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Rostock Tier-Therapie in Diedrichshagen: Alpakas helfen heilen
Mecklenburg Rostock Tier-Therapie in Diedrichshagen: Alpakas helfen heilen
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17:34 30.08.2019
Jasmin (7) ist konzentriert: Das Füttern der Tiere bereitet ihr Freude. Quelle: Susanne Gidzinski
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Rostock

Behutsam öffnet Marco Wenzlaff das Tor zum Gehege. Mit eiligen Schritten kommen ihm vier Alpakas entgegen. Nur Dülan zögert. Es scheint fast so, als wolle sich der zwölfjährige Hengst erst einmal vergewissern, dass ihm keine lange Wanderung blüht, bevor er seinen Artgenossen folgt. „Nur die Tiere, die freiwillig kommen, werden in die Sitzung eingebunden“, sagt Wenzlaff. Dass Dülan tatsächlich den Auslauf betritt, überrascht ihn. „Eigentlich hat er sich die letzten Male immer gedrückt“, sagt der Ergotherapeut mit einem Augenzwinkern.

Seit mittlerweile neun Jahren führt Wenzlaff eine eigene Praxis in Warnemünde. Zusätzlich zur Verhaltenstherapie bietet er seinen Patienten eine Alpakatherapie in Diedrichshagen an, wo fünf seiner insgesamt 22 speziell ausgebildeten Tiere untergebracht sind. Der Rest lebt auf dem Gelände des Therapiezentrums in Charlottenthal. Dabei legt Wenzlaff großen Wert auf das Wohlbefinden seiner Alpakas. „Nur, wenn es den Tieren gut geht, können gute Sachen entstehen“, meint der Experte. Und so kann jedes Einzelne entscheiden, ob es Lust hat oder nicht.

Therapeuten auf vier Beinen

Nicht alle Tiere seien gleichermaßen für bestimmte Formen der Therapie geeignet. Jedes Alpaka habe seinen ganz eigenen Charakter. Eines aber haben sie gemeinsam: „Sie sind ungemein sensibel und empathisch.“ Wenzlaff kennt seine Tiere ganz genau und weiß stets, welchen seiner Vierbeiner er in welchen Situationen einsetzten kann. Im Fall von Jasmin, fällt seine Wahl auf Sebastian.

Tiere können beim Heilen helfen. Das weiß Ergotherapeut Marco Wenzlaff. 22 Alpakas unterstützen ihn bei der Therapie von Kindern und Jugendlichen. Einen Einblick hinter die Kulissen gibt es hier.

Die Siebenjährige sitzt im Rollstuhl und leidet unter dem sogenannten West-Syndrom – einer Form der Epilepsie. Infolge zahlreicher Anfälle sei ihr Gehirn beschädigt worden, wodurch sie bereits erworbene Fähigkeiten wie den lautsprachlichen Ausdruck teilweise vergessen habe. Auch ihre feinmotorische Bewegungsfähigkeit ist eingeschränkt. Wenn sie sich freut oder aufgeregt ist, winkt sie hektisch mit ihren Armen. Hier kommt Sebastian ins Spiel: „Er ist liebevoll, ruhig und absolut nicht schreckhaft“, sagt der Therapeut. Auf das Mädchen wirke er daher beruhigend.

Mit einer Schale voller Leckereien locken Jasmin und Marco Wenzlaff den Hengst zu sich. „Er ist unglaublich verfressen und lässt sich nur mit Futter etwas sagen“, meint der Ergotherapeut belustigt. Mit beiden Händen abwechselnd soll die Siebenjährige das Tier füttern, anfassen und die Leine halten. Dies sei wichtig, damit beide Seiten gleichermaßen stimuliert werden und die Feinmotorik gefördert werde. Immer wieder bricht das Mädchen in Lachen aus. Die Haare an Sebastians Oberlippe kitzeln sie.

Glücksbringer sorgen für Endorphin-Ausstoß

Im Beisein der Alpakas scheint Jasmin alles um sich herum zu vergessen. Konzentriert führt sie die Übungen aus – läuft sogar ein paar Schritte. „Bei Tieren ist sie sofort dabei. Das gefällt ihr“, berichtet ihre Mama Antje Karsten. Sie begleitet Jasmin zu den Sitzungen und beobachtet, wie sich diese voller Freude mit Sebastian befasst. „Es ist schön zu sehen, wie viel Spaß sie hat. Dafür lohnt sich der Weg hierher jedes Mal“, sagt sie und blickt zu ihrer Tochter, die das Alpaka nicht nur streichelt, sondern mit ganz viel Liebe umarmt.

Ob bei Behinderungen, psychischen Störungen oder Suchterkrankungen – Tiere können zur Heilung oder zumindest Linderung unterschiedlichster Symptome und Krankheiten eingesetzt werden.

Alpakas sind Glücksbringer. Bei Menschen bewirken sie einen Ausstoß von Bindungshormonen und Endorphinen, wodurch Glücksgefühle ausgelöst werden“, erklärt der Ergotherapeut die Reaktion des Mädchens. Nur Berührungen am Kopf mögen die Tiere nicht so gerne. „Dabei erweckt in ihnen der Fluchtinstinkt.“ Sebastian aber scheint es nicht zu stören. Ganz im Gegenteil, er freut sich über das Extrafutter.

Rasche Fortschritte

Seit dem Frühjahr besucht Jasmin die Therapie regelmäßig. Im Vergleich zu den ersten Sitzungen habe sie bereits riesige Fortschritte gemacht. „Sie hält jetzt deutlich länger durch, ist nicht so schnell schlapp, läuft und steht besser und ihre Armbewegungen sind koordinierter“, resümiert Wenzlaff. Der Erfolg sei allerdings nicht alleine auf die Alpakatherapie zurückzuführen. Einen wesentlichen Teil habe die Ergotherapie beigetragen. „Die Arbeit mit den Tieren bieten wir ergänzend an. Nicht alle Kinder machen das so regelmäßig wie Jasmin. Die einen brauchen das mehr, die anderen weniger.“  Vor allem bei Behinderungen, Wahrnehmungs- oder Persönlichkeitsstörungen und psychischen Erkrankungen kommen die Alpakas zum Einsatz, weil sie die Menschen motivieren und ihnen ein gutes Gefühl vermitteln.

Schafe der Anden

Die Alpakatherapie kommt aus den USA und existiert seit über 20 Jahren als gleichwertige Alternative zur Delfintherapie. Die Ansätze und Ziele beider Therapien ähneln sich sehr. Das Tier fungiert als Helfer, indem es den Therapeuten in seiner Arbeit unterstützt. Es motiviert den Patienten, weckt versteckte Ressourcen und regt zur Kommunikation an.

Alpakas gehören zur Familie der Kamele und sind seit 5000 Jahren in Südamerika domestiziert. Damit gehören sie zu einer der ältesten Haustierrassen der Welt. Sie wurden aufgrund ihrer besonders weichen Wolle gezüchtet und werden auch als Schafe der Anden bezeichnet.

Neben seinen beiden Praxen in Warnemünde und in Rostock am Wasserturm betreibt Marco Wenzlaff ein Therapiezentrum in Charlottenthal. Am 6. September können Interessierte die Einrichtung zwischen 17 Uhr und 19 Uhr besichtigen. Die Therapeuten stellen ihr Konzept vor.

Von Susanne Gidzinski

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