Menü
Ostsee Zeitung | Ihre Zeitung aus Mecklenburg-Vorpommern
Anmelden
Rostock Tessin trauert um ertrunkenes Mädchen
Mecklenburg Rostock Tessin trauert um ertrunkenes Mädchen
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
19:01 04.06.2019
Einen Tag nach dem tragischen Badeunglück bleibt der „Tessiner Südsee“ geschlossen. Am Eingangstor haben Trauernde weiße Rosen angebracht. Quelle: Doris Deutsch
Anzeige
Tessin

Weiße Rosen mit schwarzer Schleife am Eingangstor zum „Tessiner Südsee“. Ein letzter Gruß an das zehnjährige Mädchen, das hier am Nachmittag des 3. Juni im Freibad ertrunken ist. „Wir sind fassungslos, geschockt, unendlich traurig“, beschreibt Bürgermeisterin Susanne Dräger die Gefühle der Tessiner. „Unser ganzes Mitgefühl gilt den Eltern und der Familie“, sagt Dräger.

Kerze am leeren Platz der Viertklässlerin

Das Kind, das nach Polizeiangaben Lina heißt, besuchte die vierte Klasse der regionalen Grundschule. Ihre Mitschüler waren gestern früh nicht allein. „Die Klassenleiterin ist vom Unterricht ausgeplant, kümmert sich nur um ihre Schüler“, sagt Schulleiter Ulrich Ziolkowski. Am leeren Platz der Viertklässlerin wurde eine Kerze angezündet. Der Pastor der Tessiner Kirchgemeinde, Sebastian Gunkel, ist in die Schule gekommen, spendet Trost, steht Kindern und Lehrern zu Seite, redet mit ihnen.

Am Montag ist ein Mädchen im Tessiner Südsee ertrunken. Die ganze Stadt ist betroffen und zeigt ihre Anteilnahme mit Rosen am Unglücksort.

Der geplante Lesewettbewerb an der Grundschule wurde abgesagt. „In den Klassen 1 bis 3 versuchen wir in Stuhlkreisen, das Geschehen zu erklären, das Thema Leben und Tod zu besprechen“, berichtet der Schulleiter. Unterricht sei an diesem Tag zweitrangig. „Wichtig ist, auf die Emotionen der Kinder zu reagieren, mit ihnen zu reden, beim Verarbeiten des traurigen Unfalls zu helfen“, erklärt Ziolkowski.

Belegschaft des Freibades geschockt

Einige Meter weiter, im Wellnesscenter der Stadt, sitzen die Beschäftigten der Tessiner Freizeiteinrichtungen zusammen. Die große Betroffenheit der Mitarbeiter ist spürbar. „Wir sind alle geschockt“, sagt Tom Heller, „können es nicht begreifen.“ Auch wenn Rettungsschwimmer auf so eine schreckliche Situation, den Tod eines Badegastes, vorbereitet würden, „wenn es dann wirklich passiert, ist es nicht fassbar“.

Erst am vergangenen Sonnabend war das Tessiner Naturbad mit einem großen Kinderfest eröffnet worden. Zwei Tage später, am Montag kamen dann etwa 100 Besucher, um sich bei 31 Grad Lufttemperatur im 21 Grad warmen Südsee-Wasser abzukühlen. Die Temperaturangaben vom Unglückstag waren gestern noch angeschrieben. Doch das Freibad bleibt geschlossen. „Wir haben die Entscheidung den Mitarbeitern überlassen“, erklärt die Bürgermeisterin. Das Team müsse sich sammeln, den Unglücksfall aufarbeiten, ob bei der Arbeit oder zunächst in Gesprächen.

Erschwert wird dies durch bedrückende Vorwürfe, die in Schülerkreisen die Runde machen. Danach sei der Bademeister auf das Verschwinden des Mädchens hingewiesen worden, hätte aber erst nach mehrmaliger Aufforderung reagiert. „Wir nehmen das ernst und werden das natürlich prüfen“, kündigt Susanne Dräger an.

Bürgermeisterin: Rettungskette hat gut funktioniert

Zum Zeitpunkt des tragischen Badeunfalls waren nach Auskunft der Belegschaft noch etwa 80 Gäste am See. Der Rettungsschwimmer sei darauf hingewiesen worden, dass Hilfe benötigt würde, bestätigt Tom Heller, Leiter der Freizeiteinrichtungen. Daraufhin habe er das leblose Kind aus dem Wasser geborgen und sofort mit der Reanimation begonnen. Notarzt und Rettungssanitäter wurden verständigt und waren sehr schnell zur Stelle. „Wir haben unser Möglichstes getan, die Rettungskette hat gut funktioniert“, betont Bürgermeisterin Dräger, die selbst gleich zum Unglücksort geeilt war. Die Besucher wurden gebeten, das Gelände des „Südsees“ zu verlassen.

Das zunächst wiederbelebte Kind wurde per Hubschrauber ins Krankenhaus nach Rostock geflogen, wo es dann verstorben ist. Ein Seelsorger der Polizei kümmerte sich um die herbeigerufenen Eltern und den Bademeister. Auch der Mitarbeiter des Naturbades sei dann nach Hause begleitet worden.

Schwimmunterricht an Schule scheitert am Personal

Die Zehnjährige hatte keinen offiziellen Schwimmnachweis. „Die ganze Klasse hatten keinen Schwimmunterricht“, sagt Schulleiter Ziolkowski. Trotz guter Voraussetzungen mit dem Südsee vor der Tür scheitere der Schwimmunterricht am Lehrpersonal. Ein Rettungsschwimmer in der Badeanstalt allein dürfe kein Schulschwimmen geben. „Es muss ein Schwimmpädagoge dabei sein und den haben wir nicht“, erklärt Ziolkowski. Die Tessiner Schule sei, wie viele andere auch, da auf die Hilfe von Nachbarschulen angewiesen.

Für Privatinteressenten wie auch für Kita-Kinder bieten die Bademeister im Naturbad Südsee Schwimmunterricht an. „Mittwochs und sonnabends“, sagt Tom Heller, damit Eltern es einrichten können. Für Schulklassen indes sei dies ohne spezielle Lehrkräfte der Schulen nicht zulässig. Mittwoch soll das Freibad wieder geöffnet werden.

Mehr lesen:

Sprachnachricht kursiert unter Schülern: Schwere Vorwürfe gegen den Bademeister

Doris Deutsch

Der Songtext des neuen Hits von Sarah Connor stellt Ostseewelle und Co. vor die Frage: Sollen wir das spielen? Antenne MV hält den Liedanfang für problematisch. Die Sängerin schildert darin mit drastischen Worten das Outing eines schwulen Jungen.

05.06.2019

Peter Mai löst Gerd Simonn als Ersten Kapitän ab. Er übernimmt eine Crew, die mit viel Fleiß die traditionelle Seeschifffahrt lebendig hält.

04.06.2019

In Rostock haben am Dienstag mehr als 200 Beschäftigte aus der KfZ-Branche für bessere Löhne gestreikt. Sie fordern die gleiche Bezahlung wie in Schleswig-Holstein.

04.06.2019