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Rostock Trotz freier Stelle: Rostocker Lehrerin muss nach zwei Jahren gehen
Mecklenburg Rostock Trotz freier Stelle: Rostocker Lehrerin muss nach zwei Jahren gehen
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06:14 23.05.2019
Kristina Rasch arbeitet seit zwei Jahren als Vertretungslehrerin in Rostock. Quelle: Frank Söllner
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Rostock/Schwerin

Kristina Rasch versteht die Welt nicht mehr: Seit zwei Jahren arbeitet die 29-Jährige befristet als Vertretungslehrerin für Englisch und Philosophie an der Rostocker Heinrich-Schütz-Schule. Nun kam das Aus. Die junge Frau muss die Regionale Schule zum kommenden Schuljahr verlassen – trotz ausgeschriebener Planstelle.

Der Grund: Ein externer Bewerber muss aufgrund einer besseren Abschlussnote im Staatsexamen vorgezogen werden. Und ob es zum neuen Schuljahr eine weitere Vertretungsstelle in ihrer Schule geben wird, ist unklar.

„Ich dachte, es sei nur eine Formalität“

„Als die Stelle ausgeschrieben wurde, hat mich das sehr gefreut, da ich mich an der Schule sehr wohlfühle“, sagt die Englischlehrerin. „Ich dachte, es sei nur eine Formalität, immerhin besetze ich die Stelle schon seit zwei Jahren als Vertretungslehrerin. Außerdem bin ich davon ausgegangen, dass alle Beteiligten daran interessiert sind, dass ich bleibe.“

Die Hansestädterin steht nun erneut vor einem Schulwechsel. Schon nach Abschluss ihres Referendariats konnte sie nicht an ihrer damaligen Schule bleiben – die freie Stelle ging an eine Kollegin einer anderen Schule, die einen Versetzungsantrag gestellt hatte.

„Es gibt keinen Automatismus bei der Auswahl“

„Das Auswahlverfahren findet in der Schule statt. Für die Einstellung ist die jeweilige personalführende Dienststelle, das Staatliche Schulamt, zuständig“, erklärt Henning Lipski vom Bildungsministerium. „Die Auswahl richtet sich nach dem Grundsatz der sogenannten Bestenauslese. Neben dem jeweiligen Fachbedarf ist das Leistungsbild der maßgebliche Faktor für eine Auswahlentscheidung.“

Die Tätigkeit als Vertretungslehrkraft könne die Einstellungschancen verbessern. „Einen Automatismus zur Auswahl der Vertretungslehrkraft kann es aber mit Blick auf die verfassungs- und beamtenrechtlichen Bestimmungen nicht geben“, so Lipski.

„Bewerbungsverfahren müssen schneller ablaufen“

Der Verband Bildung und Erziehung MV möchte sich zum konkreten Fall nicht äußern. Im Allgemeinen sei es aber wichtig, gesetzliche Grundlagen zu schaffen, befristete Kräfte halten zu können. „Wir setzen uns dafür ein, dass in Einzelfällen von Stellenausschreibungen abgesehen werden kann“, sagt der Landesvorsitzende Michael Blanck. Er betont: „Die Bewerbungsverfahren müssen schneller ablaufen. Wir merken es immer wieder, dass vor allem viele gut ausgebildete Referendare verloren gehen.“

Bei mehreren Bewerbungen auf eine Stelle treffe die Schule eine erste Auswahl. Anschließend werde aber von einer Auswahlkommission ein Kandidat bestimmt. Warum die Entscheidung gegen Kristina Rasch getroffen wurde, könne Blanck nicht beurteilen.

An der Schule fest verankert

Auch die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft möchte zu einem konkreten Fall keine Aussage treffen. Allgemein gelte der Grundsatz, dass die höhere Qualifikation der niederen vorangeht, auch unabhängig von zuvor in der Praxis nachgewiesener „Bewährung“.

Kristina Rasch kann das nicht nachvollziehen. „Das Bewerbungsverfahren sollte natürlich jedem eine Chance bieten, der sich auf eine Stelle bewirbt“, sagt die Frau, die ihr Studium in Greifswald mit der Note 1,7 und ihr Referendariat in Bad Doberan mit 2,2 abgeschlossen hat. „Aber ich verstehe nicht, dass meine geleistete Arbeit überhaupt nicht berücksichtigt wird. Schließlich habe ich nicht nur unterrichtet, sondern war als Klassenlehrerin tätig, führte Elternabende durch, war auf Klassenfahrten und Wandertagen und habe mich um eine gute Zusammenarbeit mit den Eltern bemüht“, sagt sie. Ihr Fazit: „Ich bin fest an der Schule verankert.“

Kinder haben sich an Lehrerin gewöhnt

Ähnlich sieht das ein Vater, der seinen Namen nicht in der Zeitung lesen möchte. „Ich finde es nicht gut, was da passiert“, sagt er. „Es ist natürlich die Entscheidung des Schulamtes, aber die Kinder haben sich an ihre Lehrerin gewöhnt.“ Gerade in diesem Schuljahr sei viel Unterricht aufgrund von Lehrermangel ausgefallen. „Es gibt Wochen, da frage ich mich, warum mein Kind zur Schule geht“, sagt er.

Rasch hat sich nun an anderen Schulen im Land beworben – dort waren Stellen in ihrer Fächerkombination Deutsch und Englisch ausgeschrieben. Sie hofft, auch weiterhin im Nordosten arbeiten zu können.„Ich möchte das Land unterstützen. Hier sehe ich meine Zukunft“, sagt die gebürtige Usedomerin.

Lehrerin fordert: Auswahlverfahren sollte überdacht werden

Auch wenn sie ihre Schule definitiv verlassen wird, möchte die Pädagogin erreichen, dass für die Zukunft das Auswahlverfahren für Lehrer überdacht wird. „In Zeiten des Lehrermangels sollte alles Mögliche getan werden, um junge, motivierte und kompetente Lehrer im Land zu halten. Vor allem an der Schule, an der sie sich etabliert haben“, sagt sie.

Die Heinrich-Schütz-Schule möchte zu diesem Fall übrigens keine Stellungnahme abgeben und verweist auf das Kultusministerium.

Das Auswahlverfahren

Zum Schuljahr 2019/20 muss das Land MV insgesamt 700 Lehrerstellen neu besetzen. Aktuell sind 287 freie Stellen veröffentlicht.

Die Schulen melden den Schulbehörden, wie viele Stellen ausgeschrieben werden sollen. Die Behörden legen nach Prüfung der Abordnungs- und Versetzungswünsche die besagten Stellen fest.

Die Schulleiter und die Gleichstellungsbeauftragte sichten mit dem Örtlichen Personalrat und der Schwerbehindertenvertretung die Bewerbungen und erstellen die Liste der einzuladenden geeigneten Bewerber.

Auf der Grundlage der Bewerbungsunterlagen und der Wertung der Bewerbungsgespräche trifft der Schulleiter mit der Gleichstellungsbeauftragten eine Auswahlentscheidung mit Festlegung einer Rangfolge. Diese Information ist für die Schulbehörde entscheidend. Dabei muss der Grundsatz der „Bestenauslese“ beachtet werden.

Die Auswahl richtet sich nach Artikel 33 des Grundgesetzes und Paragraf 9 des Landesbeamtengesetzes.

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