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Mecklenburg Rostock Alte Herren und ihre Motorräder
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15:50 14.08.2019
Freaks und ihre Zweirad-Oldtimer in Tessin (v.l.): Hermann Witt (73) aus Kavelstorf mit EMW (Erstzulassung 1958), Holger Wieg (61) aus Tessin mit Simson 425 s (Bj. 1961, AWO Sport) und Winfried Marg (80) aus Tessin mit „Pannonia“, (Bj. 1962). Egon Rademacher (76, 2.v.l.), ohne Maschine, fährt sonst eine russische Dnepr (Bj. 1976). Quelle: Doris Deutsch
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Tessin

„Ein Putzlappen gehört zu jedem Oldtimer“, betont Hermann Witt und wischt noch mal über den blitzblanken Tank seiner EMW (Eisenacher Motorenwerke) R35/3. „Erstzulassung 1958“, sagt der 73-Jährige, der 40 Jahre später mit der Restauration der Maschine begonnen hat.

„Das Motorrad war völlig zerlegt, viele Teile Schrott“, erinnert sich der Kavelstorfer, der sich 1998 den „Scherbenhaufen“ nach Hause liefern ließ. Der ehemalige Landmaschinen- und Traktorenschlosser begann, das Puzzle zusammenzusetzen. „Wir haben Teile geklebt, Buchsen selbst gedreht, immer irgendwo nach irgendwelchen Ersatzteilen gesucht, geschraubt und geschraubt“, erzählt Witt, der seinem Gefährt sogar einen Rückwärtsgang verpasst hat. „Eine kleine Veränderung, äußerlich kaum zu sehen“, erklärt er. Doch gerade diese Besonderheit sorgt bei Oldtimer-Treffen, wie sie die Interessengemeinschaft Zweirad-Oldtimer Tessin am 3. Oktober zum 20. Mal veranstaltet, immer für Aufsehen.

Französische Ente wird von Oldies geduldet

Witt gehört zu den Freaks, die sich im Jahr 2000 zusammenfanden, um gemeinsam ihre Leidenschaft zu leben. Heute zählt die Tessiner Gruppe 16 Oldies, zwischen 55 und 80 Jahren, die Oldtimer lieben, besitzen und pflegen. Alte Motorräder mit Beiwagen und eine französische Ente Pickup, Baujahr 1983. Dieses Kultauto gehört Matthias Seim und „wird geduldet, weil er bei Ausfahrten unser Gepäck und die Getränke transportiert“, sagt Egon Rademacher und lacht. Der 76-Jährige fährt selbst eine russische Maschine, „eine ‚Dnepr‘, Baujahr 1976 – steht auf dem Typenschild“.

80-Jähriger fährt „Pannonia“ mit Beiwagen

In Lederkluft steigt Winfried Marg vor dem Mühlenhaus in Tessin von seinem Motorrad. Als er den Helm abnimmt – oha: Seine 80 Jahre sieht man dem Biker gar nicht an. „Ja, die Oldtimer halten uns jung und beweglich“, scherzt er. Schon in seiner Jugend habe er eine „Pannonia“ besessen. 1955 hat er sich das Zweitaktmodell ungarischer Herkunft angeschafft. „Ein Motorrad war damals Gebrauchsgegenstand, um von A nach B zu kommen, kein Luxus wie heute“, bemerkt Marg. Und ein Beiwagen gehörte dazu. „Meine Mutter wollte ja mit zum Einkaufen“, sagt Marg und schmunzelt.

Heute fährt der 80-Jährige wieder eine „Pannonia“, Baujahr 1962. „Die letzte, die in der DDR eingeführt wurde“, erzählt der ehemalige Kfz-Meister aus Tessin. Auch er hat das Motorrad vor zehn Jahren in Einzelteilen erstanden. Seit einem Jahr ist das rote Liebhaberstück mit raketenartigem Beiwagen fertig und Marg damit on Tour.

16 Freaks gehören zur Interessengruppe Tessiner Zweirad-Oldtimer. Sie haben alte Motorräder wiederaufgebaut und leben ihre Leidenschaft.

„Mindestens 30 Jahre alt muss ein Zweirad sein, um als Oldtimer zu gelten“, erklärt Holger Wieg. Er sitzt auf einer Awo 425 Sport. Die ist nur drei Jahre jünger als er selbst. „Baujahr 1961“, verrät der 61-Jährige, der schon zu DDR-Zeiten ein solches Simson-Motorrad gefahren ist. „Aber dann kam Familie, Haus gebaut, Maschine verkauft“, berichtet Wieg. Mit zunehmendem Alter kämen dann Erinnerungen hoch, an die gute alte Technik. „Und so besorgst du dir wieder ein altes Teil“, spricht Wieg auch für seine Mitstreiter.

Immer auf der Suche nach Ersatzteilen

Im Internet, auf Märkten, in Werkstätten und Scheunen, bei Oldtimer-Treffen suchen die Freaks nach alten Modellen und Ersatzteilen dafür. „Hersteller gibt es nicht mehr“, erklärt Wieg, da müsse man schon umtriebig sein. Hermann Witt ist die ganze Gegend im Umkreis von 250 Kilometern abgefahren, um Teile zu finden. „Inzwischen ist der Markt ziemlich abgegrast“, hat er erfahren. Egon Rademacher schaut auf Flohmärkten immer in die Kartons unter den Tischen. Winfried Marg hat den ganzen Keller voller Teile für Tauschgeschäfte. Außerdem hat der 80-Jährige selbst noch zwei Motorräder „in Arbeit“.

Das Hobby der Zweirad-Oldtimer-Fans ist ein teures. „Bei Verkauf der Maschine kriegst du das Geld nie wieder raus, was du reingesteckt hast“, erklärt Egon Rademacher. Vor allem Beiwagen seien knapp und „fast so teuer wie ein ganzes Motorrad“. Sind aber ein Muss der Tessiner Zweirad-Oldies. „Beiwagen sind einfach gut, wenn man älter ist, standsicherer, da braucht man beim Halten den Fuß nicht runterzunehmen“, sagt Rademacher schmunzelnd.

Monatliche Benzingespräche

Gemütlich fahren die alten Männer auf ihren schmucken historischen Zweirädern durch die Landschaft. Unterwegs mit Tempo 70, natürlich bei gutem Wetter. Jeden dritten Dienstag im Monat treffen sie sich zum „Benzingespräch“. Sie fahren zu Oldtimertreffen, demnächst beispielsweise in Prerow, tauchen bei Geburtstagsfeiern auf und wollen auf keinen Fall die 750-Jahr-Feier von Tessin im Jahr 2021 verpassen. „Wir machen weiter, solange wir Lust und Spaß haben“, betont Holger Wieg.

Oldtimer-Treffen am 3. Oktober in Tessin

Nächster Höhepunkt der motorisierten Oldie-Gang ist das Tessiner Zweirad-Oldtimer-Treffen am 3. Oktober ab 10 Uhr im Volkspark Tessin. Hier werden, wie in den Vorjahren, Liebhaber aus ganz MV erwartet, die etwa 150 gut gepflegte alte Motorräder vorstellen werden. Witt wird seine EMW dafür noch einmal extra wienern. Und den Putzlappen hat er ohnehin einstecken.

Von Doris Deutsch

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