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Rostock Trinkwasser in Gefahr: Darum wird Rostocks alte Schleuse zugeschüttet
Mecklenburg Rostock Trinkwasser in Gefahr: Darum wird Rostocks alte Schleuse zugeschüttet
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15:45 27.07.2019
Bis Oktober muss die Rostocker Mühlendammschleuse zugeschüttet werden – um Rostocks Trinkwasser vor Fluten zu schützen. Kanus und Co. müssen dann über einen Deich geschleppt werden. Quelle: Wasser- und Schifffahrtsverwaltung Stralsund
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Rostock

Es bleibt dabei – und daran lässt Rostocks Finanz- und Ordnungssenator Chris Müller-von Wrycz Rekowski (SPD) auch keinen Zweifel: „Wir wollen die alte Mühlendammschleuse vom Bund übernehmen und wir wollen sie – wenn möglich – auch sanieren.“ Und doch ist die Aufregung rund um das historische Bauwerk groß: Denn das, was die ehrenamtlichen Schleusen-Retter immer verhindern wollten, wird nun doch wahr: Der Bund schüttet die Schleuse zu – um Rostocks Trinkwasser zu retten. „Es geht erstmal nicht anders“, sagt der Senator.

Trinkwasser in Gefahr

Der Auslöser der Aufregung liegt bereits mehr als ein halbes Jahr zurück: Am 2. Januar 2019 – also kurz nach dem Jahreswechsel – traf Sturmtief „Zeetje“ auch die Hansestadt. Die Folge: ein rekordverdächtiges Hochwasser. In Warnemünde etwa wurden 1,67 Meter über Normal gemessen. Und auch im Stadthafen, im Bereich der Mühlendammschleuse, erreichten die Wasserstände kritische Höhen. „Das Wasser schwappt über die Schleusentore“, sagt Senator Müller-von Wrycz Rekowski. Salzwasser gelangte in einen kritischen Bereich: Denn nur wenige Hunderte Meter von der Schleuse flussaufwärts entnimmt die Hansestadt einen großen Teil ihres Trinkwassers aus der Warnow. „Zum Glück“, sagt der Senator, habe das keine Folgen gehabt. Aber das Hochwasser habe die Verantwortlichen auf eine echte Schwachstelle aufmerksam gemacht.

„Die Schleuse dient seit über einem Jahrhundert auch dazu, den sensiblen Bereich der Warnow vor Hochwasser zu schützen“, sagt Holger Brydda, Leiter der Wassersstraßen- und Schifffahrtsverwaltung des Bundes in Stralsund (WSV). Doch das Hochwasser habe gezeigt, dass das alte Bauwerk nicht mehr „in Ordnung“ sei, der Hochwasserschutz sei nicht gewährleistet – und somit auch nicht die Sicherheit des Rostocker Trinkwasser-Reservoirs. „Wir sind von den zuständigen Behörden des Landes aufgefordert worden, bis zum 15. Oktober diesen Schutz zu gewährleisten. Und das werden wir auch tun“, sagt Brydda. „Der Bürger kann von uns erwarten, dass wir baulich alles dafür tun, dass sich Fehler wie im Januar nicht wiederholen.“

Damm auf der Schleuse

Nach OZ-Informationen hat die WSV in Stralsund mehrere Varianten erarbeitet, wie der Schutz der Warnow abgesichert werden kann: Entweder der gesamte Bereich der Schleuse wird meterhoch mit Sandsäcken „zugebaut“ oder aber die Schleusenbecken werden mit Sand gefüllt. Darauf soll dann ein Damm errichtet werden – mit einer Schleppanlage für Kanu-Sportler und Ruderboote. Die Stralsunder Behörde bevorzugt dem Vernehmen nach die „Maximal-Variante“ – mit einem Damm, der sich vom Grund des Schleusenbeckens 3,10 Meter in die Höhe erhebt. Brydda will sich zu den Details erst in einigen Tagen äußern.

Senator Müller-von Wrycz Rekowski sagt aber, dass er keine Alternativen zu dem neuen Hochwasserschutz sieht: „Das muss nun einmal gemacht werden. Wir haben ein vitales Interesse daran, dass unser Trinkwasser nicht von Salzwasser beeinträchtigt wird.“ Im September sei eine Bauwerksprüfung der alten Schleuse anberaumt. „Dann werden wir wissen, in welchem Zustand sich die Anlage genau befindet – und dann können wir auch berechnen, was uns die Sanierung genau kosten wird.“ Ende 2018 war noch von rund sieben Millionen Euro die Rede, die Rostock am Mühlendamm investiere.

Diese Variante des Hochwasserschutzes am Mühlendamm will die Stadt nicht: Denn die Sandsäcke würden auch für Wassersportler ein Durchkommen unmöglich machen. Quelle: Wasser- und Schifffahrtsverwaltung Stralsund

Schleusen-Retter auf den Barrikaden

Der Verein „Mühlendammschleuse“ um den Vorsitzenden Detlef Krause hingegen betrachtet die Maßnahme der WSV mit Argwohn: In einem offenen Brief an Oberbürgermeister Roland Methling (UFR) und WSV-Chef Brydda wirft er der Stralsunder Behörde vor, das Thema Hochwasserschutz sei nur vorgeschoben – „um Ihre altbekannten Pläne zur Vernichtung der Schleuse doch noch umzusetzen“, spricht er Brydda direkt an. Belege führt Krause in dem Schreiben nicht auf. Krause beklagt zudem, dass der Verein nicht in Beratungen zum Hochwasserschutz einbezogen wurde. Das Verfüllen der Schleusenkammern bezeichnet Krause als „echte Verschwendung von Steuergeldern“.

Das Vorhaben der WSV sei laut Verein auch nicht mit dem Denkmalschutz abgestimmt, könne möglicherweise die alte Schleuse dauerhaft beschädigen. Stattdessen solle die WSV endlich und wie geplant an die Hansestadt verkaufen. Das Rathaus wiederum soll dann unverzüglich das Bauwerk sanieren. Das aber – auch in diesem Punkt ist der Finanzsenator unmissverständlich – könne noch Jahre dauern.

„Stillstand für ein paar Jahre“

Natürlich sei die Stadt auch nicht glücklich mit den Vorhaben, die in Stralsund geplant werden, sagt Müller-von Wrycz Rekowski. Aber der Schutz des Trinkwassers sei im Zweifel wichtiger als die Schleuse. „Ja, wir werden dann ein paar Jahre Stillstand an der Stelle haben. Das ist so.“ Aber: „Wenn die Stadt die Sanierung angeht, werden wir die Schleusenkammern auch wieder freilegen. Die aktuellen Maßnahmen sind zwischen Stadt, Land und Bund abgestimmt.“ Mit der Schleppanlage für kleine Boote komme der Bund den Wassersportvereinen entgegen. „Und wir dürfen uns nichts vormachen: Auch nach einer Sanierung rechnen Gutachter nicht mit einem nennenswerten Bootsverkehr durch die Schleuse.“

Andreas Meyer

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