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Rostock Umstrittene Rostocker Tagesmutter muss aufhören: Eltern reichen Klage ein
Mecklenburg Rostock Umstrittene Rostocker Tagesmutter muss aufhören: Eltern reichen Klage ein
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17:30 07.07.2019
In Rostock steht eine Tagesmutter unter Verdacht, ein Kind geschlagen zu haben. Sie bestreitet die Vorwürfe, darf aber ab Montag keine Kinder mehr betreuen. Quelle: Patrick Pleul/dpa
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Rostock

Nun also doch: Die Hansestadt hat einer Tagesmutter aus dem Nordwesten mit sofortiger Wirkung die Erlaubnis entzogen, Kinder zu betreuen. Die Frau steht unter dem Verdacht in der vergangenen Woche einen 13 Monate alten Jungen geschlagen zu haben. Das haben Zeugen bei der Polizei ausgesagt. Die Beschuldigte ließ die Vorwürfe auch gegenüber der OZ von ihrem Anwalt zurückweisen. Während die Ermittlungen der Kripo in dem Fall andauern, sieht das Jugendamt ausreichend Hinweise, dass Kinder bei der Tagesmutter nicht in guten Händen sind: „Es gibt mehrere Dinge, die für uns ausschlaggebend waren“, so der zuständige Sozialsenator Steffen Bockhahn (Linke).

Schläge gegen die Stirn?

Hintergrund: Auslöser des Wirbels um die Tagesmutter ist ein Vorfall, der sich vergangene Woche Mittwoch am Mühlenteich in Evershagen ereignet haben soll. Zeugen haben ausgesagt, dass die Beschuldigte dort mit vier Kindern unterwegs gewesen sein soll – und dann gegen gewalttätig gegen einen kleinen Jungen wurde. „Uns war die Tagesmutter aufgefallen, weil sie den kleinen Jungen angeschrien, am Arm gepackt und geschüttelt hatte. Was sie gesagt hat, konnten wir nicht verstehen“, berichtete eine Zeugin der OZ. Die Tagesmutter habe den Jungen daraufhin in eine Karre gelegt. Wenig später – nachdem sie mit den anderen Kindern am Teich gespielt hatte und ein kleines Mädchen ebenfalls in die Doppelkarre legen wollte – sei sie den Jungen erneut angegangen: „Er wollte offenbar aufstehen, da hat sie Schwung geholt und ihm mit der flachen Hand gegen die Stirn geschlagen.“ Das alles habe sie auch bei der Polizei ausgesagt. Eine zweite Zeugin bestätigte diese Darstellung. Der Anwalt der Tagesmutter hingegen sagt, seine Mandantin sei niemals gewalttätig gegen das Kind geworden.

Familie will Tagesmutter verklagen

Zum Stand der Ermittlungen machte die Polizei keine neuen Angaben: Es gäbe unterschiedliche Darstellungen des Vorfalls, so Dörte Lembke, die Sprecherin der Polizeiinspektion in Rostock. Ein routinemäßig gerufener Notarzt habe keine Verletzungen bei dem Kind feststelle können. Das bestätigt auch die Mutter des kleinen Theo gegenüber der OZ: „Körperlich geht es ihm gut. Aber der Vorfall hat etwas mit ihm gemacht.“ Der kleine Junge esse kaum noch, schlafe nicht mehr durch und wache nachts schreiend auf. „Er ist nicht mehr wie vorher“, erzählt sie. Der Kinderarzt habe ihr geraten, einen Kinderpsychologen zu Rate zu ziehen.

Theos Familie hat sich zudem bereits einen Anwalt genommen: „Wir werden die Tagesmutter verklagen. Wir wollen Schmerzensgeld für unseren Sohn“, kündigt die Mama an. Sie selbst mache sich Vorwürfe, ihr Kind nicht schon viel früher aus der Betreuung durch die Tagesmutter genommen zu haben: „Er kam immer dreckig, mit Essen verschmiert nach Hause. Er hatte schon vorher blaue Flecken am Po und dunkelrote Striemen am Hals.“ Die Tagesmutter habe die Striemen beispielsweise mit den Gurten des Kindersitzes erklärt. „Es sah aber mehr nach Handabdrücken aus. Wir haben das auch fotografiert.“ Ja, sie habe schon früher ein schlechtes Gefühl bei der Tagesmutter gehabt. „Aber sie konnte alles immer gut erklären. Und wir waren froh, überhaupt einen Betreuungsplatz zu haben.“ Und dann erzählt sie noch: „Theo hat immer geschrien, wenn wir ihn bei der Tagesmutti abgegeben haben. Er wollte da nicht hin.“

Stadt: „Nicht der einzige Grund“

Bereits vergangene Woche hatte Senator Bockhahn verkündet, der Tagesmutter die Erlaubnis für die Betreuung von Kindern entzogen zu haben. 24 Stunden musste er aber zurückrudern – aus juristischen Gründen. Nun hat die Hansestadt aber eine Woche lang geprüft, das Rechts- und das Jugendamt haben sich den aktuellen Fall und die Vorgeschichte der Tagesmutter genau angesehen. „Wir haben der Tagespflegeperson über ihren Anwalt mitgeteilt, dass wir ihr die am 26. Januar 2016 erteilt Erlaubnis mit Wirkung ab Montag entziehen“, so Bockhahn. Das bestätigt auch die Beschuldigte. „In der Gesamtschau und Würdigung aller uns bekannten Umstände müssen wir davon ausgehen, dass die Person nicht über die Eignung verfügt, Kinder zu betreuen.“ Die mutmaßliche Attacke auf den 13 Monate alten Theo sei dabei ein „wesentlicher Punkt“ gewesen – aber nicht der einzige: „Es ging nicht nur um den Vorwurf der körperlichen Misshandlung. Im Rahmen der Prüfung haben sich Sachverhalte ergeben, die aus unserer Sicht nicht entsprechend der geltenden Gesetze gelaufen sind.“ Details nennt Bockhahn nicht.

Noch am Freitag wurden die Eltern der drei weiteren Kinder, die von der Tagesmutter bisher betreut wurden, informiert. Ihnen würden Alternativen angeboten. „Die Tagespflegeperson kann gegen unseren Bescheid klagen. Aber der sofortige Vollzug wurde von uns angeordnet“, so der Senator.

Tagesmutter vermutet „politische Gründe“

Gegenüber der OZ wies die Tagesmutter am Freitag erneut alle Vorwürfe zurück: „Das ist alles falsch, absoluter Humbug“, sagte sie am Telefon. Sie werden sich gegen den Entzug der Betreuungserlaubnis juristisch wehren. „Ich glaube, das Vorgehen des Amtes gegen mich hat politische Gründe.“ Sie vermute, dass alles mit einer Klage aus dem Jahr 2016 zusammenhänge. Damals hatte sie zusammen mit anderen Tagesmütter und -vätern die Stadt auf höhere Zahlungen von Betreuungskosten verklagt. „Ich kann das nicht beweisen, nur vermuten.“

Andreas Meyer

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