Trendsport Hyrox: Athleten aus Rostock starten bei WM
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Rostock Fitness-Event Hyrox: Sportler aus Rostock starten bei WM
Mecklenburg Rostock Fitness-Event Hyrox: Sportler aus Rostock starten bei WM
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20:01 11.03.2019
Dustin Holz, Gunnar Preuß, Tobias Tanz und Chris Schiller (v.l.) treten bei der Hyrox-WM an. Quelle: privat
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Stadtmitte

Die Muskeln brennen wie Feuer, das Herz rast, die Schweißperlen kullern. Dieser Parcours bringt selbst Extremsportler an ihre Grenzen: Hyrox – das ist Zirkeltraining, nur hundertmal krasser und gerade Top-Trend in Deutschlands Fitnessszene. Das Hallensport-Ereignis tourt quer durch die Hallen der Republik und verspricht Teilnehmern knallharte Action, Spaß und kollektiven Muskelkater. Denn wer hier startet, spürt noch Tage später, was er geleistet hat. Bei Hyrox wechseln sich Ein-Kilometer-Läufe mit acht Workouts aus dem Functional-Fitness-Bereich – etwa Gewichtschleppen – ab. Das klingt nicht nur anstrengend, das ist es auch. „Ich hab’ schon bei vielen Sportevents mitgemacht, aber das Ding ist heftig“, sagt Gunnar Preuß (33). Und dennoch ist er heiß darauf. Mehr noch: Der Personal Trainer aus Rostock will zusammen mit seinen Kumpels Tobias Tanz (31), Dustin Holz (28) und Chris Schiller (30) bei der Hyrox-Weltmeisterschaft in Oberhausen antreten.

Eigentlich wollten sie Hyrox nur zum Spaß ausprobieren. Doch bei einem Start blieb es nicht. „Wir haben uns mit dem Hyrox-Virus infiziert“, scherzt Gunnar Preuß. So ergeht es vielen: Die Competition für Jedermann zieht von mal zu mal mehr Teilnehmer an. Bis zu 3000 Leute quälen sich durch den Parcours. „Das ist die ultimative Herausforderung“, erklärt Tobi Tanz die Popularität. Die verdanke Hyrox auch seiner Vielfalt. Die Übungen sind so konzipiert, dass jeder, der gern Sport treibt, sie meistern kann. Die Community wachse rasant und stehe dennoch ganz am Anfang, glaubt Gunnar Preuß. „Das wird durch die Decke gehen.“ Demnächst soll die Hyrox-Welle, die 2017 in Hamburg ihren Ursprung nahm, sogar auf den US-Markt überschwappen.

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Sportpromis gehen ans Limit

Gegenseitiges Kräftemessen spielt in der Fitness-Szene seit jeher eine große Rolle – offline im Studio, digital durch Smartwatches und Apps, über die jeder Fortschritt mit Freunden geteilt wird. Hyrox macht aus dem Schlagabtausch ein Massenevent mit stets aktualisierten Bestenlisten. Das befördert den Hype. Der wird von der Agentur Upsolut Sports geschickt vermarktet: Sportpromis machen mit, namhafte Sportartikelhersteller sind Partner.

Wer die Workouts meistern will, muss ordentlich Power mitbringen.

Die Starter treten einzeln oder in Zweier-Teams an, getrennt nach Amateur- und Profiklasse. In letzterer will sich das Quartett aus Rostock beweisen. Wer aber glaubt, Hyrox sei Kräftemessen für Kerle, irrt. Laut Veranstalter liegt die Frauenquote bei rund 40 Prozent. Mit Muckis allein kann bei Hyrox keiner was reißen. Was zählt, ist das Gesamtpaket aus Ausdauer, Kraft und unbändigem Willen, sich über die Schmerzgrenze hinaus zu quälen. Das vermeintliche Limit ist selbst bei topfitten Athleten wie Gunnar Preuß, der 2012 Europameister im Jui Jitsu wurde, schneller erreicht als gedacht. „Schon die zweite Station zerstört dich.“ Dort wartet ein Schwergewicht: Männer, die in der Pro-Klasse starten, müssen einen mit 175 Kilo bepackten Schlitten zwei mal 25 Meter weit schieben. „Danach fragst du dich: Wie soll ich jetzt noch weiterlaufen? Aber irgendwie geht’s doch.“ Mentale Stärke sei bei Hyrox fast noch wichtiger als körperliche, sagt Dustin Holz. Und wenn er den inneren Schweinehund allein nicht zum Schweigen bringt, springen ihm seine Teamkollegen bei: Zwar starten die Vier jeder für sich, aber sie feuern sich gegenseitig an. „Das pusht.“

