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Rostock Wenn Rostocker Restaurants zu Konzerthäusern werden
Mecklenburg Rostock Wenn Rostocker Restaurants zu Konzerthäusern werden
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19:03 10.11.2019
Im „Café Käthe“ singen Lena Marie Hespe (l.) und Nora Reinhardt - begleitet von Jacob Eckert am Klavier. Quelle: Ove Arscholl
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Rostock

Zehn Minuten haben Christiane und Arne Pelz, um das Publikum zu begeistern. Das Mutter-Sohn-Duo steht im bis auf den letzten Platz gefüllten Restaurant „Plan B“ und bereitet sich auf seinen Auftritt vor. Als Cello und Violine erklingen, wird es ruhig im belebten Saal – die Besucher lauschen konzentriert der Musik. Nur hinter der Theke sind noch klirrende Gläser und herumlaufende Mitarbeiter zu hören.

Zehn Minuten und drei Lieder später ist die Show vorbei und das Publikum klatscht Beifall. Christiane und Arne Pelz verbeugen sich, packen ihre Sachen zusammen und verlassen die Bar, während das Publikum noch einmal klatscht.

Fokus auf musikalischen Darbietungen

Das „Plan B“ ist an diesem Abend Teil der sechsten Rostocker Theaterthekennacht. Dabei wechseln die Künstler am Freitag nach jedem Auftritt die Location. Die Besucher in den Bars, Kneipen und Cafés bekamen dabei immer wieder Neues geboten. In diesem Jahr lag der Fokus auf Musik verschiedenster Genres.

Caro Dröse, Mitarbeiterin im „Plan B“, vertröstete zwischen den Auftritten immer wieder Besucher, die ohne Reservierung kamen. „Wir haben leider nur noch draußen Platz“, musste die 28-Jährige oft sagen. „Aber immerhin mit Kuscheldecke und Heizstrahler“, scherzte sie. Die Veranstaltungsreihe kam bisher immer gut an, erinnert sie sich. „Die letzten beiden Jahre war es auch schon immer voll.“ Besucherin Anna Weimer genoss die Atmosphäre: „Gemütlich Kultur und Musik zu genießen, das ist toll.“

Galerie: Eindrücke der Theaterthekennacht

Zehn Künstlergruppen rotierten an diesem Abend durch acht Bars in ganz Rostock und spielten Musik aus verschiedensten Genres.

Fahrer bringt Künstler zu den Locations

Christiane und Arne Pelz, die zum zweiten Mal mitmachen, gefällt das Konzept ebenfalls. „Wir verbreiten Freude, und auch das Hetzen von Location zu Location macht irgendwie Spaß“, sagte die Musikerin. Man müsse den Auftritt schnell auf den Punkt bringen und dann gleich weiter. „Wir haben auch nur uns und unsere Instrumente, also geht das schnell.“

Alle Künstler wurden von einem Fahrer von Station zu Station gefahren. „Unser steht gerade im Parkverbot und wartet fleißig auf uns“, so Christiane Pelz. Für sie und ihren Sohn ging es nach dem „Plan B“ weiter zu „Jacques' Weindepot“.

Russische Romanzen und noch mehr Lieder über die Liebe

Ein paar Straßen weiter im „Café Central“ zeigte sich Restaurantleiterin Susanne Völkert zufrieden: „Wir haben gute Stimmung und zufriedene Gäste.“ Einer der ersten Auftritte im Café: Frank Flade, Leiter der Rostocker Singakademie, und Sängerin Marina Fadina, die altrussische Romanzen zu Gehör brachte. Flade begleitete den Auftritt mit dem Klavier. Hier lauschten die Besucher besonders konzentriert.

„Pssst“-Rufe vor jeder Show waren im Café an diesem Abend an der Tagesordnung. Auch der Auftritt von Teodora und Mihai Belu verbreitete gute Stimmung. Mit Klavier, Violine und dem lebensfreudigen Lied „Czárdás“ brachten sie sogar die Mitarbeiter hinter der Theke zum Mittanzen, bevor der Arbeitsstress für sie weiterging.

HMT-Musiker begeistern mit humorvollen Texten

Ähnlich stimmungsvoll waren die Auftritte der HMT-Musiker Lena Marie-Hespe, Nora Reinhardt und Jacob Eckert. Etwas derb, humorvoll und auch politisch sangen sie Lieder wie „Ficken für den Frieden“, in dem sie aggressiven Politikern wie Donald Trump, Recep Erdoğan oder Kim Yong Un sexuelle Frustration unterstellten. Das Oberthema der Songs: „Liebe oder Gefühle, die man für Liebe halten könnte“, wie Sängerin Nora Reinhardt erklärte.

Darunter waren kleine Geschichten über komplizierte Beziehungsgeflechte, Affären und wie man damit umgeht. Auch dabei: gesungene Stöhngeräusche, die beim Publikum zeitgleich für beschämte Blicke, aber auch viel Gelächter sorgten. „Die meisten wissen zuerst nicht, ob sie lachen sollen. Aber dann werden sie locker und machen mit“, erklärte Nora Reinhardt.

Bei Familie Koch, die den Auftritt im „Café Käthe“ verfolgte, kam die witzige Darbietung gut an. Vor allem die Gesellschaftskritik gefiel Reinhard Koch. „Da steckt viel Wahrheit hinter, und das war gut aufgearbeitet“, sagte der 50-Jährige. „Make love not war“, meinte er lachend. Tochter Pauline war ebenfalls begeistert: „Es ist total schön, so eine gute Mischung zu haben.“

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Von Anh Tran

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