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Rostock Tierheim Schlage setzt auf ehrenamtliche Gassigeher und Katzenstreichler
Mecklenburg Rostock Tierheim Schlage setzt auf ehrenamtliche Gassigeher und Katzenstreichler
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19:43 08.12.2019
Mischlingshund „Cooper“ freut sich über die Aufmerksamkeit von der ehrenamtlichen Helferin Marisa Wirth. Quelle: Katharina Ahlers
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Schlage

Aufgeregt springt Airedale-Terrier-Mischling „Enno“ gegen die Gitterstäbe seines Zwingers im Tierheim Rostock-Schlage. Der Rüde kann es kaum erwarten: An der Tür steht Verena Wollschläger, um ihn zum Spaziergang abzuholen und ihm die Aufmerksamkeit zu schenken, für die im Tierheim nicht immer genug Zeit ist. Etwa 30 Hunde sind hier gerade untergebracht und die Mitarbeiter sind den ganzen Tag im Einsatz, um ihnen ein angenehmes Zuhause auf Zeit zu bieten.

„Unsere ehrenamtlichen Gassigeher nehmen uns viel Arbeit ab“, sagt Angelika Streubel, Vorsitzende des Rostocker Tierschutzvereins. „Wenn sie mit den Hunden spazieren gehen, können wir in der Zeit andere Dinge erledigen.“ 20 Ehrenamtler helfen aktuell beim Tierheim aus. Zu ihnen gehört auch Verena Wollschläger.

Ein gutes Verhältnis zu den Tieren

Die ehrenamtliche Arbeit bezeichnet sie als großes Privileg. „Wir können uns die Hunde aussuchen und uns Zeit nehmen“, erklärt die 38-Jährige. Die Tierpfleger hätten diese Zeit nicht. Sie müssen dafür sorgen, dass alle rauskommen, zu fressen haben, sauber sind. „Und man ist der Arsch, der den Hund zum Tierarzt fährt. Zu uns ehrenamtlichen Helfern haben die Tiere ein anderes Verhältnis. Wir sind die, die immer Spaziergänge machen, immer Leckerlis dabeihaben.“

Wollschläger hat „Enno“, mit dem sie gern Fahrrad fährt, ins Herz geschlossen. „Er ist sehr wild und braucht einen Besitzer, der damit umgehen kann“, sagt sie.

Verena Wollschläger engagiert sich ehrenamtlich im Tierheim und kümmert sich unter anderem um Airedale-Terrier-Mischling „Enno“. Quelle: Katharina Ahlers

„Schicksale nicht zu sehr an sich heranlassen“

Jeder Gassigeher muss zuvor einen Lehrgang im Tierheim absolvieren, bei dem der Umgang mit den Hunden geschult wird. „Viele denken, die Hunde sind superdankbar, wenn man mit ihnen spazieren geht, und zeigen das auch. Es ist aber nicht so, dass sie hier superzufrieden sind“, weiß Gassigeherin Marisa Wirth. „Die Tiere haben natürlich Stress und möchten am liebsten sofort hier raus.“ Darauf müsse man eingestellt sein.

Genauso sei es wichtig, mit dem Leid der Tiere umgehen zu können und die Schicksale nicht zu nah an sich heranzulassen. „Wenn man mit einem Hund rausgeht, lässt man die anderen bellend im Zwinger zurück. Und wenn man mit seinem Hund zurückkommt, ist der oft traurig, dass er wieder alleingelassen wird. Das ertragen viele nicht und kommen dann nicht mehr. Aber damit machen sie die Situation ja noch schlechter“, nennt Wirth ein Beispiel.

Helfen bringt Freude

In diesem Jahr wollen wir – gemeinsam mit Ihnen, liebe Leserinnen und Leser – den Tieren und dem Team des Tierheimes in Schlage helfen. Diese großartige Institution lebt vom Engagement ihrer Helfer. In einer ehemaligen Rinderzuchtanlage haben sie eine Oase für geschundene und vergessene Tiere geschaffen. Doch auch nach 30 Jahren hapert es hier und dort. Das große Haus für Katzen und Hunde etwa ist bis heute nicht beheizt. Das möchten die Tierschützer ändern. Sie wollen den Tieren Wärme schenken. Und wir möchten ihnen dabei helfen. Bitte helfen auch Sie – mit einer Spende. Jeder noch so kleine Betrag ist willkommen.

Spendenkonto

Empfänger: Rostocker Tierschutzverein e.V.