Extremsportler führt Bestenliste an

Die Quälerei schweißt zusammen: Gunnar Preuß und Tobi Tanz haben gemeinsam Sport studiert, sich dann aber aus den Augen verloren. Jetzt trainieren sie im Team und reisen zu Fitnessevents. Auch Dustin Holz haben die beiden durch den Sport kennengelernt. Der Stralsunder lässt sich von Gunnar Preuß drei mal pro Woche in dessen Studio Bodyturn fitmachen. Mit Erfolg: Der dreifache Vater hat binnen zehn Monaten 14 Kilo abgespeckt und ordentlich Muskeln aufgebaut. Für die WM legt er eine Schippe drauf: Den heimischen Garten hat Dustin Holz mit Hyrox-Trainingsgeräten bestückt.

An ihm beißen sich bislang alle die Zähne aus: Lukas Storath, Extremsportler aus Nürnberg, ist das Maß der Dinge in der Hy(rox)-Society. Er schaffte den Parcours in 58:39 Minuten. „Der Mann ist eine Maschine“, sagt Dustin Holz anerkennend. Doch auch das, was bei ihm auf der Stoppuhr stand, ist respektabel: eine Stunde und 19 Minuten. Im Parcours auch nur eine Minute aufzuholen, sei enorm schwer, sagt Tobi Tanz. „Man muss sich seine Kräfte einteilen und seinen Körper gut kennen.“ Er hat beides drauf: Der Sportwissenschafts-Doktorand und Yogalehrer hat es in die Elite Wave geschafft – die Top 20 der Hyrox-Männer. Das hebt die Ansprüche. Seinen 18. Platz will der 31-Jährige mindestens verteidigen, wenn nicht ausbauen. Aktuell liegt seine Bestzeit bei 1:11:28. „Mein Ziel ist es, die 1:10 zu knacken.“ Bis zum 6. April können er und seine drei Mitstreiter sich noch in Topform bringen. Dann fällt der Startschuss bei der Hyrox-WM.

Hyrox: Diese Stationen erwarten die Starter

1. Ski Erg: Hier wartet ein Ski-Ergometer, auf dem der Teilnehmer eine Distanz von 1000 Meter (m) zurücklegen muss

2. Sled Push: Hier muss der Starter einen Schlitten mit einem vorgegeben Gewicht (bei den Profis der Männer sind das 175 Kilo) über eine Distanz von 2 x 25 m schieben

3. Sled Pull: Jetzt gehts andersrum, denn nun gilt es, den Schlitten 2 x 25 m zu ziehen

4. Burpee Broad Jump: Eine Kombination aus Burpees (einer Mischung aus Kniebeuge, Liegestütz und Strecksprung) und Weitsprung über eine Distanz von 80 m

5. Rowing: Auf dem Ruderergometer werden 1000 m zurückgelegt

6. Farmer’s Carry: Zwei Kettlebells (Kugelgewichte mit Griff, je bis zu 32 Kilo schwer) müssen 200 m weit getragen werden

7. Sandbag-Lunges: Der Sportler schultert einen Sandsack (bis zu 30 Kilo schwer) und legt mit Ausfallschritten 100 Meter zurück

8. Wall Balls: Ein Gewichtsball muss 100 Mal über eine gestimmte Höhean die Wand geworfen werden

Vor jeder Station müssen die Teilnehmer einen Kilometer laufen, also acht Kilometer insgesamt.

Antje Bernstein