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Rostock Pension und Restaurant im alten Bahnhof
Mecklenburg Rostock Pension und Restaurant im alten Bahnhof
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14:14 24.01.2019
Jakob Freutel (l.) und Denny Kopplin (r.) übernehmen den von der Stadt Tessin sanierten Bahnhof, Bürgermeisterin Susanne Dräger freut sich. Quelle: Doris Deutsch
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Tessin

Mit Volldampf wird im alten Bahnhofsgebäude in Tessin gewerkelt. An Fußböden, Decken, Küche und Sanitäreinrichtungen. Endspurt für die Handwerker. Das Signal für die „Lok“, so werden Pension und Restaurant künftig heißen, steht auf grün. Zu Ostern werden die ersten Gäste erwartet.

Bürgermeisterin Susanne Dräger ist froh, dass das „dritte Tor zur Stadt“ nun endlich in neuem Licht erstrahlt. 2016 hat Tessin das Gebäude von der Bahn AG erworben, um den Bahnhof samt Außenanlagen denkmalgerecht zu sanieren und für die Stadt eine neue Gaststätte und eine Gästeunterbringung zu schaffen. Insgesamt 2,7 Millionen Euro sind in den Umbau und die Außengestaltung geflossen, rund 750 000 Euro davon als Landes- und EU-Fördermittel.

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Anfang 2017 war Baubeginn und knapp zwei Jahre später wird das Gebäude übergeben. „An zwei dynamische Pächter, die den Bau von Anfang an begleitet, viele Ideen und Kraft in das Objekt gesteckt haben und nun den Bahnhof beleben“, sagt Dräger. Der Pachtvertrag wurde in dieser Woche unterschrieben. Die „Lok“-Führer sind Jakob Freutel (24) und Denny Kopplin (27), junge Männer aus dem benachbarten Sanitz, wo sie eine Veranstaltungsagentur betreiben.

„Am 7. Februar 2017 haben wir den Stadtvertretern unser Konzept vorgestellt“, erinnert sich Medienkaufmann Kopplin noch ganz gut. Sie hätten den Zuschlag bekommen und sich seitdem in enger Abstimmung mit der Stadt in die Planung eingebracht. Die Küche wurde vergrößert, die Zimmer den Ideen angepasst. 23 Betten wird es geben in vier Doppelzimmern und einer Ferienwohnung im Hauptgebäude und sechs Appartements im Anbau. „Die Zimmer haben keine Nummern, sondern werden dem Bahnhofsflair entsprechende Namen bekommen“, verrät Wirtschaftsfachwirt Freutel schon mal. Auf dem Speise-Fahrplan des Restaurants wird bestimmt ein „Schaffnerschnitzel“ zu finden sein und auch sonst wollen die Pächter die Bahnhofsakzente immer wieder aufgreifen.

„Verstehen Sie Bahnhof?“ hat die Stadt ihr Projekt überschrieben und unter diesem Motto um Fördermittel für den Erlebnisbahnhof mit Tisch und Bett geworben. 198 000 Euro gab’s beispielsweise im Herbst aus dem Leader-Topf für die Außengestaltung: Für den Prellbock und das noch zu bepflanzende Gleisbett vor den Gästeapartements zum Bahnsteig hin, für Schranken und Andreaskreuz, die auf dem Gelände gezeigt werden. Das Nebengebäude wird zu einem Kaltgebäude mit Abstellmöglichkeiten ausgebaut. Auch im Haupthaus wurde der alte Bahnhofscharme erhalten – mit den historischen schwarz-weißen Fliesen im Gastraum zum Beispiel oder dem Gebälk in den Gästezimmern. Auch in der ansonsten modernen Innenausstattung wird noch Platz sein für so manches Bahn-Detail, kündigen die Betreiber an.

Die Einrichtung für Zimmer und Gasträume ist bestellt. „Mit unserem Koch haben wir schon die erste Speisekarte entwickelt“, verrät Kopplin. Nichts Extravagantes soll es geben, „gute bürgerliche Küche mit verschiedenen Highlights“. Gute Burger, Steakvarianten, Grill- oder Flammkuchenabende haben die Betreiber im Sinn. Mit regionalen Anbietern haben sie erste Kontakte geknüpft. Die „Lok“-Führer werden selbst hinterm Tresen stehen. Eine Angestellte und eine Aushilfe für Rezeption, Küche und Service gehören bereits zum Team. „Aber wir haben noch Arbeitskräftebedarf“, kündigt Kopplin an.

Der Bedarf an Unterkünften und gastronomischer Versorgung in Tessin sei auf jeden Fall da. „Die erste Familienfeier ist für den Ostersamstag gebucht“, freuen sich die Jungunternehmer, die auch für Mai schon Feiern in den Terminplan eingetragen haben. Auf dem Bahnhofsvorplatz soll ein kleiner Biergarten zum Verweilen einladen. „Da planen wir kleinere Veranstaltungen“, sagt Freutel. Liveabende, Weinverkostungen, Tanzabende sind vorgesehen, bei denen die beiden Pächter auch als DJ mal auflegen werden.

23. Februar: Tag der offenen Tür

Am 23. Februar können sich die Tessiner von 11 bis 14 Uhr bei einem Tag der offenen Tür selbst ein Bild vom neuen Erlebnisbahnhof machen und schon mal ein Musterzimmer begutachten. Das um 1892 errichtete Bahnhofsgebäude hat die Stadt Tessin 2016 von der Deutschen Bahn AG erworben und in zwei Jahren Bauzeit komplett umgebaut. 2,7 Millionen Euro sind in das Projekt samt Außenanlagen geflossen. Neben einem Restaurant mit etwa 40 Plätzen wurde auch eine Pension mit 23 Betten eingerichtet.

Das ist auch die große Hoffnung der Bürgermeisterin: „Ich setze auf ihre Erfahrungen im Eventbereich“, sagt Dräger, „und hoffe, dass mit dem Erlebnisbahnhof auch ein Stück Kultur nach Tessin kommt.“ Die Stadt wolle da gern auch Partner sein, auch bei der Verknüpfung von Angeboten mit anderen Freizeiteinrichtungen der Stadt, verspricht sie. Dem Engagement der jungen Pächter begegne sie mit Hochachtung, bemerkt Dräger. „Sie beweisen viel Mut, gehen schon ein großes Risiko ein, haben aber bisher einen guten Start hingelegt.“

Ende Februar wird die Stadt das Gebäude übergeben. Dann beginnt die Einrichtung der Innenräume und im April, zu Ostern, ziehen die ersten Gäste ein. „Verstehen Sie Bahnhof?“ – eine Frage, die viele Beteiligte zwei Jahre lang mit guten Ideen beantwortet haben. Das Ergebnis kann sich sehen lassen, sowohl vom Bahnsteig aus als auch von der Bahnhofsstraße. „Der erste Blick ist entscheidend, das dritte Tor zur Stadt einfach einladend“, sagt die Bürgermeisterin äußerst zufrieden.

Doris Deutsch

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