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Rostock Ticketpreise für Bus und Bahn steigen – Senator fordert Umdenken
Mecklenburg Rostock Ticketpreise für Bus und Bahn steigen – Senator fordert Umdenken
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14:36 29.12.2018
Fahrgäste steigen in eine Straßenbahn Am Kabutzenhof. Künftig müssen sie für die Fahrt mehr bezahlen. Quelle: OVE ARSCHOLL
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Rostock

 Die angekündigte Preiserhöhung im Verkehrsverbund Warnow (VVW) sorgt für Diskussionen: Ab Februar 2019 zahlen Fahrgäste in Rostock und dem Landkreis durchschnittlich 4,2 Prozent mehr für Bus und Bahn. Eine Einzelfahrt in der Hansestadt kostet dann zum Beispiel 2,30 Euro statt bisher 2,10 Euro. Die Kurzstrecke wird sogar um 30 Cent teurer und steigt auf 1,80 Euro. Auch für Wochen- und Monatskarten müssen Fahrgäste tiefer in die Tasche greifen (siehe Info-Kasten). Kritik kommt etwa von den Grünen, die Rostocker Straßenbahn AG (RSAG) rechtfertigt dagegen die Anhebung.

Oberbürgermeister-Kandidat und Grünen-Fraktionschef Uwe Flachsmeyer hält die Tariferhöhung für viel zu hoch: „Wir wollen den öffentlichen Nahverkehr in Rostock stärken. Dazu gehört ein gutes ÖPNV-Netz, aber natürlich auch eine attraktive Preisgestaltung.“ Ein Anstieg von bis zu 20 Prozent wie bei der Kurzstrecke sei nicht hinnehmbar, so Flachsmeyer. Auch fordert er, die Kosten für eine Einzelfahrt auf maximal zwei Euro zu begrenzen. „Wir sollten für Rostock generell neue Konzepte wie das 365-Euro-Jahresticket nach Wiener Vorbild prüfen, mit dem Bus und Bahn für einen Euro pro Tag genutzt werden können.“

Wirtschaftliche Gründe für Erhöhung

Die RSAG erklärt die neuen Preise mit wirtschaftlichen Gründen. Das städtische Unternehmen gehört neben der Deutschen Bahn, Rebus, der Weißen Flotte und der Mecklenburgische Bäderbahn Molli zum VVW. „Die Tariferhöhungen sind notwendig, um angesichts steigender Kosten bei Personal, Material, Energie und Bauleistungen die vorhandene Angebotsqualität aufrechtzuerhalten, ohne den Bedarf an Zuschüssen deutlich zu erhöhen“, sagt Andrej Kirschbaum, Teamleiter der RSAG-Angebotsplanung.

VVW-Geschäftsführerin Andrea Doliwa führt als Beispiele höhere Ausgaben für Instandhaltung, Strom und Diesel an. Gleichzeitig stiegen die Tarif-Gehälter der Mitarbeiter. „Da der VVW, im Gegensatz zu den meisten Verkehrsverbünden in Deutschland, die Preise nur alle zwei Jahre statt jährlich erhöht, fällt die Steigerung entsprechend höher aus“, ergänzt Kirschbaum. Die jetzige Anhebung entspreche der allgemeinen Inflationsrate. Diese habe im Jahr 2017 bei 1,8 Prozent und im Jahr 2018 bis November bei 2,3 Prozent gelegen.

Zuschüsse durch Stadt und Land sind eingefroren

Der unternehmerische Spielraum des VVW sei begrenzt durch die öffentlichen Gelder, die zur Verfügung gestellt werden, so Kirschbaum weiter. Die Politik müsse entscheiden: „In welchem Verhältnis sollen die Kosten des ÖPNV durch die Nutzer oder durch die Allgemeinheit, sprich den Steuerzahler, getragen werden?“ Für Rostocks Umweltsenator Holger Matthäus (Grüne) ist die Antwort klar: „Der Verkehrsverbund steht vor dem Problem, dass die Zuschüsse von Stadt und Landkreis seit Jahren nahezu eingefroren sind. Dieser Zuschuss sollte in Zukunft wieder steigen, um starke Tariferhöhungen zu vermeiden.“ Nur so könnten mehr Menschen in die öffentlichen Verkehrsmittel gelockt werden, ist Matthäus überzeugt.

