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Rostock Uni bootet Hansestadt aus: Warum Rostocks neue Kinderklinik vor dem Aus steht
Mecklenburg Rostock Uni bootet Hansestadt aus: Warum Rostocks neue Kinderklinik vor dem Aus steht
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06:30 08.10.2019
Zwischen den Chefs der Uni-Klinik Gabriele Nöldge-Schomburg und des Südstadt-Krankenhauses Steffen Vollrath kracht es gewaltig. Grund ist der Alleingang der Uni beim Thema Kinderklinik. Quelle: Ove Arscholl/Benjamin Barz
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Rostock

Das Konzept war fertig, im Grunde fehlt nur das Okay aus Schwerin. Doch obwohl Mediziner seit Jahren den Bau einer neuen Kinderklinik in Rostock fordern, rückt der in immer weitere Ferne. Und erneut ist die Uni-Klinik der Auslöser: Denn der Vorstand um Interims-Chefin Gabriele Nöldge-Schomburg und Dekan Emil Reisinger hat die bisherigen gemeinsamen Planungen für das sogenannte Eltern-Kind-Zentrum mit dem Südstadt-Krankenhaus de facto verworfen. Stattdessen will die Uni neue, eigene Ideen entwickeln. Der Alleingang der Uni-Oberen kommt bei der Hansestadt gar nicht gut an. Stadt und Südstadt-Krankenhaus wollen nicht von den Professoren ausgebootet werden.

Ende der Partnerschaft?

Die Idee, eine neue Kinderklinik in Rostock zu bauen, stammt ursprünglich von der Südstadt-Klinik. Dort wird seit Jahren an dem Projekt gearbeitet. Erst vor drei Jahren stieg auch die Uni-Medizin – noch unter dem damaligen Vorstandschef Christian Schmidt – in die Planungen ein. 2018 schließlich legten beide Kliniken dem Land ein gemeinsames Konzept vor – inklusive medizinischem Profil, Raum- und Kostenplänen. Nach OZ-Informationen stehen die Mittel für den Bau der neuen Klinik, für den sich bereits Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (SPD) noch als Sozialministerin stark gemacht hatte, bereit. Doch die Uni bremst seit fast zwei Jahren.

Zuletzt hatte es Streit zwischen der Uni und der Hansestadt – Eigentümer der Südstadt-Klinik – gegeben, als Dekan Emil Reisinger offen den Standort Südstadt in Frage stellte und sich stattdessen dafür aussprach, das Eltern-Kind-Zentrum an die Uni anzugliedern. Auch die Geburtshilfe und die Neugeborenen-Medizin, die im städtischen Krankenhaus ihren Sitz haben, will Reisinger an die Uni „zurückholen“. Mit 3000 Geburten pro Jahr gehört die Südstadt-Klinik bisher zu den größten Geburtskrankenhäusern in ganz Deutschland.

Nicht nur im Rathaus, sondern auch bei den Bürgern sorgte das Ansinnen der Uni für Empörung: „Hier geht es nicht um die Kinder, hier geht es nur ums Geld“, kritisierte damals beispielsweise die Rostockerin Dagmar Krauße im sozialen Netzwerk Facebook. Die Professoren im Uni-Vorstand kümmert die Kritik offenbar nicht. Im Gegenteil.

Vorstand will „universitäres Zentrum“

Gegenüber der OZ bestätigt Nöldge-Schomburg, dass die Uni-Medizin bereits im August eine neue Arbeitsgruppe gegründet hat. „Ziel der Universitätsmedizin ist die bestmögliche, umfassende und zentralisierte Versorgung von Neugeborenen, Kindern und Jugendlichen gemeinsam mit den Eltern an einem universitären Eltern-Kind-Zentrum“, so die kommissarische Vorstandsvorsitzende. Dieser Satz jedoch birgt erneut politischen Sprengstoff in sich: Von einem „universitären Zentrum“ war bisher keine Rede. Aus Sicht der Stadt sieht das nach einem weiteren Alleingang der Uni aus.

Nöldge-Schomburg betont, die gemeinsamen Planungen „nicht neu aufrollen“ zu wollen. Vielmehr gehe es darum, den Flächenbedarf der Uni für ein zentrales Eltern-Kind-Zentrum zu ermitteln. Und die Arbeitsgruppe soll die bisherigen Planungen prüfen und bewerten – damit sich die Gremien der Uni eine Meinung dazu bilden können. Dass mit Prodekan Bernd Krause ein Nuklearmediziner und kein ausgewiesener Kindermediziner die Gruppe leitet, sei dabei kein Problem: Krause sei innerhalb der Fakultät für Planung und Struktur zuständig und somit auch für Bauvorhaben. Außerdem würden auch Kindermediziner in der Arbeitsgruppe mitarbeiten.

OB: Halten an gemeinsamer Lösung fest

Offiziell gibt sich die Hansestadt diplomatisch: „Dieses für Rostock und unsere Region so wichtige Projekt wollen wir weiterhin gemeinsam umsetzen“, sagt Oberbürgermeister Claus Ruhe Madsen. Er gehe davon aus, dass die Uni lediglich ihre eigenen Ziele „kritisch überprüft“. „Wir halten an einer gemeinsamen Lösung fest.“

Hinter den Kulissen aber sind die Verantwortlichen der Hansestadt weit mehr als nur irritiert über den Alleingang der Uni. Denn die Stadt ist in die neuen Planungen nicht einbezogen: Nach OZ-Information hat Vize-OB Chris Müller-von Wrycz Rekowski (SPD) in einer Mail an Nöldge-Schomburg Klarheit gefordert: Plant die Uni jetzt ohne die Stadt? Auch Steffen Vollrath, Direktor der Südstadt-Klinik, forderte – ebenfalls schriftlich – eine Beteiligung seines Hauses an den neuen Planungen ein.

Der OZ sagte Vollrath: „Wir bedauern, dass die Uni eine eigene Arbeitsgruppe ins Leben gerufen hat, um eigene Konzepte für ein ‚universitäres Eltern-Kind-Zentrum‘ neu zu planen und intern abzustimmen – ohne die Stadt und uns einzubeziehen.“ Gegenüber der Hansestadt habe die Uni den Schritt damit begründet, dass die Uni-Klinik und ihre Gremien in die ursprünglichen Planungen nicht einbezogen gewesen seien. Das aber, so Vollrath, stimme nicht: „An der Projektentwicklung und den Arbeitsgruppensitzungen waren mehrere Vorstandsmitglieder der Uni-Medizin, die Chefärzte der einzubeziehenden Fachrichtungen – auch der Uni – und das Ministerium intensiv eingebunden.“

Will die Uni lieber neue OP-Säle bauen?

Auf den Fluren der Uni-Medizin macht indes ein Gerücht die Runde, wonach die Klinik kein allzu großes Interesse an einer Kinderklinik habe. Mehrere führende Mediziner hätten sich demnach dafür ausgesprochen, statt Geld für ein Eltern-Kind-Zentrum auszugeben, lieber in eine Erweiterung der Inneren Medizin und neue Operationssäle zu investieren. Damit ließe sich mehr Geld verdienen als mit Kindermedizin. Nöldge-Schomburg weicht einer klaren Antwort dazu aus: Im „Masterplan Bau“ der Uni habe Prodekan Bernd Krause alle maßgeblichen Flächenbedarfe bis 2030 zusammengetragen. Über Prioritäten wolle man erst sprechen, wenn das Land den Plan abgesegnet hat.

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