Menü
Ostsee Zeitung | Ihre Zeitung aus Mecklenburg-Vorpommern
Anmelden
Rostock So kreativ bauen Rostocker Boote aus Pappe
Mecklenburg Rostock So kreativ bauen Rostocker Boote aus Pappe
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
Jetzt kostenlos Testen Zur Anmeldung
20:28 20.07.2019
Beeindruckende Show: Das Siegerteam "Dead man sinks" hatte Pyrotechnik eingebaut und den Teufel auf die Strecke geschickt. Quelle: Claudia Labude-Gericke
Anzeige
Rostock

 „Das Wichtigste ist, nicht zu dehydrieren“, sagt Jan und reicht Simon ein isotonisches Getränk, das auch Hopfen und Malz enthält. Die beiden Männer arbeiten bei der Firma Cortronik und treten an diesem Samstag zusammen mit ihren Kollegen Aiyappa und Ole beim Wiro-Pappcup an.

Neun Teams gingen am Samstag im Stadthafen an den Start. Nur eines der Boote schaffte es dabei nicht ins Ziel. Spaß hatten dabei aber alle Teilnehmer – und auch die Zuschauer.

Dass sie einen Plan haben, wie aus 14 Quadratmetern Pappe und vier Rollen Klebeband ein schwimmfähiges Boot wird, verdanken die Männer ihrer Kollegin Lea. Sie hat eigens eine Konstruktionsskizze angefertigt. „Wir haben uns zur Vorbereitung zweimal getroffen – Probe gebaut hatten wir ja quasi letztes Jahr schon“, so Jan schmunzelnd.

2018 wären sie bei dem sportlich-spaßigen Rennen an den Hafenterrassen auf dem dritten Platz gelandet – mit einer Sekunde Abstand zum Zweitplatzierten. In diesem Jahr sei der Titel fällig, findet das Quintett, das sich den Teamnamen „Dead man sinks“ gegeben hat.

Welcher der Fünf den 150 Meter langen Parcours paddelt, können die Zuschauer nur erahnen. Schließlich versteckt sich Simon hinter einer Teufelsmaske. Nachdem das Team sein Boot zu Wasser gelassen hat, geht ein Raunen durch die Menge: „Wir haben noch eine kleine Pyro-Überraschung eingebaut“, kommentiert Jan den roten Dampf, der aus dem Heck des Bootes aufsteigt.

Auf dem Wasser läuft dann alles glatt – zwischen Start und Ziel liegen bei Simon nur eine Minute und 35 Sekunden. Das bringt seiner Mannschaft am Ende den lang ersehnten Titel.

„Die Rennzeit ist aber nur ein Element der Wertung“, sagt André Rusch, der die Idee zum 2007 erstmals ausgetragenen Wettstreit hatte. Zusammen mit Axel Lange bewertet er nach Ablauf der zweistündigen Bauzeit die neun Boote. „In diesem Jahr ist die Konstruktion nicht ganz so mutig, da wurde alles richtig gut abgedichtet“, bilanziert Rusch während der Wertung.

Freude über jeden, der das Ziel erreicht

Punkte gibt es neben der Bauweise aber auch für Kreativität, die sich in Verkleidungen, Team-T-Shirts oder Mannschaftsnamen wie „Feuchter Traum“ äußert. Hinter Letzterem verbergen sich die Badminton-Freunde Mike, Micha, Schorsch, Dennis und Felix. „Im letzten Jahr ist unser Boot direkt nach dem Start gekentert“, beschreibt Felix den „Feuchten Albtraum“ des Teams. In diesem Jahr hätten sie deshalb „die Wasserverdrängung und die Konstruktion überarbeitet, ohne an der Seitensteifigkeit des Bootes einzubüßen“, sagt Felix, der laut seines T-Shirts Projektmanager des Teams ist.