Die RSAG erreicht nach eigenen Angaben jährlich rund 40,5 Millionen Fahrgäste. Zum Vergleich: 2012 waren es 39,5 Millionen. „Mit dem Verkehrskonzept ,Mobil 2016’ wurde das Angebot in vielen Stadtteilen attraktiver gestaltet, so dass pro Jahr etwa eine Million zusätzliche Fahrgäste unsere Verkehrsmittel nutzen“, sagt RSAG-Teamleiter Kirschbaum. Der VVW insgesamt erhöhte seine Passagier-Zahlen zwischen 2012 und 2017 von 61,6 Millionen auf 62,8 Millionen.

VVW: Tarif ist weiter attraktiv

Aus Sicht von Verkehrsverbunds-Chefin Doliwa enthält auch der neue Tarif ab Februar attraktive Angebote. Das Happy-Hour-Ticket zum Beispiel: Mit diesem können Fahrgäste für vier Euro von 19 bis 5 Uhr beliebig oft in Rostock fahren. Die Familien-Tageskarte soll eine günstige Alternative zur Gruppen-Tageskarte sein. „Familien sparen hier in Rostock im direkten Vergleich 3,60 Euro und bei Ausflugsfahrten ins Verbundgebiet bis zu 10 Euro“, sagt Doliwa.

Generell sei die Abo-Monatskarte in Rostock mit 48,33 Euro sehr attraktiv, zumal sie zur Nutzung aller öffentlichen Verkehrsmittel in der Hansestadt berechtigt, so Kirschbaum von der RSAG. Das Ticket beinhalte sogar die kostenfreie Mitnahme weiterer Personen abends und am Wochenende. „Das sind 1,59 Euro pro Tag für unbegrenzte Mobilität in Rostock. Das Unterhalten und Nutzen eines Autos ist deutlich teurer.“

Eine Untersuchung zeigte zuletzt, dass der Nahverkehr in Rostock einer der günstigsten bundesweit ist (OZ berichtete). Umweltsenator Matthäus fordert dennoch ein Umdenken: „Das gemeinsame Ziel ist es, viel mehr Fahrgäste zu befördern. Das schaffen wir mit den jetzigen Konzepten und Angeboten scheinbar nicht.“ Es müssten daher neue Wege gesucht werden – das kostenlose Schülerticket sei hier ein erster Schritt.

Die wichtigsten Änderungen

Eine Einzelfahrt kostet ab Februar 2,30 Euro statt wie bisher 2,10 Euro und die Kurzstrecke 1,80 Euro statt 1,50 Euro. Der Preis für die Tageskarte steigt von 5,20 Euro auf 6 Euro. Neu ist die 4er-Karte: Kunden zahlen hier 8,40 Euro für vier Einzelfahrten in Rostock.

Die Wochenkarte kostet in der Hansestadt künftig 20 Euro statt 18,50 Euro. Im Umland steigt ihr Preis von 13,50 Euro auf 14,40 Euro. Auch die neuen 4-er-Karten soll es dort für sechs Euro geben.

Mit dem neuen Happy-Hour-Ticket können Fahrgäste für vier Euro von 19 bis 5 Uhr beliebig oft in Rostock fahren. Ebenfalls neu ist die Tageskarte für Familien: Für 12,40 Euro können zwei Erwachsene und drei Kinder bis 14 Jahre oder ein Erwachsener mit vier unter 15-Jährigen beliebig oft am Tag fahren. Auch Abonnenten des Mobil-60-Tickets dürfen künftig drei Kinder kostenfrei mitnehmen.

Die Monatskarten kosten künftig zwischen 1,50 Euro und 3 Euro mehr.

André Wornowski

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