Menü
Ostsee Zeitung | Ihre Zeitung aus Mecklenburg-Vorpommern
Anmelden
Rostock Ärger im Rathaus: Rostocker OB Methling kauft heimlich Schiffswrack „Undine“
Mecklenburg Rostock Ärger im Rathaus: Rostocker OB Methling kauft heimlich Schiffswrack „Undine“
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
19:28 21.08.2019
Das Wrack des einstigen Bäderschiffs „Undine“ liegt am Liegeplatz 93 an der Silohalbinsel im Rostocker Stadthafen. An Bord wachsen schon Bäume. Quelle: Ove Arscholl
Anzeige
Rostock-Stadtmitte

Wenn man ehrlich ist, macht das Traditionsschiff „Undine“ nicht mehr viel her: Ein trauriger, kahler Rumpf rostet vor der Silohalbinsel vor sich hin. Von der alten Pracht des 1910 gebauten Ausflugsdampfers ist nichts mehr übrig. Das könnte sich nun ändern: Kulturamtsleiterin Michaela Selling legte im Hauptausschuss der Bürgerschaft Ideen vor, wie die „Undine“ als Denkmal erhalten bleiben könnte. Doch das sorgte für heftige Reaktionen bei den Ausschussmitgliedern: Vor allem bei SPD und Grünen regte sich Widerstand, viel Geld in einen „alten rostigen Kahn“ zu stecken.

Das erweiterte Konzept des Kulturamts sieht vor, die „Undine“ wieder teilweise herzurichten und auf der früheren Helling der Neptun Werft aufzustellen. Von dort war das älteste erhaltene Schiff, das auf der Werft gebaut wurde, vor 109 Jahren unter dem Namen „Kronprinz Wilhelm“ vom Stapel gelaufen.

An Bord soll ein 75 Quadratmeter großer Veranstaltungsraum entstehen, in dem kleinere Feierlichkeiten oder Ausstellungen Platz finden könnten. Zur Veranschaulichung hatte Selling ein Modell dabei, das die Schülerin Marianne Eckel vom CJD-Gymnasium gefertigt hatte. Die einfache Variante: Nur der Rumpf wird saniert und als Stahlskulptur auf die Helling gestellt.

Dieses Modell der CJD-Schülerin Marianne Eckel zeigt, wie die "Undine" einmal aussehen könnte. Quelle: Vera Petukhova

Die Zeit drängt: Laut Selling läuft die Zertifizierung der Schwimmfähigkeit der „Undine“ Ende des Jahres aus. „Wir müssen sie an Land bringen, sonst droht sie zu sinken.“ Seit 1993 steht der Dampfer auf der Rostocker Denkmalliste. Selling machte klar: „Was mit der ‚Undine‘ geschieht, entscheidet die Bürgerschaft. Aber wir haben die Verpflichtung zu vermeiden, dass der Rumpf in den Hochofen geht.“

Andere kulturpolitische Schwerpunkte

Während Selling die Konzepte – die sie ausdrücklich als Vorschläge bezeichnete – vorstellte, schüttelte der SPD-Fraktionsvorsitzende Steffen Wandschneider-Kastell heftig den Kopf. Später sagte er: „Die Bürgerschaft hat bereits klargemacht, dass sie andere kulturpolitische Schwerpunkte setzen will. Brauchen wir wirklich ein abgewracktes Schiff ohne sinnvolle Funktion?“ Schon die bereits existierenden Veranstaltungsräume in der Hansestadt seien nicht ausgelastet, und 75 Quadratmeter seien zudem schlicht zu wenig. Wandschneider-Kastell sagte, er rechne mit jährlichen Kosten von 100 000 bis 200 000 Euro. „Dieses Geld sollten wir lieber für die Förderung des vorhandenen maritimen Erbes verwenden.“

Ähnlich äußerte sich Uwe Flachsmeyer von den Grünen: „Wir haben die ‚Stubnitz‘ verloren, wir haben die ‚Georg Büchner‘ versenkt – was sollen wir jetzt mit diesem Schiffsrumpf? Das ist hanebüchener Unsinn.“ Er gehe von Gesamtkosten von weit über einer Million Euro aus, die auf die Stadt zukommen. Dabei sei nicht nachvollziehbar, wieso die „Undine“ überhaupt Denkmalstatus genieße. „Sie sollte aus der Denkmalliste entfernt werden“, findet Flachsmeyer.

Bürgerschaft nicht informiert

Der Hauptadressat für den Unmut der Abgeordneten war gar nicht im Raum: Oberbürgermeister Roland Methling (UFR) hatte die „Undine“ 2018 für 8500 Euro gekauft – die Bürgerschaft hatte dies aber erst vor einer Woche offiziell erfahren. Grundsätzlich darf der OB Ausgaben bis 50 000 Euro selbst verantworten. „Aber bei Entscheidungen von besonderer Bedeutung muss die Bürgerschaft gefragt werden“, mahnt Flachsmeyer. „Alleine das Gutachten über den Erhalt der ‚Undine‘ kostet schon 55 000 Euro.“ Auch Wandschneider-Kastell sprach in diesem Zusammenhang von einem „schlechten politischen Stil“.

Der Linken-Vertreter Wolfgang Nitzsche kritisierte seinerseits die Kritiker: „Ich finde es nicht gut, das Projekt nur unter dem Aspekt der Kosten-Nutzen-Rechnung zu sehen. Das Schiff gehört jetzt zu Rostock und so geht man mit einem Denkmal nicht um.“ Auch der Vorsitzende der CDU/UFR-Fraktion, Daniel Peters, meinte: „Wir haben die Verantwortung für das Denkmal übernommen, daher stimmen wir dafür, die 55 000 Euro zu genehmigen.“ Am Ende wurde der Antrag mit sechs zu fünf Stimmen angenommen.

Mehr zum Thema:

Letzte Chance für Rettung der „Undine“

Typ IV, Supertrawler, Neptun-Frachter: Diese Schiffe wurden in der DDR gebaut

Streit in Rostock: Darf bald ein Zaun den Stadthafen durchziehen?

Zum Autor

Von Axel Büssem

Das Gericht in Rostock sah es als erwiesen an, dass der 31-jährige Sigmar W. sich am 1. Februar dieses Jahres an der stark alkoholisierten jungen Frau vergriff, ihre Wehrlosigkeit ausnutzte und sie vergewaltigte.

21.08.2019

In der Rostocker Südstadt sind Unbekannte in eine Postfiliale eingebrochen und danach geflüchtet. Dabei wurden sie vom Sicherheitsdienst beobachtet.

21.08.2019

In Güstrow haben Unbekannte in der Nacht einen Bankautomaten gesprengt. An einem zweiten brachten sie eine weitere Sprengladung an. Diese zündete aber nicht.

21.08.2019