Iban: DE 94 1305 0000 0290 0015 01

BIC: NOLADE21ROS

Verwendungszweck: Spende: OZ-Weihnachtsaktion 2019 Helfen bringt Freude

Alle Spender werden in der OZ veröffentlicht. Sollten Sie dies nicht wünschen, vermerken Sie dies bitte auf der Überweisung. Spenden an den Tierschutzverein können gegen Vorlage eines Überweisungsbeleges beim Finanzamt steuerlich geltend gemacht werden.

Kontakt zu ehemaligen Schützlingen

Die beiden Ehrenamtler versuchen, einmal pro Woche, meist am Wochenende, vorbeizukommen. „Unser oberstes Ziel ist, dass jeder Hund einmal am Tag rauskommt“, sagt Wollschläger. Gerade an Tagen, an denen nur wenige Gassigeher vor Ort sind, fallen die Spaziergänge daher kürzer aus, um die Zeit auf alle Tiere aufzuteilen. „Wenn ich zwei Stunden da bin und eine Stunde mit einem Hund spazieren gehe, dann schaffe ich nur zwei“, sagt Wirth. „Dann gehe ich lieber 20 Minuten und ermögliche sechs Hunden den Spaziergang.“

Bis März hatte die Rostockerin jedoch einen Liebling: Schäferhund Aaron. „Das war meiner, für den bin ich oft hergekommen.“ Sie strahlt und blickt auf ihr Handy. „Im März hat er endlich ein Zuhause gefunden und jetzt freue ich mich über jedes Whatsapp-Bild, das mir sein Besitzer schickt. Aaron hat es wirklich gut getroffen.“

Die Erfolgsgeschichten sind es, die die 27-Jährige motivieren. „Ich habe das Gefühl, dass ich etwas mache, das was bringt“, sagt sie. „Wer sich länger mit einem Tier beschäftigt, sieht, dass es ihm besser geht, wenn man ihm Aufmerksamkeit schenkt.“

Mischlingshund „Cooper“ freut sich über die Aufmerksamkeit von Marisa Wirth.  Quelle: Katharina Ahlers

OZ-Spendenaktion soll den Tieren Wärme schenken

Zum Wohlbefinden der Tiere soll neben der Beschäftigung durch die Ehrenamtler eine Heizung beitragen. Dafür sammelt das Tierheim im Rahmen der OZ-Weihnachtsaktion „Helfen bringt Freude“ Geld. „Eine Heizung ist ein kleiner Wunsch, mit dem man viel erreichen kann, was die Lebensqualität betrifft“, ist Wollschläger sicher. „Dieses Zuhause-Gefühl ist schön.“

Sie betont, dass das Tierheim dringend auf Unterstützung angewiesen ist. „Es ist ein wenig auch die Auffangstation für das, was in unserer Gesellschaft schiefläuft. Es muss viel leisten, aber bekommt nicht das Geld, um das optimal bieten zu können.“

Katzenstreichler helfen bei der Sozialisierung

Wer nicht mit den Hunden spazieren möchte, kann sich auch um die anderen Tiere in Schlage kümmern. Unter anderem werden auch Katzenstreichler gesucht.

„Streicheleinheiten sind wichtig“, weiß die Auszubildende Nicole Kutschera. Die 26-Jährige hält Kater Muckel im Arm. „Gerade für Katzen, die vorher keine Sozialkontakte hatten, ist das schön.“ So sei es möglich, dass scheue oder aggressive Katzen durch die menschliche Nähe schließlich sehr verschmust werden.

Nicole Kutschera streichelt Kater Muckel. Quelle: Katharina Ahlers

„Das ist auch wichtig für die Vermittlung“, weiß die Vorsitzende Angela Streubel. „Oft kommen scheue und verängstigte Katzen ins Tierheim. Diese haben dann kaum eine Chance, vermittelt zu werden.“

Weitere Arbeitsfelder für Ehrenamtler

Das Tierheim biete Möglichkeiten, sich einzubringen und vielfältig zu engagieren, sagen die beiden Frauen. „Die Fähigkeit, zu sehen, wo Hilfe gebraucht wird, ist wichtig“, betont Marisa Wirth.

Weitere Arbeitsfelder seien die Unterstützung von Festen, die Öffentlichkeitsarbeit oder als Pflegestelle vorübergehend Tiere aufnehmen. „Wenn jemand handwerklich begabt ist und zum Beispiel was für die Katzen bauen will, ist er auch willkommen“, sagt Wollschläger.

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Von Katharina Ahlers

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