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Rostock Unabhängig und Regenerativ: Uni Rostock bietet Lösung für Energiewende
Mecklenburg Rostock

Unabhängig und Regenerativ: Uni Rostock bietet Lösung für Energiewende

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17:30 07.01.2020
Prof. Dr. Harald Weber und Martin Töpfer erforschen die Möglichkeiten unabhängiger und komplett regenerativer Stromversorgung. Quelle: Moritz Naumann
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Rostock

Kann der Osten Deutschlands sich lediglich mit regenerativen Strom versorgen, ohne auf Zulieferungen aus Polen oder anderen Staaten angewiesen zu sein? Martin Töpfer, wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Universität Rostock, sagt Ja. Seit drei Jahren simuliert er Szenarien mit dem von Professor Harald Weber (Lehrstuhl für elektrische Energieversorgung) entwickelten Konzept des Wasserstoff-Speicherkraftwerks.

Eine große beleuchtete Karte steht im Foyer des großen Hörsaals in der Albert-Einstein-Straße 2. Darauf zu sehen ist die Stromvernetzung der neuen Bundesländer. Im Rahmen des Forschungsprojektes Windnode testen über 70 Projektpartner aus Wissenschaft und Industrie massentaugliche Musterlösungen für die Energiewende. Das Versuchsfeld ist hierbei der Osten Deutschlands. Und die Uni Rostock forscht mit. Eine Ausstellung informiert ab Freitag über Windnode als das Schaufenster für intelligente Energie aus dem Nordosten Deutschlands.

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Ein Kraftwerk zur Speicherung regenerativer Energie

Die Grundlage für die Arbeit der Universität Rostock innerhalb dieses Verbunds ist das Konzept des Wasserstoff-Speicherkraftwerkes von Prof. Harald Weber vom Lehrstuhl für elektrische Energieversorgung. Dabei handelt es sich um eine neue Form eines Kraftwerkes, das es ermöglicht, Überschüsse regenerativer Energie aufzunehmen, um damit Wasserstoff zu erzeugen.

„Damit können wir auch bei ausbleibendem Wind ganze Gebiete zwei Wochen komplett versorgen“, sagt Harald Weber. Bisher sei man mit regenerativer Energie noch von den Witterungsbedingungen abhängig. „Weht kein Wind, erzeugen die Windräder auch keinen Strom. Und Überschüsse aus regenerativen Energien gehen einfach verloren“, sagt Weber.

Aus der Theorie in die Praxis

Die Technik für die Umsetzung solch eines Kraftwerkes ist bereits vorhanden. Woran es mangelt? „Die Finanzen. Keiner will solch ein Projekt finanzieren“, sagt Weber. Bisher habe man zwar in Computersimulationen nachweisen können, dass das Konzept funktioniert, doch nun muss das Konzept auch in der Praxis bestehen.

Im Gespräch sei derzeit ein Prototyp-Kraftwerk in der Lausitz – dort, wo in naher Zukunft die Kohlekraftwerke abgeschaltet und nahezu 25 000 Menschen arbeitslos werden. Kostenpunkt für den Prototyp: Etwa 100 Millionen Euro. Auch in Rostock sei das Projekt vorstellbar. „Etwa in einem kleinen Kraftwerk in Marienehe“, sagt Weber. Sollte es in der Ostsee vor Warnemünde zur Errichtung eines Windparks kommen, wäre dies der perfekte Standort für ein solches Pilotprojekt.

2050: Zehnmal mehr Windkraftanlagen

Seit drei Jahren arbeitet der wissenschaftliche Mitarbeiter Martin Töpfer nun Szenarien durch, in denen er ermittelt, ob mit der strategischen Platzierung der Wasserstoffspeicherkraftwerke im Gebiet der neuen Bundesländer eine komplett regenerative und unabhängige Stromversorgung möglich ist. Sein Fazit: „Das ist realistisch.“

Bis wann es so weit ist, sei jedoch schwer zu sagen. „Wir planen bis 2050.“ Letztendlich sei es davon abhängig, wie schnell man mit der weiteren Errichtung von Windkraft- und Photovoltaikanlagen vorankomme – und wie schnell man potenzielle Investoren von dem Konzept überzeugt.

Mangelnde Akzeptanz in der Bevölkerung

In Harald Webers Vision für das Jahr 2050 müssten dafür zehnmal mehr Windkraftanlagen im norddeutschen Bundesgebiet stehen als heute. Ohnehin sei es kurz vor knapp: „Im Jahr 2100 können unsere fossilen Energieträger erschöpft sein. Und ohne andere Lösung fallen wir dann wieder zurück in Zustände wie vor der industriellen Revolution.“

Damit das nicht passiert, müssen sich die Menschen mit Veränderungen in ihrem Umfeld abfinden. „Viele auf dem Land lehnen Windkraftanlagen ab und bilden dagegen sogar Bürgerinitiativen. Aber wenn wir regenerative Energie wollen, müssen wir auch mit Windrädern auf unseren Äckern leben.“

Windnode live – eine Ausstellung zur Energiewende

Die Ausstellung zum Reallabor Windnode wird am 9. Januar um 18 Uhr vom Rektor der Universität Rostock, Professor Wolfgang Schareck, und von Professor Harald Weber eröffnet. In der Ausstellung werden die Herausforderungen und Lösungsansätze der Energiewende multimedial und interaktiv erfahr- und erlebbar. Die Ausstellung richtet sich an die interessierte Öffentlichkeit sowie ans Fachpublikum. Bis zum 4. Februar kann man sich von Montag bis Freitag in der Zeit von 7.30 Uhr bis 18 Uhr kostenfrei informieren.

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Von Moritz Naumann

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