise lebensbedrohliche Krankheiten begünstigen. Dazu zählen Bluthochdruck, Diabetes, Kniegelenkarthrose und Depressionen.

Gesetzliche Regelungen seien aber allein nicht ausreichend, um Kinder vor Über- und Fehlernährung zu schützen, so die BVKJ-Mediziner. Ebenso wichtig sei es, dass Kinder sehr früh „Ernährungsbildung“ im Kindergarten und in der Schule erhielten. Auch die Stadtplanung ließe sich verbessern, gefordert sind mehr Freiräume gerade in urbaner Umgebung.

Nach einer Ablation treten bei mir noch Rhythmusstörungen auf. Wie viele dieser Eingriffe sind möglich?

Ihre Frage bezieht sich vermutlich auf die Vorhofflimmerablation. Hier ist es gelegentlich nötig, die Ablationstherapie bei wiederkehrendem, symptomatischem Vorhofflimmern zu wiederholen. Um erneute Eingriffe zu reduzieren, ist es notwendig, Risikofaktoren, wie Übergewicht, Bluthochdruck, Diabetes mellitus oder Schlafapnoe, zu minimieren. In der Praxis sind häufig zwei Ablationen notwendig. Bei einer Routine-Untersuchung ist bei mir ein Herzgeräusch festgestellt worden. Anschließend wurde die Verkalkung der Aorten-Klappe nachgewiesen.

Ich leide unter Luftnot bei Belastung. Wie oft sollte eine Nachkontrolle erfolgen?

Bei der Aortenklappen-Stenose, also Verengung, kommt es auf den Schweregrad und die Symptome an. Bei einer leichten Stenose reichen Ultraschalluntersuchungen ein bis zwei Mal im Jahr. Nehmen die Beschwerden deutlich zu und wird eine höhergradige Verengung der Aortenklappe nachgewiesen, müssen Untersuchungen halb- bis vierteljährlich erfolgen. Denn dann ist auch eine Behandlung der Aortenklappe nötig.

Ich bin 64 Jahre alt und nehme seit 20 Jahren Betablocker wegen erhöhten Blutdrucks. Seit fünf Jahren habe ich durch Sport und neue Ernährung deutlich abgenommen. Der Blutdruck liegt bei 110/70 mm Hg. Kann ich die Medikamente weglassen?

Bei der beschriebenen positiven Lebensumstellung mit entsprechender Risikominimierung ist in dieser Konstellation ein Auslassversuch gerechtfertigt. Dieser sollte aber unbedingt vom Hausarzt und Kardiologen intensiv begleitet werden!

Volker Penne

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