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Rostock Testzentrum für neue Flugzeugantriebe: Wie Rostock-Laage mit Wasser abheben will
Mecklenburg Rostock Testzentrum für neue Flugzeugantriebe: Wie Rostock-Laage mit Wasser abheben will
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13:23 28.07.2019
Wasserstoff statt Kerosin: Bereits 2016 hob in Stuttgart das Brennstoffzellenflugzeug HY 4 ab. In Laage sollen die neuen Antriebstechnologien getestet und erforscht werden. Quelle: Christoph Schmidt/dpa
Rostock/Laage

Wasserstoff statt Kerosin – das ist die Zukunft des Fliegens: Obwohl der weltweite Luftverkehr „nur“ knapp drei Prozent der CO2-Emissionen ausmacht, soll es auch in der Luft mit dem fossilen Brennstoff bald vorbei sein. Und der Landkreis Rostock will bei der Entwicklung sauberer Antriebe für Flugzeuge eine entscheidende Rolle spielen: „Der Flughafen Rostock-Laage ist perfekt für die Entwicklung, die Erprobung und das Testen neuer Triebwerke und Antriebstechnologien für die Luftfahrt“, sagt Romuald Bittl, Dezernent für Kreisentwicklung und Wirtschaft im Güstrower Landratsamt. Nun will der Landkreis Firmen und Forscher aus der Branche locken. Selbst mit einem weltweit führenden Flugzeughersteller hat es bereits erste Gespräche gegeben – nach OZ-Informationen mit Airbus.

Landkreis wird Wasserstoffregion

Der Landkreis Rostock bewirbt sich derzeit bei der Bundesregierung darum, eine von sechs „Wasserstoff­regionen“ in Deutschland zu werden. „Wasserstoff ist der Brennstoff der Zukunft. Er lässt sich beispielsweise mit Hilfe von Windkraft schnell und sicher erzeugen. Wenn er verbrennt, werden nur Wasser und Sauerstoff freigesetzt“, sagt Bittl. Rund um den größten Flughafen des Landes soll ein Innovationszentrum für die neuen Antriebstechnologien entstehen. Die Firma Apex Energy baut gerade ein Werk auf, in dem Wasserstoffanlagen für die Industrie produziert werden. Nun will der Kreis gemeinsam mit der Hansestadt weitere Firmen und Forscher anlocken. „Unser Wettbewerbsvorteil ist der Airport“, so Romuald Bittl. „Die Unternehmen brauchen Möglichkeiten, ihre Produkte in der Praxis zu testen. Wir haben dafür den Flughafen und den Luftraum.“ Das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) hat bereits erste Prototypen von Wasserstoffflugzeugen entwickelt. 2016 etwa hob in Stuttgart das Versuchsflugzeug HY 4 für zehn Minuten vom Boden ab. Weiterer Pluspunkt für Laage: „Die Firmen können von Laage aus ihre Produkte via Luftfracht in alle Welt schnell verschicken.“

Kommentar zum Thema:
Laage lockt Hightech – Visionen braucht das Land

Gespräche laufen bereits

Der Landkreis Rostock führt bereits seit Wochen intensive Gespräche mit Hochschulen und Unternehmen aus ganz Deutschland. Auch mit der Flugzeugindustrie habe es bereits einen ersten Austausch gegeben. Der weltweit größte Flugzeughersteller ist bereits jetzt regelmäßig Gast in Laage: Neue Airbus-Maschinen, die vor der Auslieferungen an Fluggesellschaften getestet werden, landen regelmäßig bei Rostock. „Die Prognosen sagen, dass die Region Rostock noch bis 2021 wachsen wird. Wenn wir darüber hinaus attraktiv sein wollen – vor allem für junge Fachkräfte – müssen wir ihnen hier neue Chancen bieten. Wir wollen neue Jobs schaffen. Auch für Forscher, Ingenieure, Techniker.“

Weitere Standbeine für Flughafen

Die neuen Ansiedlungen sollen nicht zuletzt auch den krisengeplagten Flughafen absichern: Die Flug­gast­zahlen auf dem Landesflughafen waren zuletzt nach den Pleiten der Airlines Germania und bmi Regional massiv eingebrochen: Nur noch 150 000 Fluggäste werden nach Schätzungen von Flughafen­chefin Dörthe Hausmann in diesem Jahr von Laage abheben. 2018 waren es noch doppelt so viele. „Wenn wir den Flughafen dauerhaft krisensicher machen wollen, brauchen wir mehrere Standbeine“, so Romuald Bittl.

Die Schweriner Landesregierung hat erst kürzlich für 190 000 Euro eine Studie in Auftrag gegeben, ob Laage auch als Spaceport – als Weltraumbahnhof für kleine Raumgleiter und Raketen – genutzt werden kann. „Wir wissen, dass die Weltraumbranche sich in den kommenden 30 Jahren rasant entwickeln wird. Und es gibt nur eine überschaubare Zahl von Flughäfen in Europa, die für diese Branche als Test- und Startort in Frage kommen“, sagt Verkehrsminister Christian Pegel (SPD). Das Land wolle nun ausloten, wie Laage von diesem Boom im All profitieren kann. Auch die Idee, Wasserstoffantriebe für Flugzeuge am Airport zu testen, hält er für „gut und richtig“: „Für Fluggesellschaften und Hersteller sind alternative Antriebe ein riesiges Thema“, so der Minister. Auslöser sei die Debatte über mögliche Verbote für Kurzstreckenflüge, um das Klima zu schonen: „Statt auf das Fliegen zu verzichten, macht es mehr Sinn, das Fliegen umweltfreundlich zu machen.“

Rostock soll mit ins Boot

Der Landkreis will die Hansestadt Rostock – sie ist zusammen mit dem Landkreis und der Stadt Laage Gesellschafter des Airports – beim Thema Wasserstoff ins Boot holen: „Gemeinsam müssen wir die Voraussetzungen für das Wachstum, die Entwicklung in Laage schaffen“, sagt Wirtschaftsdezernent Romuald Bittl. Dafür brauche Laage auch mehr Geld. „Rostock bekommt das Forschungszentrum für Unterwasser­technologien, wir wollen mit neuen Technologien abheben. Da bieten sich viele Synergien an.“

Andreas Meyer

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