Auch wenn es am Ende nicht für einen Platz auf dem Treppchen reicht – die Freude ist groß, dass es das Boot diesmal ins Ziel geschafft hat.

„Gut gepfuscht ist halb gewonnen“

Das ist bei dem Exemplar der „Kanupaddler“ fraglich. Obwohl als „Rakete“ angekündigt, hat Paddler Cedric Mühe und Not, das Pappboot ins Ziel zu retten. Beim Bau war das Team noch frohen Mutes gewesen. „Schwimmfähig wird es auf jeden Fall“, so Teammitglied Andreas. Ein großes Konzept hat die Runde von Sportfreunden aber vorher nicht gehabt. „Es gibt zwar einen Plan, aber der sieht nicht so aus wie das, was wir jetzt haben. Aber egal: Gut gepfuscht ist halb gewonnen“, so Alexander vor dem Start.

Punkte fürs Rennen, Konstruktion und Kreativität

Die schnellste Zeit legen am Samstag die Stamm-Teilnehmer der Wironauten hin. Ihr Paddler meistert den Parcours in einer Minute und 22 Sekunden. Am Ende reicht es durch die Punkte für Konstruktion und Kreativität nur für Platz drei. Den mittleren Platz belegen die Vorjahressieger von den Landratten.

Die schlechteste Konstruktionswertung erhält ausgerechnet das Team, das einen Athleten dabei hat, der das Element Wasser und den Aufbau von Booten kennen müsste. Schließlich ist Franz Polchow vor gut zwei Wochen Norddeutscher Vizemeister im Kanurennsport geworden. „Allerdings auf der Langstrecke von 5000 Metern, nicht auf 150“, sagt der Sportler des SC Neubrandenburg.

Aufgrund seiner Größe nimmt Polchow auch gar nicht selbst im Boot Platz, sondern überlässt Teamkamerad Thomas das Paddel des wackligen Pappbootes. „Wir hatten einen Plan, denn wir wissen ja auch, wie Rennboote schwimmen. Aber die Zeit war unser größtes Problem. Kurz vor knapp haben wir noch mal alles umgeschmissen“, sagt der Kanute. Die größte Angst seines Teams, nämlich, dass das Boot untergeht, wird schon am Start wahr. Kaum hat Paddler Thomas die Bojen durchfahren, gibt die Pappe auf.

Im nächsten Jahr gibt es weniger Klebeband

Die Zuschauer an der Kaikante applaudieren besonders laut. „Viele freuen sich ja gerade darauf, dass auch mal ein Boot untergeht“, sagt André Rusch. Weil die Teilnehmer immer professioneller werden, will er deshalb die Regularien ändern. „Im nächsten Jahr gibt es eine Rolle Klebeband weniger“, kündigt der Organisator an. Die Teilnehmer des diesjährigen Pappcupps wollen die Herausforderung annehmen. „Wir wissen nun ja zumindest schon mal, wie es nicht geht“, sagt Franz Polchow, bevor er die nassen Pappreste, die mal ein Boot waren, aus dem Weg räumt.

Claudia Labude-Gericke

Gräben ziehen und Berge versetzen wie ein Profi – diesen Sandkastentraum können sich Bagger-Fans in der Nähe von Rostock erfüllen. Fuhrpark, Events, Preise: Das erwartet Sie auf dem Spielplatz „Baggertelle“.

23.07.2019

Heiraten ist in und viele Paare trauen sich. Mit Mainstream geben sich die Ja-Sager aber nicht mehr zufrieden. Sie suchen das Besondere, das Exklusive. Das will Toni Greinert Paaren bieten, mit einem außergewöhnlichen Event.

21.07.2019

Rund 230, meist junge Rettungsschwimmer aus sechs Nationen sind nach Rostock gereist, um sich vom 18. bis 20. Juli miteinander zu messen. Mecklenburg-Vorpommern ist mit einem achtköpfigen Team aus Anklam vertreten.

19.07.2019