Menü
Ostsee Zeitung | Ihre Zeitung aus Mecklenburg-Vorpommern
Anmelden
Rostock Ukrainische Studenten retten die Erdbeer-Ernte
Mecklenburg Rostock Ukrainische Studenten retten die Erdbeer-Ernte
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
05:01 23.05.2018
Die ersten Erdbeeren der Saison 2018 wurden Anfang Mai in Klein Kussewitz (Landkreis Rostock) auf einem Feld von Karls Erdbeerhof geerntet.
Die ersten Erdbeeren der Saison 2018 wurden Anfang Mai in Klein Kussewitz (Landkreis Rostock) auf einem Feld von Karls Erdbeerhof geerntet. Quelle: Ove Arscholl
Anzeige
Rövershagen/Hohen Wieschendorf

Auf den Feldern reifen Spargel und Erdbeeren, aber kaum noch jemand möchte bei der Ernte den Rücken krumm machen. Bei ihrer Suche nach Erntehelfern blicken die Bauern immer weiter nach Osten und fordern die Freigabe des Arbeitsmarkts für Saisonarbeiter aus der Ukraine. Studenten aus dem osteuropäischen Land sind bereits auf Feldern in Mecklenburg-Vorpommern im Einsatz.

Bisher sorgten Tausende Helfer aus Polen und Rumänien für volle Körbe in den Verkaufsständen. Doch es kommen immer weniger. Weil die Löhne in ihren Ländern steigen, lohnt der Job als Erntehelfer kaum noch. „Gutes Personal zu bekommen, ist schwierig“, sagt Yvonne von Laer vom Betrieb Mecklenburger Frische in Tieplitz bei Güstrow, der Erdbeeren und Spargel anbaut. Die Lücken füllen unter anderem Nachwuchs-Akademiker aus der Ukraine – fünf sind es derzeit bei von Laer. Für normale Arbeitnehmer aus dem osteuropäischen Land ist es dagegen so gut wie unmöglich, eine Arbeitserlaubnis in Deutschland zu bekommen. Für Studenten nicht – sie werden sogar von der Arbeitsagentur vermittelt. Bauernverband und Bundesagrarministerium fordern, dass Deutschland einen Vertrag mit dem Nicht-EU-Land Ukraine abschließt, um die Hindernisse zu beseitigen.

„Wir brauchen so etwas ganz dringend“, meint nicht nur Robert Dahl, Chef von Karls Erdbeerhof in Rövershagen (Landkreis Rostock). Der Großbetrieb beschäftigt in der Saison 1200 Erntehelfer. Davon sind dieses Jahr rund 400 ukrainische Studenten. Gute Leute zu halten, sei nicht immer einfach. „Die Unterbringung muss in Ordnung sein, ein gutes Mittagessen ist auch wichtig.“ Bei der Bezahlung gilt der Mindestlohn von 8,84 Euro. In Rövershagen liegen nach Firmenangaben 70 Prozent der Helfer durch Leistungszulagen darüber.

„Wir stehen im Wettbewerb mit Polen“, sagt Jan van Leeuwen, Betriebsleiter des Erdbeerhofs Glantz in Hohen Wieschendorf (Landkreis Nordwestmecklenburg). Das östliche Nachbarland hat bereits ein bilaterales Abkommen für Arbeitskräfte mit der Ukraine abgeschlossen. Nach Deutschland dürfen aber nur Studierende. Laut Zentraler Auslands- und Fachvermittlung der Arbeitsagentur (ZAV) nutzten 2017 rund 6000 junge Ukrainer diese Möglichkeit, um für bis zu 90 Tage in Deutschland zu arbeiten.

280 Euro beträgt das durchschnittliche Monatsgehalt im Land. Ein dreimonatiger Erntejob kann nach Abzug der Kosten 3000 Euro einbringen. Solche Beträge locken zweifelhafte Vermittler an, die mitverdienen wollen. Im Internet bieten selbst ernannte auf den ersten Blick offiziell wirkende ZAV-Vertretungen an, bei der Suche nach Erntejobs zu helfen.

Die Branche fragt sich indes, wo die Helfer künftig herkommen sollen. „Eines Tages ernten bei uns Chinesen“, sagt Landwirtin Ivonne von Laer im Scherz. Deutsche findet sie seit Jahrzehnten nicht mehr für die Arbeit.

Gerald Kleine Wördemann

Mehr zum Thema

In einer Lagerhalle in der Stralsunder Bauhofstraße ist am Freitagvormittag ein Brand ausgebrochen. Möglicherweise hat eine Photovoltaik-Anlage auf dem Dach die Flammen ausgelöst. Im Gebäude war zwischenzeitlich ein Bordell geplant.

18.05.2018

Am 22. Mai um 20 Uhr wird Helmut Lethen im Literaturhaus Rostock lesen. Er stellt sein neues Buch „Die Staatsräte“ vor. Im Interview mit der OSTSEE-ZEITUNG spricht er über die Arbeit an dem Buch - und über die bisherige Resonanz.

19.05.2018

Bester Werbung für den Nachwuchs in der Landwirtschaft war das Hoffest auf dem Gut Darß. Vor allem interessierten sich die Besucher für Tiere und Technik.

21.05.2018