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Rostock Unfall vor Kita in Rostock: Was tun gegen Raser in der Kuphalstraße?
Mecklenburg Rostock

Unfall vor Kita in Rostock: Was tun gegen Raser in der Kuphalstraße?

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10:37 17.02.2020
Der vierjährige Friedrich steht mit einem Zettel vor der Kita in der Kuphalstraße. Er wünsche sich einen sicheren Weg dorthin, steht darauf geschrieben. Quelle: Ove Arscholl
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Rostock

Knapp eine Woche ist es her, dass im Rostocker Stadtteil Reutershagen ein dreijähriger Junge vor der Kita angefahren und schwer verletzt wurde. Die Fahrerin des Unfallwagens flüchtete, wurde aber kurz danach von der Polizei ermittelt. Eltern von Kindern aus der betroffenen Einrichtung am Schwanenteich steckt der Schreck noch immer in den Knochen. Sie wissen: Es hätte auch ihren Nachwuchs treffen können.

Maxi Richter-Stegemann war am 6. Februar vor Ort, sah den Vater, der seinen weinenden und verletzten Sohn im Arm hielt, als sie selbst ihren Jungen in die Kita brachte. „Man kennt sich vom Sehen“, sagt die zweifache Mutter. Als klar war, dass der betroffene Junge durch die Rettungskräfte gut versorgt ist, verließ sie das Gelände.

„Aber es ließ mich nicht los, ich wollte unbedingt etwas tun“, erklärt die 35-Jährige. Denn eines sei für sie klar: „Auf der Kuphalstraße sind die Autofahrer trotz Tempo 30 viel zu schnell unterwegs“, sagt Maxi Richter-Stegemann. Sie hat schon einen großen Sohn, der die Kita am Schwanenteich ebenfalls besucht hat. „Ich kenne die Situation also seit gut zehn Jahren. Aber seit einem Jahr ist es deutlich schlimmer geworden“, sagt sie besorgte Mutter.

„Auf der Kuphalstraße sind die Autofahrer trotz Tempo 30 viel zu schnell unterwegs“, sagt Maxi Richter-Stegemann (35) Quelle: OVE ARSCHOLL

Straße als Abkürzung und Raserstrecke

Seit die Hamburger Straße längere Zeit eine Baustelle war, nutzen viele Autofahrer die Kuphalstraße als Abkürzung. Besonders morgens und zum Feierabend, also genau zu den Bring- und Abholzeiten der Kita. Zudem befinden sich in der Straße auch noch ein Spielplatz, ein Hort und das Rostocker Freizeitzentrum – alles Einrichtungen, die von vielen Kindern genutzt werden.

„In meiner Sorge und voller Wut über die Situation habe ich dann erst mal eine Nachricht an den Bürgermeister geschrieben und tatsächlich noch in der gleichen Nacht eine Antwort bekommen“, schildert Maxi Richter-Stegemann. Claus Ruhe Madsen hätte ihr erklärt, dass er ihre Bedenken ernst nehme und sich die Situation vor Ort anschauen werde.

Die Antwort hätte sie zwar gefreut, aber ihr dennoch nicht gereicht, sagt die Mama zweier Söhne. Kurzerhand startete sie eine Unterschriftensammlung. Die Listen liegen bisher nur in der betroffenen Kita aus, füllen sich aber schnell. „Auch wenn sie rechtlich unwirksam ist, haben wir auch eine Liste, in der sich die Kinder eintragen. Denn auch die wollen mehr Sicherheit.“

Kita-Leiterin unterstützt das Engagement der Eltern

Den Eltern geht es darum, mehr Verkehrsberuhigung in der Kuphalstraße zu erreichen. Zum Beispiel durch Aufpflasterungen oder andere bauliche Lösungen, welche die Autofahrer zwingen, langsam zu fahren.

Dieses Anliegen unterstützt auch Kita-Leiterin Birthe Stolzmann. Sie finde es sehr gut, dass die Eltern sich engagieren, um die Zustände in dieser Durchgangsstraße zu ändern. Die Verkehrssituation vor Ort würde immer schlimmer. „Da muss dringend etwas passieren“, sagt die Pädagogin. Nicht nur, damit sich ein solcher Unfall wie letzte Woche nicht wiederholt.

Stadt verspricht Gespräch mit den Betroffenen vor Ort

Das Versprechen, das Oberbürgermeister Claus Ruhe Madsen an Maxi Richter-Stegemann gab, bekräftigt auch Rostocks Stadtsprecherin Kerstin Kanaa: „Das Amt für Verkehrsanlagen wird die Situation in der Kuphalstraße gern mit den Mitgliedern des Ortsbeirates, den Trägern der Kindereinrichtung und weiteren Beteiligten der Stadtverwaltung diskutieren und Verbesserungspotenziale ausloten“, sagt sie.

Ob der Unfall allerdings durch zu hohe Geschwindigkeit oder aus einem anderen Grund erfolgte, müssen die Ermittlungen der Polizei zeigen. Bei zukünftigen Diskussionen zum Verkehr vor Ort seien aber die Umstände des Unfalls zu berücksichtigen – „die wahrscheinlich weder durch verkehrsorganisatorische noch durch verkehrsplanerische Maßnahmen beeinflussbar gewesen wären“, wie Kerstin Kanaa ergänzt.

Tempolimit an vielen Kitas bereits reduziert

Generell sei es in Rostock so, dass in Straßen, die an Betreuungseinrichtungen angrenzen, vielfach die erlaubte Geschwindigkeit bereits auf 30 Stundenkilometer abgesenkt wurde. So wie in der Kuphalstraße.

Eine hundertprozentige Sicherheit würde es dennoch höchstwahrscheinlich nie geben, sagt die Stadtsprecherin. Zu viele verschiedene Faktoren spielten dabei eine Rolle. „Das individuelle Fehlverhalten der Verkehrsteilnehmer ist hierbei eine unberechenbare Größe“, sagt Kerstin Kanaa und verweist auf Artikel 1 der Straßenverkehrsordnung, der zu Vorsicht und gegenseitiger Rücksichtnahme auffordert.

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