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Rostock Trick-Betrug bei Senioren: 100 Fälle allein im Mai
Mecklenburg Rostock Trick-Betrug bei Senioren: 100 Fälle allein im Mai
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07:21 29.05.2018
Joachim Harder und seine Frau sind Opfer eines Trickbetrügers geworden. Der Mann wollte dem Paar Jacken verkaufen. Nun warnt Harder vor der neuen Masche. Quelle: Ove Arscholl
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Rostock

Am Telefon und auch direkt an der Haustür: Trickbetrüger versuchen immer häufiger, Senioren in MV abzuzocken. Das geht aus neuesten Zahlen des Landeskriminalamtes (LKA) in Schwerin hervor.

Erst am Montagabend wurden der Polizei von Anwohnern der Richard-Wagner-Straße in Warnemünde insgesamt fünf verdächtige Anrufe gemeldet. Der Täter gab sich als Polizeibeamter und fragte nach Vermögenverhältnissen. Die Angerufenen erkannten jedoch in diesen Fällen den Betrug.

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„Allein im Mai wurden bislang rund 100 Trickstraftaten bei der Landespolizei angezeigt“, bestätigt LKA-Sprecherin Anna Hermann auf OZ-Nachfrage. Die neueste Masche: In Rostock wurden zuletzt mehrfach ältere Menschen auf der Straße angesprochen. Die Täter gaben sich als vermeintlich alte Bekannte aus – und erbeuteten so in mindestens zwei Fällen Hunderte Euro Bargeld und Goldschmuck.

Mehr als 1000 Fälle in 2017

Seit Jahren seien die Zahlen im Bereich der Trick-Betrügereien steigend, heißt es vom LKA: 2016 wurden landesweit 470 solche Fälle angezeigt. Nur ein Jahr später – 2017 – waren bereits mehr als 1000 Straftaten. Die Opfer waren in fast allen Fällen Senioren. Der Ermittler gehen zudem von einer enormen Dunkelziffer aus: „Die Zahl der Betrugsversuche dürfte noch ein Vielfaches höher sein“, so Hermann. Das bestätigt auch Sebastian Schütt, Chef der Kripo in Rostock: „Viele Opfer zeigen die Taten leider gar nicht erst bei uns an. Viele haben offenbar Angst, im Bekanntenkreis verspottet zu werden, weil sie auf einen Trick reingefallen sind. Aber diese Scham ist absolut unnötig“, so Schütt. Er fordert Betroffene auf, in jedem Fall die Kripo zu informieren: „Je mehr Infos wir bekommen, desto schneller können wir andere Bürger vor neuen Maschen warnen und desto wahrscheinlicher ist es, dass uns die Hinweise auch zu den Tätern führen.“

Täter ändern ihre Masche

Auch der Rostocker Chef-Ermittler beobachtet eine „deutliche Steigerung“ in puncto Trickbetrügereien: „Auffällig ist, dass die Täter sehr oft ihr Vorgehen ändern und es auf ganz verschiedene Arten probieren, die Menschen um ihr Geld zu bringen.“ Erst in der vergangenen Woche hatte es ein Krimineller geschafft, einem 83 Jahren alten Rostocker Bargeld und Schmuck zu stehlen. Der Betrüger hatte sein Opfer vor einem Supermarkt angesprochen und behauptet, er würde ihn aus gemeinsamen Zeiten im Rostocker Fischkombinat kennen. Der Senior fasste schnell Vertrauen, lud den Unbekannten in seine Wohnung ein. „Das ist aber nur eine Masche“, so Kripo-Chef Schütt.

Betrugsversuche auch am Telefon

In Bützow (Landkreis Rostock) versuchten Betrüger Mitte Mai, am Telefon an sensible Daten von Senioren zu kommen – zum Beispiel an Daten für ihr Internet-Banking: Der Anrufer gab sich als Polizist aus Berlin aus. Auch in Vorpommern hatten es Anrufer auf Bank-Daten abgesehen: Die Täter gaben sich dort als Mitarbeiter des Software-Riesen Mircosoft aus und behaupteten, die Computer der Angerufenen seien mit Schadprogrammen infiziert. Die Warnung vor den Betrügern kam von der Sparkasse Vorpommern. In Rostock sorgte Mitte April die so genannte „Gewinnspiel-Masche“ für Aufsehen: Den Opfern wurde vorgetäuscht, sie hätten Geld gewonnen. Doch vor der Auszahlung müssten sie erst eine Gebühr überweisen. „Auch die Enkel-Tricks kommen immer wieder vor“, so LKA-Sprecherin Hermann.

 Andreas Meyer