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Rostock Tonnenweise Laub: Bauhöfe in MV kämpfen mit Blätterbergen
Mecklenburg Rostock Tonnenweise Laub: Bauhöfe in MV kämpfen mit Blätterbergen
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12:48 29.10.2019
Der Herbst beschert Mitarbeitern von Bauhöfen jede Menge Arbeit. Quelle: Saskia Bücker
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Rostock

Der Herbst er-Laub-t sich was: Kaum sind die Blätter weggeharkt, schon lässt er den nächsten bunten Regen aus den Baumkronen rieseln. Für die Bauhöfe Mecklenburg-Vorpommerns fällt die Arbeit derzeit buchstäblich vom Himmel. Weil sich die Bäume in Gärten, Parks und Alleen entblättern, haben sie alle Hände voll zu tun.

In Rostock rücken die Mitarbeiter der Stadtentsorgung täglich mit Harken, Kehrmaschinen und Abfallsaugern aus. Dabei kommt ganz schön was zusammen: 35 Kubikmeter Kehrgut fallen pro Tag an, sagt Steffen Böhme, Sprecher der Stadtentsorgung. Weil darin neben Blättern auch Plastik, Scherben und ähnlicher Müll stecken, könne das Laub nicht kompostiert werden. „Wir geben es an einen Verwerter.“

Aus Grün wird Erde

Was auf Rostocks Recyclinghöfen zusammenkommt, wird dagegen zu wertvoller Erde: Grünschnitt und Bioabfälle landen im Kompostwerk Parkentin, sagt Böhme. Insgesamt 17 solcher Anlagen gibt es dem Landesamt für Umwelt, Naturschutz und Geologie zufolge in MV.

Auf Wiederverwertung setzt auch Bad Doberan. Was die Bauhof-Mitarbeiter zusammentragen, werde zum großen Teil kompostiert, sagt Jochen Arenz, Bürgermeister der Münsterstadt. Die „Blätter-Jagd“ – ein buchstäblich schwerer Job. Vor allem, wenn sich das Laub mit Morgentau oder Regen vollgesogen hat.

Blätterregen mit Folgen

Was Kinder und Bastelfans in trockenem Zustand erfreut, kann nass schnell zur Gefahrenquelle werden. Damit Radfahrer und Fußgänger nicht ausrutschen und Gullys frei bleiben, legt sich der Bauhof ins Zeug.

„Wir planen dafür mehr Mitarbeiter ein und sind auch technisch bestens ausgerüstet“, sagt Arenz. Ganz Herr werden könne man dem herbstlichen Blätterwirbel trotzdem nicht. „Sobald man am Ende ankommen ist, kann man quasi von vorn beginnen“, sagt Arenz.

130 Tonnen pro Saison

Damit Stralsunds Parks und Straßen nicht im Blättermeer versinken, rücken von Oktober bis Dezember Mitarbeiter der städtischen Abteilung Straßen und Stadtgrün aus. „Das gesammelte Laub wird zentral zwischengelagert und nach Ende der Saison fachgerecht entsorgt. Je nach Feuchtegehalt kommen pro Saison circa 130 Tonnen Laub zusammen“, sagt Stadtsprecher Peter Koslik.

Wie viel die Blätterberge wiegen, kann Wismars Stadtsprecher Marco Trunk zwar nicht beziffern, aber die Last, sie zu beseitigen, werde auf viele Schultern verteilt: Neben dem Entsorgungs- und Verkehrsbetrieb sammeln auch Hausmeister der Stadt, Schulhausmeister und die Mitarbeiter des Friedhofs Laub ein. „Es wird kompostiert“, so Trunk.

Gewusst? 5 Fakten übers Laub

In Deutschland wachsen Schätzungen zufolge neun Milliarden Bäume, knapp 40 Prozent davon sind belaubt. Die meisten davon stehen im Wald.

Eine hundertjährige Bucheverliert im Laufe eines Jahres mehr als eine halbe Million Blätter. Eine Rosskastanie wirft um die 25 Kilo Laub ab.

Wenn Eichen erröten oder Ahorn sich gelb färbt, dann naht der Winter. Wenn die Tage kürzer werden und wenig Licht zur Verfügung steht, fährt der Baum die Photosynthese runter. Das Chlorophyll (Blattgrün) in den Blättern wird abgebaut und der Rest bis zum Frühjahr in Stamm, Ästen und Wurzeln eingelagert. Damit kommen die gelblichen und rötlichen Pigmente zum Vorschein.

Laub ist nicht gleich Laub! Blätter von Erlen, Eschen und Ulmen sind meist schon nach einem Jahr völlig zersetzt. Bei Eichen, Buchen und Pappeln kann das hingegen drei Jahre dauern. Der Grund dafür: der hohe Gerbstoffgehalt.

Es geht um Leben und Tod: Würden Bäume auch winters ein Blätterkleid tragen, könnten sie vertrocknen. Denn den Großteil des Wassers, das Bäume über ihre Wurzeln aufnehmen, verdunsten sie über ihre Blätter. In der kalten Jahreszeit können die Wurzeln aber nur vergleichsweise wenig Wasser aus der Erde saugen. Würden die Blätter auch dieses bisschen abgeben, wäre das für den Baum das Ende.

Das Laub, das Greifwalds Straßenreinigung auf den Straßen aufkehrt, werde zum Entsorgungsfachbetrieb Reymondis geliefert, erklärt eine Stadtsprecherin. Was auf den Geh- und Radwegen landet, an der die Stadt selbst Anlieger ist, werde dagegen auf den jeweiligen Randstreifen gefegt. Ausnahmen sind die Kastanienallee in der Wolgaster Straße und Teile des Walls. Damit sich die Miniermotte nicht weiter ausbreitet, werden dort aufgeharkte Blätter gesondert entsorgt.

Bußgeld für Fege-Muffel

Die Kommunen kümmern sich nur um öffentliche Wege und Plätze. Abseits davon sind Privatleute in der Pflicht. Doch es gibt Ausnahmen. Zum Beispiel Bad Doberans Dammchaussee. Da harken zwar die Anwohner die Blätter selbst zusammen. „Aber die Bäume werfen so viel ab, dass wir das Laub für die Bürger unentgeltlich abfahren“, sagt Bürgermeister Arenz.

Wer wo fegen muss, ist in den Straßenreinigungssatzungen der Kommunen geregelt. Sie besagen in der Regel, dass Eigentümer und Vermieter Geh- und Radwege, die an ihr Grundstück grenzen, laubfrei halten müssen. Wer seiner Kehrpflicht nicht nachkommt oder sie zumindest an einen Hausmeisterdienst oder Mieter delegiert, riskiert ein Bußgeld.

Laubrente für Nachbars Blätter

Dabei müssen die Blätter noch nicht mal von eigenen Bäumen stammen: Auch was vom Nachbarn herüberweht, muss beseitigt werden. Geht der Aufwand allerdings über ein gewisses Maß hinaus, könnte der Betroffene unter Umständen auf finanzielle Entschädigung, die sogenannte Laubrente, klagen.

Auch wenn der Herbst es mit dem Blätterregen gerade ziemlich bunt treibt: Die Natur kann manchmal auch hilfreich sein. Wenn der Wind günstig steht, werden Wege wie von selbst wieder freigeweht. Und wer der Tierwelt etwas Gutes tun will, lässt Blätter im eigenen Garten am besten einfach liegen. Igel & Co. freuen sich über das Winterquartier.

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Von Antje Bernstein

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