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Rostock Trauer um „Morty“: Männer treten in Rostock Igel tot – harte Strafen gefordert
Mecklenburg Rostock Trauer um „Morty“: Männer treten in Rostock Igel tot – harte Strafen gefordert
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18:50 08.11.2019
Der Igel ist in der Nacht seinen inneren Verletzungen erlegen. Ein Augenzeuge hatte ihn in die Tierklinik gebracht und „Morty“ getauft. Quelle: privat
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Rostock

Sie sollen ihn wie einen Fußball getreten und in einer Mütze liegend gegen parkende Autos geschleudert haben: Drei Männer haben am Donnerstagabend im Rostocker Szeneviertel Kröpeliner-Tor-Vorstadt einen Igel brutal gequält.

Ein Anwohner beobachtete die Tat und rief die Polizei. „Ich habe draußen hirnloses Gebrüll gehört und aus dem Fenster geschaut“, schildert der Augenzeuge das Geschehen. Zuerst habe er nur gesehen, wie sich Männer mit etwas Braunem bewerfen. „Dann rief eine Frau auf der Straße: ‚Das ist ein Igel.‘“ Daraufhin habe er den Notruf gewählt.

Stachel stecken in Autoreifen

Nach rund fünf Minuten treffen die Beamten am Tatort ein und stellen unter anderem fest, dass in einem Autoreifen noch Stacheln des Tieres stecken. Sie nehmen die Personalien von drei Männern auf – 18, 23 und 27 Jahre alt. Die Täter müssen sich wegen vorsätzlicher Tierverletzung verantworten. In Paragraf 17 des Tierschutzgesetzes heißt es dazu: Wenn jemand „aus Rohheit ein Tier quält oder misshandelt“, kann dafür eine Geldstrafe oder bis zu drei Jahren Freiheitsstrafe verhängt werden.

Der Igel kommt sofort in die Rostocker Tierklinik, kann aber nicht mehr gerettet werden. „Leider ist das Tier seinen Verletzungen erlegen und trotz intensiver Therapie verstorben“, teilt ein Kliniksprecher mit. Der Augenzeuge erfährt am nächsten Tag gegen Mittag von dem Tod: „Meine Freundin und ich hatten noch gehofft, dass wir vielleicht Glück haben und ihn auf dem Hinterhof über den Winter durchfüttern können.“ Sie hatten dem Igel sogar schon einen Namen gegeben: „Morty“.

Rostocker Igelpflege erstattet ebenfalls Anzeige

An der Ecke Patriotischer Weg/Am Kabutzenhof ist der Igel gequält worden. Hier brannten zuletzt auch drei Autos. Quelle: André Horn

Michaela Kleinsorge von der Igelhilfe Rostock-Diedrichshagen schüttelt mit dem Kopf: „Leider gibt es solche Fälle immer häufiger.“ Erst im Sommer seien Kinder abends mit Taschenlampen durch den Stadtteil Groß Klein geradelt, um Igel herauszulocken – und diese dann auf der Straße totzutreten. „Ich frage mich, woher das kommt. Jahrelang hat es so etwas nicht gegeben, nun gibt es bundesweit immer mehr solcher Berichte“, sagt Kleinsorge.

Die Rostocker Tierliebhaberin hat nun ebenfalls Anzeige gegen die Täter erstattet – wegen Verstoßes gegen das Bundesnaturschutzgesetz. „Igel sind eine besonders geschützte Art“, betont die 58-Jährige. Seit 2013 betreibt sie dieIgelhilfe in Diedrichshagen. Auf ihrem Grundstück hat sie ein 400 Quadratmeter großes Freigehege angelegt, um kranke Tiere wieder aufzupäppeln.

So kann Igeln jetzt geholfen werden

Inzwischen würden die meisten Igel Winterschlaf halten. „Jetzt sind nur noch Jungtiere unterwegs, die ihr Gewicht noch nicht haben“, sagt Kleinsorge. Igel, die weniger als 650 Gramm wiegen, müssen weiter nach Nahrung suchen. „Das ist im Stadtgebiet aber schwierig.“

Sind Igel in der aktuellen Jahreszeit abends oder nachts unterwegs, brauchen sie dennoch keine Hilfe. „Nur wenn sie tagsüber zu sehen sind, ist etwas nicht in Ordnung“, sagt Kleinsorge. Auch wenn die Tiere abgemagert wirken oder schlapp auf dem Boden liegen, ist Unterstützung notwendig. „Katzenfutter hilft, damit die Igel ihr Gewicht für den Winterschlaf erreichen“, sagt die Expertin.

Harte Strafen gegen Täter gefordert

Kleinsorge und der Augenzeuge fordern harte Strafe gegen die Täter. „Es ist kein Spaß, wenn Menschen Tiere quälen“, sagt der Anwohner. Er habe bereits einen Aufruf gestartet, dass sich weitere Zeugen melden sollen.

Kurios: Am Morgen nach der Tat bekam Kleinsorge einen Anruf von der Hamburger AfD. „Die wollten wissen, ob die Täter Ausländer sind.“ Laut Polizei waren aber alle Beteiligten Deutsche. Der Anwohner bestätigt das und ergänzt: „Aus der Gruppe waren ausländerfeindliche Parolen zu hören.“

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Von André Horn

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